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Fr., 25.08.2017

Martin Borgmeier belegt bei der German Long Drive Championship Rang zwei Selbst der Weltmeister ist beeindruckt

Volle Kraft voraus: Martin Borgmeier bei einem seiner Drives.

Volle Kraft voraus: Martin Borgmeier bei einem seiner Drives. Foto: DGS/Föhlinger

Von Elmar Neumann

Paderborn (WB). Es ist bunt, es ist laut und es ist? Golf! Der vermeintlich elitäre Zeitvertreib kann auch anders. Die erste Auflage der German Long Drive Championship ist der beste Beweis dafür und ein gebürtiger Paderborner einer der Protagonisten bei der spektakulären Premiere: Martin Borgmeier gelingt mit 323 Metern der längste Schlag des Tages und am Ende belegt der 26-Jährige den zweiten Platz.

Es tut sich etwas im Golfsport und Borgmeier hat richtig Lust darauf. Weg vom immer noch viel zu häufig vorauseilenden Ruf als ruhige Nummer für Rentner, hin zu einer modernen, jungen Form des Zeitvertreibs. »Ob so ein Event wie die German Long Drive Championship oder die Tatsache, dass mittlerweile fast jede Uni ihren Studenten Platzreifekurse anbietet – das, was da gerade passiert, ist eine echte Revolution«, sagt Borgmeier, der seine Heimatstadt vor vier Jahren verlassen hat und mittlerweile in Erlangen lebt.

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Athletik, Präzision und Nervenstärke werden benötigt.

Martin Borgmeier

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Das, was sich da auf der Driving Range des Kölner Golf-Clubs abgespielt hat, passt perfekt in das Bild, das Borgmeier vom »modernen Golfsport« vor Augen hat. Das Motto »Hit it hard – Sport, Show & Party« lässt nicht mehr Interpretationsspielraum, als es muss. Mit einem gemächlichen Spaziergang durch die Natur hat ein solches Event nichts mehr zu tun. Natürlich heißt das nicht, dass die Runde über 18 Bahnen nicht weiterhin viel Spaß bereitet, aber Abwechslung tut gut und die hat Borgmeier, der mit neun Jahren beim GC Paderborner Land mit dem Golfspiel begann, in den Long-Drive-Wettbewerben gefunden. Bei diesem Format geht es nicht darum, wer mit möglichst wenigen Schlägen den Ball im Loch versenkt, sondern wessen Abschlag (Drive) am weitesten fliegt. Mit stumpfen Draufhauen ist es nicht getan. »Athletik, Präzision und Nervenstärke werden benötigt, um den Ball mit maximaler Schlägerkopfgeschwindigkeit die Bahn hinunter zu befördern. Da du einen 40 Meter breiten Korridor treffen musst, kannst du die Sache keinesfalls komplett kopflos angehen«, sagt das 1,95 Meter große und 105 Kilogramm schwere Kraftpaket. Hinzu kommt, dass die Experten einen Schläger verwenden, der in kaum einer Golftasche zu finden sein dürfte. Das ist keiner der handelsüblichen Driver, sondern tatsächlich ein Longdriver mit einem besonders geringen Loft, der Fachbegriff für den Neigungswinkel der Schlagfläche.

Legende Joe Miller gibt seine Handynummer weiter

Der ehemalige Basketballer des SC Grün-Weiß Paderborn hat seinen Longdriver Ende des vergangenen Jahres im Netz von einem Anbieter aus den USA ersteigert, beim Zoll abgeholt und sich dann mit seinem Kumpel Marcel Baumgard einen Portugal-Urlaub gegönnt, um sich eine Woche lang mit dem neuen Arbeitsgerät anzufreunden. Der längste Drive, der Borgmeier bisher gelungen ist, waren im Simulator gemessene 396 Yards, etwas mehr als 362 Meter. Die magische Marke von 400 Yards ist nicht mehr weit entfernt, das, was der Longhitter schlechthin zu bieten hat, aber schon: Der Ursprung dieser Art der Golf-Duelle liegt in den Staaten, der König der Longdriver aber ist der Engländer Joe Miller, dessen Bestwert bei kaum glaublichen 474 Yards (433 Meter) liegt. »The Total Package« trat in Köln im Rahmenprogramm auf, beeindruckte, war aber auch beeindruckt – von Martin Borgmeier. »Ich habe jetzt seine Handynummer. Er hat mir gesagt, dass man aus mir etwas machen kann und ich mich melden soll, wenn ich Tipps brauche. Das ist cool«, sagt der Vizemeister.

Im Finale gelingt kein gültiger Versuch

Dass es im Feld der 100 Longdriver nicht zum Titel reichte, lag allein daran, dass der bis dahin überragende Borgmeier im Finale keinen gültigen Versuch ins Ziel brachte. Aufgrund der einbrechenden Dunkelheit waren ihm und Finalgegner Anton Kirstein nur fünf statt der zunächst geplanten acht Versuche erlaubt. Nachdem Amateur Borgmeier auch seinen fünften Schlag nicht im Korridor hatte unterbringen können, genügten dem Frankfurter Golfprofi 273 Meter zum mit 2500 Euro belohnten Sieg. Eine Weite, die der Zweitplatzierte, der als Amateur »nur« Sachpreise entgegennehmen durfte, im Viertelfinale mehrfach übertroffen hatte. »Das war das beste Set meines Lebens, da waren mehrere 300er dabei, unter anderem der eine auf 323 Meter. Auch im Finale ging ein Schlag über 320 Meter, aber der war ganz knapp im Aus. Das hat mich schon geärgert«, sagt der Mann mit dem roten Vollbart. Ob er sich künftig auf der European Long Drivers Tour versucht, ist noch nicht geklärt, auch wenn der Debütant in Köln einige der Tour-Teilnehmer klar distanziert hat. Jetzt überwiegt zunächst die Hoffnung, dass es 2018 zu einer zweiten Auflage der German Long Drive Championship kommt: »Dann bin ich garantiert wieder dabei und will das Ding gewinnen.« Bis dahin will er seinen Teil dazu beitragen, dass die Revolution im Golfsport nicht an Tempo verliert.

Ein zweites Standbein

Aktuell liegt Martin Borgmeiers Handicap bei 5,4 – als Jugendlicher war er schon bei 3,0. Damals teete er bei diversen Meisterschaften regelmäßig mit Alex Knappe (Clubkollege vom GC Paderborner Land) und dem Düsseldorfer Maxi Kieffer auf. Doch während es das Duo auf die Tour geschafft hat, hatte Borgmeier eine Phase, in der »Mädels und Motorräder« interessanter waren als Eisen und Hölzer. Der 26-Jährige verdient sein Geld als Vertriebsmitarbeiter des IT-Dienstleisters Atos, baut aber gerade ein zweites Standbein auf. Borgmeier und Marcel Baumgard sind seit diesem Jahr mit der Marke »Punchline Golf« (www.punchlinegolf.de) auf dem Markt, bieten Handschuhe, Tees, Pitchgabeln, Putterhauben und weiteres Zubehör an, das mit hoher Qualität, aber vor allem auch mit großem Spaßfaktor überzeugt. Auf den Bambus-Tees stehen Hinweise wie »Flieg, du Sau!« oder »Deep in the Woods«, auf den Putterhauben ist »Send him home« oder »One Putt Wonder« zu lesen.

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