Hövelhofs Teamchef Klaus-Dieter Borgmeier trotzt Corona-Zwangspause mit Baumaßnahme.
Ein Keller als schickes Trainingszentrum

 

Montag, 24.08.2020, 17:29 Uhr aktualisiert: 24.08.2020, 17:40 Uhr
Trainingseinheit im umgebauten Keller: Klaus-Dieter Borgmeier und Hannah Pollmeier vom Regionalligisten TTV Hövelhof. Foto: Jörg Manthey
Trainingseinheit im umgebauten Keller: Klaus-Dieter Borgmeier und Hannah Pollmeier vom Regionalligisten TTV Hövelhof. Foto: Jörg Manthey

Hövelhof (WB). Als Corona im März begann, allüberall die Sportwelt mit vielen Fragezeichen und einer düsteren Zukunftsaussicht zu lähmen, hat Klaus-Dieter Borgmeier (68) entschlossen und weitsichtig gehandelt. Um eine Stagnation der Entwicklung seiner jungen Spielerinnen zu minimieren, baute Hövelhofs „Mister Tischtennis“ einen knapp 40 Meter großen Kellerraum in seinem Eigenheim zu einem schicken TT-Trainingszen-trum mit allem Pi-Pa-Po aus.

Wände angemalt, Decke neu verkleidet, ein gut ausgeleuchteter Turniertisch samt Bundesliganetz, ein paar hundert Bälle, auf einer Seite mit Kork unterlegter roter Linoleum-Hallenboden, ein Ballfangnetz, dazu schickes Equipment wie Gewichtsmanschetten für die Arme oder Therabänder für die Beine – plus reichlich Desinfektionszeug, das nach jeder Einzeleinheit auch sorgfältig eingesetzt wird: Dieser Keller lässt für seine ambitionerten Spielerinnen keine Wünsche offen. „Hier ist schon reichlich Schweiß geflossen“, schmunzelt Klaus-Dieter Borgmeier. „Und auch unser Hygienekonzept ist beispielhaft.“

Tolle Voraussetzungen

An diesem Tag hat sich Hannah Pollmeier aufs Rad geschwungen, um nur wenige hundert Meter von zu Hause eine intensive Session einzulegen. „Dieses Einzeltraining ist besonders. Viele beneiden uns um so eine Möglichkeit. Wir haben hier tolle Voraussetzungen. Was Klaus-Dieter im Keller gezaubert hat, ist einfach mega“, schwärmt sie. Die Spielerin des Regionalligisten TTV Hövelhof als großes Talent zu bezeichnen, passt gleich in doppelter Hinsicht, weist die 16-Jährige mit 1,84 Metern doch eine stattliche Körpergröße auf. „Ich erinnere mich noch an Hannahs erste Frage, als sie mit siebeneinhalb Jahren angefangen hat“, schmunzelt Borgmeier. „Das war: Soll ich mit rechts oder mit links spielen?“ Was ihn verdatterte. Bis heute ist dies eine ihrer Qualitäten neben den Reichweitenvorteilen (sie erreicht Bälle oft auch ohne größere Bewegung), ihrem Aufschlag oder einer großen Portion Sicherheit im Spiel. Hannah Pollmeier, Ur-Hövelhoferin, spielt gerne intuitiv und ist mithin schlecht ausrechenbar. Während eines Ballwechsels den Schläger für einen Überraschungsangriff oder auch zur Not in die andere Hand zu nehmen – kein Problem! „Hannah hat von unseren Mädels mit Abstand das beste Ballgefühl“, sagt Borgmeier, der von den Qualitäten seines Schützlings überzeugt ist. „Und sie kann eine Mannschaft mitziehen.“ Die Schülerin des Gymnasiums Schloß Neuhaus merkt an: „Ob Fußball, Volleyball; ich kann mit allem etwas anfangen, wo ein Ball mit im Spiel ist.“

Zusätzlich zum Vereinstraining fährt sie regelmäßig nach Kamen-Kaiserau und auch ins Bundeszentrum Düsseldorf. Aufgrund ihres höheren Körperschwerpunktes und der längeren Arme braucht Hannah Pollmeier auch ein höheres Maß an Gleichgewichtsfähigkeit. Die Beinarbeit ist folglich ihre größte Baustelle. Große Tischtennisspielerinnen sind in der Regel nicht so beweglich, benötigen mehr Zeit.

Millisekunden holt sich Hannah Pollmeier, indem sie ihr Spielsystem etwas tischferner ausrichtet, um aus der Halbdistanz den Bereich ihrer Entscheidungszeit zwischen Rückhand und Vorhand zu verlängern. Diese Strategie lässt sich mit dem Vorteil der Reichweite gut kompensieren. Um Kraft in die Beine zu bekommen, fährt sie viel mit dem Fahrrad oder läuft. Ihre Trainingspartnerin ist keine Unbekannte. Finja Berenbrinker (LC Paderborn), die ebenfalls in Hövelhof wohnt, hat gerade erst die Norm über die 2000 Meter Hindernis geknackt und das Ticket für die Deutschen U18-Meisterschaften gelöst.

Talent und Spielfreude

Hannah Pollmeier hat es mit Talent und Spielfreude, gepaart mit Ehrgeiz, Fleiß und kluger Förderung, bis in den U14-Nationalkader sowie in den Kader des Westdeutschen Tischtennisverbandes geschafft. Nachdem sie sich 2016 schon als 13. beim Top-48-Turnier behaupten konnte, schoss sie ein Jahr später den Vogel ab, als sie das Fünf-Länder-Turnier direkt gewinnen konnte. Ihr bislang größter persönlicher Erfolg, „der mir viele Türen geöffnet hat.“

Nachdem sie ihr erstes sportliches Etappenziel („In der Oberliga spielen“) erfolgreich gemeistert hat, erfüllte sich für Hannah Pollmeier mit dem nächsten Aufstieg ein kleiner Traum. „Ich wollte immer mal in der Damen-Regionalliga spielen. Und hätte nicht gedacht, dass das so schnell passiert.“ Jetzt will sie Regionalliga-Tauglichkeit abliefern. „Ich weiß, dass das im Vergleich zur Oberliga ein Riesensprung ist.“ Borgmeier ergänzt rasch: „Ja, dazwischen liegen Welten. Aber die technischen Voraussetzungen hat sie gelegt.“

„Unternehmen Nichtabstieg“

Für Hövelhof beginnt das „Unternehmen Nichtabstieg“ in der Tischtennis-Regionalliga West am Samstag, 29. August, mit einem Auswärtsspiel beim SV DJK Holzbüttgen II. Mit einer fitten Ying Ni Zhan (Bänderriss) an Position eins – dann bräuchte die Nummer drei Hannah Pollmeier nicht aufzurücken – wären die Erfolgschancen natürlich ungleich höher. Sie freut sich riesig auf die Saison. „So lange ich Tischtennis spiele, waren wir eigentlich fast immer Favorit. Das ist diesmal anders. Wir haben nichts zu verlieren und vielmehr diebischen Spaß daran, die Großen bestmöglich zu ärgern.“ Zahlreiche Gegnerinnen kennt die WTTV-Kaderspielerin von Vergleichen auf nationaler Ebene. So orakelt Pollmeier: „An einem richtig guten Tag haben wir gegen jeden eine Chance.“

Klaus-Dieter Borgmeier freut sich schon auf die Regionalliga-Heimpremiere. Am Sonntag, 13. September (14 Uhr), wird die TTG Vogelsberg erwartet. Die Kulisse sollte stimmen. „Hannah ist alleine für 30 Zuschauer gut.“

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