Fr., 14.06.2019

Leichtathletik: 100-Meter-Sprinter Noel Thorwesten möchte bei U23-DM ins Finale In den »Tunnel« laufen

Bereit für die U23-DM: LC-Sprinter Noel Thorwesten wird in Wetzlar anders fokussiert sein als hier, den Blick nach unten und ganz in sich versunken.

Bereit für die U23-DM: LC-Sprinter Noel Thorwesten wird in Wetzlar anders fokussiert sein als hier, den Blick nach unten und ganz in sich versunken. Foto: Jörg Manthey

Von Jörg Manthey

Paderborn (WB). Noel Thorwesten ist der männliche Vorzeigeathlet des LC Paderborn. Keiner, der große Töne spuckt, dafür einer, der es drauf hat. 100-Meter-Bestzeit: 10,35 Sekunden. Die ist zwar schon ein Jahr alt, doch an Selbstvertrauen im Startblock dürfte es dem 20-jährigen Sprinter an diesem Wochenende bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der Altersklasse U23 in Wetzlar nicht mangeln – nach so einem Trainerlob! »Ich habe Noel noch nie besser gesehen. Das war ganz stark«, adelte Thomas Prange seinen Schützling nach der Einheit am Pfingstmontag.

Nun gilt es für den Auszubildenden zum Kaufmann für Bürotechnik, diesen Eindruck genau so auf die Bahn zu bringen. »Die Lockerheit muss er bewahren, das ist ganz wichtig. Sprinten heißt eben nicht kämpfen und beißen«, erläutert Prange und wünscht dem hoffnungsvollen Athleten, dass er mit Maximalgeschwindigkeit »in seinen Tunnel laufen kann.« Oder fliegen. In Wetzlar ist Noel Thorwesten mit seiner 100-Meter-Zeit aus Weinheim (10,61 Sekunden) an Position 17 im Feld gelistet, das angeführt wird vom Jahresschnellsten Joshua Hartmann (ASV Köln). Der überraschte bei den Chrono Classics in Weinheim mit 10,16 Sekunden. »Es wäre optimal, wenn ich es ins Finale schaffe und da vorne mitlaufen kann«, bekennt der Athlet. Wissend: »Je mehr ich will, umso größer ist das Risiko, dass sich die Lockerheit verabschiedet.« Pranges verbale Pille: »Es ist alles da, was es braucht. Er hat eine extrem schnelle Muskulatur. Noel braucht nicht zu hadern.« Wenn dann noch die äußeren Umstände stimmen, traut der Coach seinem Schützling einen Quantensprung hin zu einer neuen Bestzeit zu.

Thorwesten mag heiße Temperaturen

Thorwesten mag heiße Temperaturen. Die sind praktisch. So ist die Aufwärmphase kürzer, das Blut fließt besser durch den Körper. Persönliche Rekorde fließen vor allem dann, wenn es richtig warm ist. Den Westenholzer treibt ein Minimalziel an, das er in Weinheim verfehlt hatte: Die Norm für die »große« DM am 3./4. August in Berlin zu knacken. Heißt: schneller zu sein als 10,45 Sekunden. Vielleicht reicht es ja sogar für ein U23-EM-Ticket (10,40).

Die 100 Meter sind die prominenteste Disziplin in der Leichtathletik. Hundertstelsekunden entscheiden über die Medaillenvergabe, und die Leistungsdichte in der Sprintszene ist enorm. Noel Thorwesten weiß um ein gewisses Optimierungspotenzial. »Ich esse das, was ich finde«, erzählt er verschmitzt, »und mein Schlafrhythmus könnte auch besser sein.« Motorisch passt alles bei ihm. Sprinten ist indes auch Nervensache. Bei der U23-DM im Vorjahr in Heilbronn, als er im Halbfinale seinen persönlichen Rekord auf 10,35 schraubte, wurde er im Finale wegen eines vermeintlichen Fehlstarts disqualifiziert.

Es hat »Klick« gemacht

Etwa ein Jahrzehnt wird Noel Thorwesten noch richtig schnell laufen können. So ist es ein kleiner Traum von ihm, nach Beendigung seiner Ausbildung erheblich mehr Zeit ins Training investieren zu können als bloß fünf bis sechs Einheiten in der Woche. »Hochleistungssport verträgt sich nicht mit einem 40-Stunden-Job. Ich bin so ziemlich der einzige, der den ganzen Tag arbeiten muss. Die anderen sind überwiegend Studenten.« Dieses Ungleichgewicht sporne ihn nur an, sagt er schelmisch. Vor allem, seit es »Klick« gemacht hat. »Ich habe mich in den zurückliegenden eineinhalb Monaten jeden Abend stark gedehnt. Das hat die Muskeln sehr verkürzt. Seitdem ich das nicht mehr tue, hat sich meine Beweglichkeit extrem verbessert und ich laufe lockerer.«

Und Noel Thorwesten hat auch einen großen Traum: »Natürlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen«, sinniert der Westenholzer, der zu US-Boy Noah Lyles, dem neuen Stern am Sprinter-Himmel – Bestzeit: 9,86 Sekunden – aufschaut. »Der ist einfach ultralocker. Gar nicht mal so schnell am Start, dafür ist seine zweite Rennhälfte einfach beeindruckend.« Eine wertvolle Lektion für den jungen Mann vom LC Paderborn: »Der bleibt auch nach einem mäßigen Start total locker, läuft sein eigenes Rennen. Ich schiele dann schon mal nach links und rechts.« Und schon ist der Kontakt zum eigenen »Tunnel« futsch.

Vor seinem Wechsel in die Leichtathletik hat Noel Thorwesten sieben Jahre lang Tennis beim TC Westenholz gespielt. Seit 2017 machen ihm Schmerzen in der Kniekehle zu schaffen, links mehr als rechts. Das nervt kolossal, doch die medizinische Abteilung hat ihm versichert, dass da nichts zu reißen droht. Zudem habe seine Erfahrung gezeigt, dass »ich das weglaufen kann.« Zweimal in Folge hat er sich in Erfurt zu Unzeiten im Wettkampfkalender Adduktorenzerrungen zugezogen, im Inter 2018 und 2019. »Da starte ich nicht mehr. Kein gutes Karma.«

Butzek und Staffel ebenfalls am Start

Im Städtischen Stadion Wetzlar mischt bei den U23-Frauen auch Chantal Butzek mit, die mit ihren 11,90 Sekunden an Position 13 gelistet ist. Für Lauryn Siebert (25,39) gilt über 200 Meter das olympische Motto. Mit Kathrin Grenda vom TSVE Bielefeld hat sich über 100 m und 200 m eine Athletin qualifiziert, die an der Universität Paderborn Angewandte Sportwissenschaft studiert. Der LC Paderborn bietet zudem eine weibliche 4 x 100-Meter-Staffel auf. Die Vorleistung von Chantal Butzek, Lauryn Sieber, Marlene Funke, Enie Schwenke und Franziska Keuper: 47,38 Sekunden.

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