Freund klarer Worte: Basketball-Veteran Wilbert Olinde vor Paderborner Studenten
»Wie in den 60ern in den USA«

Paderborn (WB). Ob er Alexander Gauland zum Nachbarn haben möchte, behielt Göttingens Basketball-Veteran Wilbert Olinde (60) in Paderborn für sich.

Mittwoch, 01.06.2016, 19:23 Uhr aktualisiert: 01.06.2016, 19:25 Uhr
Wilbert Olinde blättert in Paderborn in dem neu erschienenen Buch »50 Jahre Basketball Bundesliga«. Foto: Hans Peter Tipp
Wilbert Olinde blättert in Paderborn in dem neu erschienenen Buch »50 Jahre Basketball Bundesliga«. Foto: Hans Peter Tipp

Die jüngste Aussage des AfD-Vizes über Jerome Boateng quittierte der gebürtige Amerikaner vor Studenten der amerikanischen Literatur- und Kulturwissenschaften am Montag jedenfalls mit Verachtung: »Das ist bullshit. So hat man in den Vereinigten Staaten in den 60er-Jahren geredet. Einige werden es nie verstehen, und es gibt welche, die es niemals akzeptieren werden.«

Erinnert fühlte sich der 2,02 Meter große Olinde auch an Vorurteile, die er in San Diego als Jugendlicher mitbekam, als seine Eltern aus einem schwarzen Ghetto in ein Viertel zogen, in dem vorwiegend Weiße wohnten.

Einladung aus Paderborn

Auf Einladung des Amerikanistik-Professors Christoph Ribbat berichtete der Diplom-Kaufmann, der in Hamburg als selbstständiger Mentaltrainer lebt, von seiner Jugend in Kalifornien und seinen Erfahrungen in der Bundesrepublik der 70er- und 80er-Jahre.

Olinde kam als US-Collegemeister mit dem Team der University of California, Los Angeles (UCLA), 1977 des Basketballs wegen nach Göttingen. Zwischen 1980 und 1984 wurde er mit dem SSC und dem ASC drei Mal deutscher Meister. Zwei Mal gewann er den nationalen Pokal (1984 und 1985).

Olinde, der eigentlich nur ein Jahr bleiben wollte, prägte eine ganze Bundesliga-Epoche und tauschte nach sechs Jahren sogar die amerikanische mit der deutschen Staatsbürgerschaft. Der Korbjäger wurde in Germany heimisch.

Wohler gefühlt als in den Staaten

Viele Jahre habe er sich in Deutschland wohler gefühlt als in den Staaten der 70er-Jahre, berichtete Olinde in Paderborn. Nach dem Fall der Mauer hätten sich die Dinge allerdings etwas geändert. So sei es wenig später in Kühlungsborn, wo sein früherer Teamkollege, der spätere Nationalmannschaftkapitän Armin Sowa, ein Hotel leitete, zu einer direkten Konfrontation mit Neonazis gekommen. Olinde: »Das hatte ich bis dahin in Deutschland nicht erlebt.«

Dennoch: Dass sein Sohn Louis jetzt als einer von mehreren Basketballjunioren mit Migrationshintergrund im deutschen U18-Nationalteam spielt, macht Olinde nicht nur stolz, sondern auch hoffnungsvoll: »Das zeigt, dass sich etwas verändert.« Was Gauland wohl davon hält?

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