Sa., 14.09.2019

Snooker: Jan Eisenstein startet bei der Weltmeisterschaft der Amateure in Myanmar Der »Graf« gibt sich die Ehre

Von Jörg Manthey

Hövelhof   (WB). Das wird ein exotisches Abenteuer. Snooker-Ass Jan Eisenstein, der » Graf vom Eisenstein« – diesen Kampfnamen haben dem Hövelhofer seine Mitspieler vom Bundesligisten SC 147 Essen verpasst – steuert Südostasien an. Genauer: Myanmar, das frühere Burma. Dort vertritt der 26-jährige Bundeskadersportler Deutschland bei der Snooker-Weltmeisterschaft der Amateure, die vom 16. bis 25. September im wuseligen Mandalay, zweitgrößte Stadt des Landes, ausgetragen wird. In Mandalay bildet der »adlige« Verwaltungsfachangestellte (»das ist doch lustig und stört mich nicht«) an der Seite Michael Schnabels von der TSG Heilbronn ein Zweierteam. Dieses Tandem hatte bei der EM mit dem fünften Rang das WM-Ticket gelöst. »Wir sind im Viertelfinale 1:4 an Irland gescheitert.«

Es ist nicht der erste Auftritt Eisensteins in Asien. Sein »bisschen Talent«, wie er grienend anmerkt, hatte er schon bei der U21-Weltmeisterschaft in China (2012) gezeigt. Bei seiner internationalen Premiere war er 19 Jahre jung. Damals war nach der Vorrunde Endstation. »Diesmal sind die Erwartungen höher«, betont Jan Eisenstein. »Wir wollen unser EM-Abschneiden gerne bestätigen.«

Der internationale Snooker-Tross bezieht in Mandalay Quartier im neuen Pullman Yangon Hotel. Die 16 Turniertische werden in einer Multifunktionshalle in 800 Meter Entfernung aufgebaut.

Training am eigenen Tisch im angemieteten Zimmer

Bis es losgeht, hat er den Ernstfall bestmöglich am eigenen Tisch simuliert, der seit acht Jahren in einem von Vater Helmut angemieteten Raum in Hövelhof steht. Ein gewaltiges Teil: acht Beine, 3,56 Meter mal 1,78 Meter groß, etwa eineinhalb Tonnen schwer. »Nach Möglichkeit trainiere ich da täglich, und wenn es nur eine Stunde ist. Das ist mehr wert als gar nichts.« Der Nachteil seines Solos: Es fehlt an adäquater Konkurrenz. »Snooker ist ein ganz komplexer Sport. Du musst die Konzentration über eine lange Distanz hochhalten können, Druck auf den Gegner ausüben, selber Druck aushalten«, erläutert Jan Eisenstein. Duelle könnten schon mal vier Stunden oder längern dauern. Man müsse drei oder vier Kugeln vorausdenken, wie beim Schach, doch solche Vergleiche seien nur die halbe Wahrheit, fügt er an.

Präzise Millimeterarbeit

Perfektion, gepaart mit einem riesigen Frustpotenzial: Das ist Snooker! Das stille Gentleman-Spiel gilt gemeinhin als vornehmste Billard-Variante, ist hochgradig taktisch geprägt und präzise Millimeterarbeit. Der TV-Quotenhit beinhaltet neben Feingefühl, Geduld, Genauigkeit; ja fast Mathematik, ebenso eine psychologische Komponente. Dieses »Gesamtpaket« der Anforderungen fasziniert den Hövelhofer. WM-Abflug ist heute, Samstag, das Teamturnier beginnt aber erst eine Woche später. Durchaus willkommener Leerlauf. Denn somit bleibt den Deutschen ausreichend Zeit, sich zu akklimatisieren. In Myanmar ist gerade Regenzeit; 28 Grad, tropisches Savannenklima. Und so kann Jan Eisenstein vielleicht doch noch beliebte Touristenziele wie den Pagodenwald Kakku oder das Shwenandaw-Kyaung-Kloster ansteuern. »So oft kommt man ja nicht in die Ecke«, schmunzelt er.

NRW-Meister im Snooker 6reds

Jan Eisenstein ist keinem Verein angeschlossen. Zu den Glanzpunkten seiner Laufbahn zählt unter anderem der Gewinn zweier Grand-Prix-Turniere, beide in Aachen. 2017 führte Eisenstein die Grand-Prix-Wertung sogar mal an. Gerade erst hat er in Wiedenbrück erneut sein Leistungsvermögen dokumentiert und die NRW-Meisterschaft Snooker 6reds gewonnen. »Das war ein gelungener Test für die WM!« Im Finale schlug er Julien Lange vom 1. SBC Bielefeld mit 3:1. Beim weniger bekannten Six-Red-Snooker wird, anders als beim normalen Snooker, nicht mit 15, sondern mit lediglich sechs roten sowie den sechs andersfarbigen Kunstharzkugeln gespielt. Das macht die Sache erheblich schneller. Direkt nach Myanmar steht noch ein nationaler Saisonhöhepunkt an. In Hannover wird am 28./29. September die erste offizielle Deutsche Meisterschaft in der jungen Disziplin 6reds durchgeführt. »Der Verband möchte, dass wir dort Leistung bringen.«

Ein weiteres Hobby Jan Eisensteins ist es, Musik zu machen. Laute Musik. Er ist Bassist der OWL-Band »Huckleberry’s Wildest Dream«, die sich an den Genres Hard Rock und Heavy Metal orientiert. »Das ist ein netter Ausgleich für mich.« Da kann der Snookerspieler seinen braven Dresscode – schwarze Hose, einfarbiges Hemd, Fliege – im Schrank lassen.

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