So., 07.07.2019

1100 Zuschauer sehen das 2:4 des TuS Sennelager gegen Meister Mannheim Ein gefühlter Sieg

Arthur Rinderkech in Aktion: Der Franzose gewann für den TuS Sennelager das einzige Einzel.

Arthur Rinderkech in Aktion: Der Franzose gewann für den TuS Sennelager das einzige Einzel. Foto: Agentur Klick

Von Frank Loose

Paderborn (WB). Diese Niederlage war ein Sieg. Der TuS Sennelager feierte am Sonntag eine gelungene Premiere in der 1. Bundesliga der Tennisherren. Trotz der 2:4-Heimniederlage gegen den amtierenden Deutschen Meister TK GW Mannheim überzeugte der TuS sportlich – und in Kooperation mit dem Paderborner TC Blau-Rot auch als Gastgeber.

Auf den Tennisplätzen an der Hermann-Kirchhoff-Straße waren bereits 30 Minuten vor dem ersten Ballwechsel keine freien Parkflächen mehr auszumachen. 1100 Besucher wollten sich die Allzeitpremiere eines Paderborner Tennisteams in der 1. Bundesliga nicht entgehen lassen. »Wir haben unsere anvisierte Zielmarke von 1000 Zuschauern übertroffen«, freute sich Hauptsponsor Ralf Hämmerling .

Die Zuschauer erlebten eine Werbung für den aufstrebenden Tennisstandort Paderborn – und machten zeitweise mit rhythmischem Klatschen zwischen den Ballwechseln eine Stimmung wie beim ATP-Rasen-Turnier in Halle. Zurecht: Es gab tolle Matches mit vielen spektakulären Ballwechseln zu sehen, Spannung bis in die Doppel hinein und ein Drumherum, das zu überzeugen wusste.

»Sennelager hat sehr gut dagegengehalten«

Dass es nach den vier Einzeln und zwei Doppeln nicht zu einem Sensationssieg gegen Mannheim reichte, lag am spielstarken Deutschen Meister und auch daran, dass Sennelager kurzfristig ohne seine Spitzenspieler Jozef Kowalik und Alexey Vatutin auskommen musste. Allerdings musste auch Mannheim kurzfristig auf Tobias Kamke verzichten. Den Grund für die Ausfälle quittierten die Verantwortlichen auf beiden Seiten mit Unverständnis. Die drei Spieler mussten am Sonntag in Runde eins eines Turniers in Braunschweig antreten, das erstmals am Sonntag und nicht am Montag begann. »Das ist absolut unüblich und es kam keine entsprechende Info an die Spieler und die Vereine«, so die Kritik von TuS-Teammanager Marc Renner. Hämmerling ergänzte: »Wenn wir heute mit unseren beiden vorgesehenen Spitzenspielern hätten antreten können, wäre gegen diese Mannheimer Mannschaft ein 3:3 oder gar mehr in Reichweite gewesen.« Lob erhielt der geschlagene TuS vom Mannheimer Teamchef. »Wir hatten drei unserer Topleute dabei, aber Sennelager hat sehr gut dagegengehalten«, lautete der Kommentar von Gerald Marzenell, »wenn der TuS weiterhin so auftritt hat er gute Chancen, in der Liga zu bleiben.«

Die Entscheidung zugunsten der Gäste fiel in Doppel eins. Dragos Dima und Frederico Ferreira Silva standen gegen Mannheims mit Reichweitenvorteilen ausgestatteten und offensiver agierenden Federico Delbonis und Pedro Martinez Portero beim 2:6 und 0:6 auf verlorenem Posten. Dafür spielte Neuzugang Arthur Rinderknech umso erfolgreicher, gewann sein Einzel gegen Maximilian Marterer nach zwei Durchgängen und siegte auch im Doppel an der Seite seines Spielpartners David Pel.

Tolles Erstligatennis in Westfalen trotz des Rückzugs des TC BW Halle (jetzt Regionalliga) erfreut auch den Westfälischen Tennisverband (WTV). »Das war eine Werbung für den Tennissport und ist eine Riesenchance für den Tennissport in Paderborn und ich erhoffe mir großen Aufwind für die mehr als 40 Tennisvereine im Kreisgebiet«, sagte WTV-Vizepräsident Elmar Schlüter (TC Rot-Weiß Salzkotten), »es wäre schön, wenn an den nächsten Heimspiel-Sonntagen viele Tennisbegeisterte den TuS ebenso intensiv unterstützen, wie bei der tollen Premiere.«

Winziger Kritikpunkt: der Zustand der zu weichen Plätze

Oberschiedsrichter Jens Himmelmann (TC Grün-Weiß Paderborn) hatte mit der fairen Partie keinerlei Mühe und zollte dem Gastgeber ebenfalls Respekt. »Sennelager und Blau-Rot Paderborn haben vielen Zuschauern guten Sport, nette Stände und gutes Catering geboten«, sagte Himmelmann. Einziger Kritikpunkt: der Zustand der zu weichen Plätze.

Zuvor durften sich die Tennis-Asse ins Goldene Buch der Stadt Paderborn eintragen. In seiner Laudatio sprach Bürgermeister Michael Dreier von »unglaublichem Stolz« und einem »Hochgefühl für die Sportstadt Paderborn«, dank des einmaligen Durchmarschs des TuS Sennelager aktuell über gleich fünf Erstligisten (neben Tennis noch Fußball, Squash, Baseball, Sportschießen) zu verfügen. »Die Sportstadt fiebert mit Ihnen und drückt für die Bundesligasaison ganz fest die Daumen«, so Dreier.

Kommentar

Fußball, Baseball und jetzt auch Tennis ­– die Liste der Paderborner Bundesligisten könnte man problemlos fortsetzen. Erstklassige Hallen und Plätze sind die Basis für Spitzensport der Extraklasse. Da hat die Sportstadt fraglos Maßstäbe gesetzt.

Doch ohne das persönliche Engagement Einzelner ist der Sprung in die nationale Elite kaum möglich. Der verstorbene Wilfried Finke beim SC Paderborn oder Martin Nixdorf bei den U’s sind zwei Beispiele, Ralf Hämmerling beim TuS Sennelager gehört nun auch dazu. Die Förderer des Spitzensports können aber nur den Weg ebnen, die Fans in dieser Region sind es am Ende, die mit den Füßen darüber abstimmen, ob sich der Aufwand lohnt.

Die 1100 Besucher am Sonntag waren ein guter Anfang. Der wird auch den TuS Sennelager bestärken, hier weiterzumachen. Auch wenn die ATP wenige Stunden vor Spielbeginn mit einem üblen Doppelfehler viel infrage stellte. Wer kurz vor Saisonstart mit Jozef Kovalik und Alexey Vatutin die Nummer eins und zwei des Vereins kurzerhand zum Turnier nach Braunschweig delegiert, der macht viel Basisarbeit kaputt und handelt nicht im Sinne des Fair plays. Zu einem, weil so der TuS gegen Meister Mannheim schon vor dem ersten Ballwechsel ohne Siegchance war. Zum anderen, weil ein kleiner Klub, der mit viel Herzblut an seiner Bundesliga-Premiere gearbeitet hat, durch diese Wettbewerbsverzerrung bitter enttäuscht wurde.

Matthias Reichstein

 

 

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