Fr., 15.03.2019

Uni Baskets-Spielmacher Daniel Mixich vor dem Spiel bei Niners Chemnitz im Interview »Angst vor einer dauerhaften Spaltung«

Im Hinspiel (84:99) waren die Niners Georg Voigtmann (Mitte) und Matt Scott für Daniel Mixich eine Nummer zu groß. Vor dem Rückspiel kann der Ex-Chemnitzer nicht nur über Basketball sprechen.

Im Hinspiel (84:99) waren die Niners Georg Voigtmann (Mitte) und Matt Scott für Daniel Mixich eine Nummer zu groß. Vor dem Rückspiel kann der Ex-Chemnitzer nicht nur über Basketball sprechen. Foto: Elmar Neumann

Paderborn. Vier Jahre lang hat Daniel Mixich für den aktuellen Pro A-Spitzenreiter Niners Chemnitz gespielt, wäre mit ihnen fast in die BBL aufgestiegen. Am Samstag (19 Uhr, Richard-Hartmann-Halle) kehrt der Guard der Uni Baskets an die alte Wirkungsstätte zurück. Die Vorfreude wird allerdings von den skandalösen Ereignissen rund um das jüngste Heimspiel des dortigen Fußball-Regionalligisten überschattet. Elmar Neumann hat sich im Vorfeld mit dem 21-Jährigen unterhalten.

Daniel, bevor wir auf Basketball zu sprechen kommen, müssen wir über den Nazi-Skandal reden, der sich beim Heimspiel des Fußball-Regionalligisten CFC ereignet hat. Was sagen Sie vor allem als ehemaliger Chemnitzer dazu?

Daniel Mixich: Ich habe von den Vorkommnissen erst gar nicht so viel mitbekommen, bin jetzt, da ich mehr weiß, aber natürlich sehr traurig. Ich habe mit einigen meiner ehemaligen Mitspieler gesprochen. Die hatten und haben zum Teil Angst, dass das Ganze weiter eskaliert. Ich hoffe natürlich auch, dass sich die Situation beruhigt.

 

Ist Ihnen der Name des Rechtsradikalen, dem vor dem Fußballspiel mit einer Schweigeminute gedacht wurde, ein Begriff?

Mixich: Ich habe in meiner Chemnitzer Zeit mal von ihm gehört, mehr aber auch nicht.

 

Chemnitz steht nach den Ausschreitungen Ende August zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit in der ganz rechten Ecke. Wird das der Stadt, wie Sie sie erlebt haben, gerecht?

Mixich: Nein, in den vier Jahren, die ich in Chemnitz verbracht habe, habe ich das keinesfalls in dieser Ausprägung wahrgenommen. Ich bin als Teenager nach Chemnitz gekommen, habe dort mein Abitur gemacht und studiert. Chemnitz ist eine tolle Stadt! Man hat hier und da mal etwas gehört, aber nichts, was mit den Vorkommnissen im August oder jetzt zu vergleichen gewesen wäre. Ich hatte im Juni noch meine Freunde dort besucht und habe mich richtig erschrocken, als ich nur zwei Monate später die heftigen Bilder gesehen habe. Chemnitz möchte die Europäische Kulturhauptstadt 2025 werden und tut sehr viel dafür, aber solche Negativ-Schlagzeilen sind äußerst kontraproduktiv. Meine größte Angst ist, dass die Stadt dauerhaft in zwei Teile gespalten wird.

 

Sind die Basketball-Fans der Niners in irgendeiner Weise mit den Fußball-Fans des CFC zu vergleichen?

Mixich: Nein. Die Niners-Fans leben für ihren Sport, unterstützen ihr Team mit allem, was sie haben und das ohne einen politischen Hintergrund.

 

Wie groß ist die Vorfreude auf die Rückkehr in die Richard-Hartmann-Halle?

Mixich: Ich freue mich sehr darauf, in dieser Halle zu spielen, viele bekannte Gesichter und meine Jungs wiederzusehen. Wir werden alles geben, um zu beweisen, dass wir deutlich besser sind, als es unser aktueller Tabellenplatz vermuten lässt. Wir haben bei der knappen Heimniederlage gegen Heidelberg am vergangenen Spieltag nicht zum ersten Mal gezeigt, dass wir mit den Topteams mithalten können. Das wollen wir auch in Chemnitz, aber diesmal mit dem besseren Ausgang für uns.

 

In der Saison 2016/2017 lagen Sie mit den Niners im Play-off-Halbfinale gegen Gotha schon mit 2:0 in Führung. Der Aufstieg schien zum Greifen nah, aber dann hat Gotha die Serie mit drei Siegen in Folge noch gedreht. Schaffen es die Niners in diesem Jahr?

Mixich: Das ist sehr schwer zu sagen. Die Liga ist so ausgeglichen wie lange nicht. Auch der 14. und 15. können die Teams auf den ersten Plätzen ärgern. Aber ich wünsche den Jungs den Aufstieg. Sie hätten ihn verdient und Chemnitz könnte mal wieder richtig positive Schlagzeilen bekommen.

 

Sie mussten mit den Uni Baskets zuletzt fünf Niederlagen in Folge verkraften. Wie ist es um das Selbstbewusstsein bestellt?

Mixich: Das hört sich nicht nur bitter an, sondern das ist auch bitter, denn damit haben wir jegliche Chancen auf die Play-off-Teilnahme verspielt. Es waren viele Spiele dabei, die wir erst in den letzten Minuten aus der Hand gegeben haben. Wir wissen, dass wir Basketball spielen können, aber du gewinnst in dieser Liga nur, wenn du das auch über 40 Minuten zeigst.

 

Da es nicht für die Play-offs reicht, ist die Saison für Sie in zweieinhalb Wochen vorbei. Wissen Sie schon, ob Sie auch in der nächsten Saison für die Uni Baskets spielen werden?

Mixich: Ich bin keinesfalls abgeneigt. Ich fühle mich in Paderborn sehr wohl, habe mich gut eingelebt und komme auch mit den Jungs, unserem Coach und dem Management super klar. Aber erst einmal gilt es, die letzten drei Spiele möglichst erfolgreich über die Bühne zu bringen.

 

Sind Sie jemand, der sich mit einer Entscheidung Zeit lässt oder eher einer, der es eilig hat?

Mixich: Ich bin nicht der Typ, der bis auf den letzten Drücker wartet und bis zuletzt auf ein noch minimal besseres Angebot hofft. Ich bin jemand, der zu schätzen weiß, was er hat und ich weiß, was ich an Paderborn habe. Ich werde mich Ende April, Anfang Mai mit meinem Agenten unterhalten und dann wird es eine Entscheidung geben. Ich möchte einen ruhigen Sommer verbringen können.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6470801?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352966%2F2514646%2F