Do., 04.07.2019

Hauptsponsor Ralf Hämmerling sieht den Tennis-Bundesligisten TuS Sennelager als große Familie »Wir sind keine Söldnertruppe«

Der Unternehmer Ralf Hämmerling ist Hauptsponsor des Tennis-Bundesligisten TuS Sennelager.

Der Unternehmer Ralf Hämmerling ist Hauptsponsor des Tennis-Bundesligisten TuS Sennelager. Foto: Oliver Schwabe

Paderborn (WB). Mit einem Heimspiel gegen den Deutschen Meister TK Grün-Weiß Mannheim startet Neuling TuS Sennelager am Sonntag in die Tennis-Bundesligasaison. Hauptsponsor Ralf Hämmerling hat die Erfolgsgeschichte mit sieben Aufstiegen in Folge entscheidend geprägt. Im Interview mit Matthias Reichstein und Elmar Neumann nennt der 62-Jährige Ziele, spricht über Visionen und sieht Parallelen zum SC Paderborn, bei dem er als stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat sitzt.

Herr Hämmerling, von der Bezirksklasse bis zur Bundesliga mit sieben Aufstiegen in Folge – noch höher geht es nicht. Wie lautet Ihr Saisonziel?

Hämmerling: Unsere Chancen auf den Klassenerhalt sind relativ gering. Das muss man so deutlich sagen. Wir brauchen viel Glück. Es hängt zum Beispiel sehr viel davon ab, wie weit die Topspieler der Gegner bei den Turnieren kommen, die mit den Bundesliga-Spieltagen kollidieren. Denn Turniereinsätze haben Priorität. Das war früher anders und das könnte für uns eine Chance sein. Im ersten Spiel können wir davon aber nicht profitieren, denn wie unsere Jungs sind auch die stärksten Mannheimer, allen voran der österreichische Weltranglistenvierte Dominic Thiem, in Wimbledon früh gescheitert und wären am Sonntag theoretisch einsetzbar.

Haben Sie deshalb einen Kader ohne einen größeren Namen zusammengestellt?

Hämmerling: Nein. Schon ein Top-100-Spieler würde unseren finanziellen Rahmen sprengen. Wir brauchen junge und hungrige Profis, die sich auf der Plattform Bundesliga noch präsentieren wollen. Ein Top-100-Spieler hat bereits die weltweite Aufmerksamkeit, die sich unsere jungen Spieler noch erkämpfen müssen.

Welcher Spieler darf nicht schwächeln, an welchen Spieler knüpfen Sie die größten Erwartungen?

Hämmerling: Antoine Hoan, unsere Nummer zwei, hat bei den French Open die dritte Runde erreicht. Wenn der seine Form halten kann, erwarte ich schon eine ganze Menge. Hoan ist einer, der auch die Nummer 20 der Welt schlagen kann. Unsere Nummer eins Jozef Kovalik hat nach seiner Verletzung und der anschließenden OP noch nicht so richtig Tritt gefasst, aber viel Potenzial. Er war schon die Nummer 80 in der Welt.

Wenn beide dabei sind könnten wir am Montag titeln: »Sennelager schlägt Meister Mannheim!«

Hämmerling (lacht): Es ist auch im Tennis nichts unmöglich, aber dann muss schon ganz viel passen und alles Glück auf unserer Seite sein. Es wäre auf jeden Fall ein Traumstart.

Das Bundesliga-Budget beim TuS Sennelager liegt bei 100.000 Euro, 80 Prozent kommen von Ihrer Firma?

 

Hämmerling: Nein, nein. 50 Prozent steuern wir als Hauptsponsor bei. Wir haben durch unseren neuen Spielort Paderborn viele Sponsoren dazubekommen. Sollten wir absteigen, könnten wir wieder in Sennelager spielen. Aber nach diesem schon jetzt sehr positiven Feedback müssen wir uns alle im Verein die Frage stellen, ob Sennelager für uns der richtige Standort für Profitennis ist. Bei der Suche nach neuen Geldgebern sicher nicht.

Der TuS Sennelager wird auch als Söldnertruppe bezeichnet. Haben Sie einen heimischen Spieler im Blick, der Bundesliga spielen könnte?

 

Hämmerling: Ich habe in früheren Jahren Valentin Günther aus Haaren stark gesponsert, aber leider gab es unterschiedliche Auffassungen über den weiteren Weg. Sein Coach wollte ihn mehr trainieren lassen und weniger auf Turnieren zeigen. Ich war der Meinung, Valentin müsse sich zumindest bei Meisterschaften präsentieren. Dann habe ich mein Engagement beendet. Valentin hätte das Zeug, um Bundesliga zu spielen. Sein Ranking zeigt aktuell nicht das, was er kann. In Paderborn gibt es noch Karlo Cubelic, mit dem hatten wir gesprochen, aber er hat sich für ein finanziell lukrativeres Angebot entschieden und ist nach Versmold gewechselt. Den hätte ich gerne bei uns weiter aufgebaut, eine andere Option sehe ich nicht. Aber ich wehre mich gegen den Begriff Söldnertruppe. Bei uns geht es familiär zu, bei uns können die Jungs gut trainieren und werden vernünftig untergebracht. Das spricht sich rum. Deshalb schlagen bei uns auch Spieler auf, die woanders mehr verdienen könnten.

Eine Familie braucht auch ein Haus. Gibt es Visionen für ein kleines Tennisstadion oder ein Turnier?

 

Hämmerling: Es gab ein Gespräch mit der Stadt über eine Förderung, aber Tennis ist im Moment nicht die Kernsportart. Ich warte erst mal die Saison ab. Eine Halle mit entsprechenden Plätzen, also eine Art Leistungszentrum, sollte das Ziel sein. Diese Idee schwirrt in meinem Kopf herum und wäre umzusetzen.

Der verstorbene SCP-Präsident Wilfried Finke hat den Schritt vollzogen, hat Schloß Neuhaus verlassen und in Paderborn ein Stadion gebaut.

 

Hämmerling: Hier gibt es viele Parallelen, aber ich plane jetzt nicht, den Namen zu ändern. Der TuS Sennelager bleibt. Ich bin gerne der Underdog. Wenn ein Dorf in der Tennis-Bundesliga spielt, hat das was. Wobei Fußball und Tennis an dieser Stelle nicht vergleichbar sind: Die Kraft der Vermarktung ist im Fußball mindestens zehnmal größer. Aber man sollte nie nie sagen.

Pläne für die Hämmerling Open gibt es noch nicht?

 

Hämmerling: Nein. Leider sind sich die Vereine bei uns auch nicht einig. Nur ein Beispiel: Es gibt den Eichen Cup und den Libori Cup. Ich hatte mal vorgeschlagen, die Kräfte zu bündeln und gemeinsam ein mit 25.000 Dollar dotiertes internationales Turnier zu veranstalten. Mir war egal, auf welcher Anlage gespielt wird, aber die Resonanz ging gegen Null. Wobei das ein Ausrufezeichen für diese Region gewesen wäre.

Die Chancen auf den Ligaverbleib bezeichnen Sie als eher gering, langfristig wollen Sie den TuS aber in der Bundesliga etablieren?

 

Hämmerling: Die Hoffnung habe ich. Sollte es dieses Jahr nicht reichen, nehmen wir einen neuen Anlauf. Aber wir betreten gerade völliges Neuland. Wir wissen gar nicht, wie die Zuschauerresonanz ist. Kommen 500, 1000 oder sogar 2000 Fans? Wir kennen unsere Ausgaben, aber noch nicht die Einnahmen. Unser Ziel sind zunächst mal 1000 Zuschauer zum Saisonauftakt gegen den Meister Mannheim. Es dürfen aber gerne mehr werden.

Sie haben selbst mal Handball gespielt, waren Leichtathlet und Fußballer. Warum sind Sie beim Tennis hängengeblieben?

 

Hämmerling: Als ich nach Paderborn kam, bin ich dem Tennisverein beigetreten und habe dort auch meine Frau kennengelernt. Die Initialzündung gab es für mich 2011. Als unsere erste Mannschaft komplett nach Mastbruch wechselte, mussten wir uns entscheiden: Entweder wir machen den Klub dicht, oder wir starten einen Neuanfang. Gemeinsam mit Marc Renner habe ich dann beschlossen, etwas Neues aufzubauen und den anderen mal zu zeigen, was gehen kann. Dass wir sieben Jahre später in der 1. Bundesliga aufschlagen, hätte ich damals natürlich nicht für möglich gehalten.

Paderborn bezeichnet sich als Sportstadt. Wird hier genug für den Spitzensport getan?

 

Hämmerling: Ja. Wir sind in verschiedenen Sportarten erstklassig, wobei ich mir manchmal von der Stadt mehr Engagement wünschen würde. Was den TuS Sennelager betrifft, hat die Stadt aber sehr schnell und unkompliziert geholfen.

Der TuS Sennelager und der SC Paderborn 07 spielen jeweils in der Bundesliga – was halten Sie für wahrscheinlicher: den Klassenerhalt des TuS oder den des SCP?

 

Hämmerling: Den des SC Paderborn. Ich halte die Qualität des deutschen Fußballs im Moment für nicht sehr hoch, im Vergleich zu England oder Spanien schon gar nicht. Gleichzeitig glaube ich aber daran, dass unser Fußball stark genug ist, dass wir uns behaupten können.

Sie glauben, dass der SC Paderborn seinen wuchtigen Offensivfußball in der 1. Liga durchsetzen kann?

 

Hämmerling: Die gleiche Frage habe ich dem Trainer und der sportlichen Leitung auch gestellt. Trainer Steffen Baumgart und Manager Martin Przondziono sind davon überzeugt. Ich glaube, wir werden uns ein paar blutige Nasen holen und auch mal die eine oder andere 0:5-Packung einfangen. Wenn es auf der anderen Seite gelingt, unsere Marke auch in der höchsten deutschen Liga durchzusetzen, ist alles gut und wir können uns auf eine weitere großartige Saison freuen.

Parallelen zum TuS und zum SCP kann man ziehen, zu Ihrer Firma auch. Sie haben am 13. August 1979 auf einem Hinterhof mit einer normalen Firma für Reifenwechsel begonnen.

 

Hämmerling: Ich kannte das Geschäft schon, habe aber tatsächlich mit einem Mitarbeiter angefangen und habe den Betrieb dann Stück für Stück aufgebaut.

Das ist bescheiden beschrieben: Sie machen heute 120 Millionen Euro Umsatz und haben 500 Mitarbeiter. Wo soll der Weg noch hinführen?

 

Hämmerling: Im Moment merken wir, dass die Wirtschaft nicht mehr so top läuft. Viele sprechen von einer kleinen Konjunkturdelle in Deutschland, ich sehe da schon etwas mehr auf uns zukommen. In meiner Firma bewegen wir uns in zwei Branchen: Logistik und Reifen. Da sind die Gewinnmargen gering. Deshalb muss hier jede Investition sehr gut überlegt sein. Wir wollten unseren Betrieb weiter ausbauen, haben die Erdarbeiten auch schon erledigt und stehen in den Startlöchern. Aber noch fehlen mir ein paar positive Entscheidungen unserer Kunden.

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