So., 22.09.2019

Squash: Herren des Paderborner SC gewinnen den Europapokal der Landesmeister Der »süße« zehnte Streich

Der alte und neue Champion, vorne von links: Anna Wedegärtner, Simon Rösner, Raphael Kandra, Lucas Wirths, Norman Farthing mit der Schale, Lennart Osthoff und Friedel van Rossum. Hinten von links: Nicolas Müller und Viktor Byrtus.

Der alte und neue Champion, vorne von links: Anna Wedegärtner, Simon Rösner, Raphael Kandra, Lucas Wirths, Norman Farthing mit der Schale, Lennart Osthoff und Friedel van Rossum. Hinten von links: Nicolas Müller und Viktor Byrtus. Foto: PSC

Von Jörg Manthey

Paderborn  (WV). Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte: Die Herrenmannschaft des Paderborner Squash Clubs (PSC) hat zum zehnten Mal den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Das spannende Endspiel der 32. European Club Championships im schottischen Edinburgh gegen den deutschen »Vize« Black & White Worms endete mit einem 3:1-Erfolg. Die PSC-Damen hatten sich zuvor zum zweiten Mal die Bronzemedaille erkämpft (wir berichteten am Samstag ausführlich).

»Dieser Titel ist der bislang schönste Titel, denn er war nur aufgrund einer grandiosen Teamleistung gegen auf dem Papier favorisierte Wormser möglich«, jubelte Teammanager Friedrich van Rossum. PSC-Geschäftsführerin Anna Wedegärtner lobte: »Jeder hat sich während des gesamten Turniers in den Dienst der Mannschaft gestellt. Damit sind wir starken Wormsern auf Augenhöhe begegnet. Der Teamgeist hat am Ende den Ausschlag gegeben.«

Nicolas Müller für Raphael Kandra

Nach seinem kräftezehrenden Fünfsatzsieg tags zuvor fehlte Europameister Raphael Kandra in der Final-Aufstellung. Mit Nicolas Müller bot der PSC dafür gegen Worms einen frischen Spieler auf, der zuletzt zweimal gegen Greg Lobban triumphieren konnte.

Den Auftakt machte Viktor Byrtus, der bei der Bundesliga-Endrunde gegen Carsten Schoor verloren hatte und sich nun dafür in einem packenden Duell revanchierte. Mit einem 11:8, 5:11, 12:10, 12:10 gab er die Richtung vor und ballte die Faust. »Ich bin glücklich, dass ich für mein Team den Punkt holen konnte«, strahlte der Tscheche.

Das folgende Spitzeneinzel zwischen Simon Rösner, Weltranglistenfünfter, und dem Neuseeländer Paul Coll, Sechster der Weltrangliste, lief so gar nicht nach Wunsch. Mit 5:11, 2:11, 9:11 musste Rösner seinem Gegner klar gratulieren; nicht zum ersten Mal. Bei der Endrunde der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft in Hamburg war der PSC-Frontmann ebenfalls zweiter Sieger gewesen.

Lucas Wirths mit Topleistung

Nach diesem 1:1-Ausgleich zeigte Lucas Wirths an Position vier gegen Tim Weber eine Topleistung. Mit einem famosen 11:5, 1:11, 11:6, 11:8 und dem Punkt zum 2:1 schuf Wirths die Grundlage für Paderborns Pokaljubiläum.

Nun war es an Nicolas Müller, für die Entscheidung zu sorgen. Der Schweizer bekam es mit Greg Lobban zu tun. Die Ausgangslage: Ein Müller-Sieg, und Paderborn verteidigt den Titel. Schnappt sich Lobban mit 3:0- oder 3:1-Sätzen das Spiel, geht das Match zugunsten von Worms aus. Bei einem 3:2-Erfolg Lobbans hätten die Punkte ausgezählt werden müssen.

Nicolas Müller dreht 7:10 in 12:10

»Ich wusste, dass ich gewinnen muss. Ich liebe diese Situation«, bekannte Müller. Der Krimi mit dem Happy End für Paderborn währte 57 Minuten. Zunächst gab Lobban den Ton an. Der Schotte in Reihen der Nibelungenstädter gewann den ersten Satz mit 11:9. Danach war trotz aller Bemühungen gegen die »Wand« aus der Schweiz kein Durchkommen mehr. Mit einem attraktiven Angriffsspiel holte Müller die Sätze zwei und drei (11:9, 11:7). Im vierten Durchgang lag der Schweizer schon mit 7:10 im Hintertreffen, drehte das Resultat aber noch zum 12:10. Der Rest war Jubel. »Es waren extrem enge Spiele. Ich bin extrem froh«, griente der »Ex-tremist«. Raphael Kandra, der sich direkt nach San Francisco verabschiedete, atmete erleichtert auf: »Das war eine ganz große Sache. Eine unglaubliche Teamleistung. Wir waren schlechter gesetzt. Was die vier Jungs ohne mich im Finale herausgeholt haben, war wirklich beachtlich.«

Überglücklich nach diesem 3:1 gab sich auch Simon Rösner, der die »unglaubliche Teamleistung« hervorhob. »Wahnsinnig schön. Aufgrund verschiedener Gegebenheiten war es wahrscheinlich der süßeste Sieg. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Das war ein ganz besonderer Erfolg. Auch wenn wir an eins gesetzt waren, sind wir nicht als Favorit ins Spiel gestartet. Wir waren der Underdog. Die Jungs haben das super gemacht und mich nach der DMM in Hamburg erneut gerettet!«

Lennart Osthoff geizte in Schottland nicht mit klaren Worten. Ihm schmeckte der Sieg angesichts der »maximalen Regelausnutzung« der Wormser, die er als »unfaires Verhalten« wertete, besonders gut. »Wir sind mehr als happy. Edinburgh hat gezeigt, dass Squash nicht nur ein Individualsportart ist, sondern dass der Teamgeist unglaublich wichtig und wertvoll ist. Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Hause. Jetzt kann es nur noch eine erfolgreiche Bundesligasaison werden.«

Gebührender Abschied für Norman Farthing

Der Gewinn der »Campions League« stellte nicht zuletzt einen gebührenden Abschluss für den scheidenden Teammanager Norman Farthing dar, der in Edinburgh den Staffelstab offiziell an Anna Wedegärtner und Friedrich van Rossum übergeben hat. »Grandios. Das war eine ganz besondere Meisterschaft für mich, ein Traum-Abschluss«, meinte Farthing ergriffen. »Die Jungs haben in atemberaubender Manier gegen Worms gewonnen. 15 Deutsche Meistertitel und zehn Europapokalsiege – das soll erstmal einer nachmachen!«

Die Damen erkämpften hinter dem alten und neuen Champion Edgbaston Priory Club (12 Punkte) und dem Pontefract Squash Club (10) mit acht Zählern Podiumsplatz drei. »Wir haben alles gegeben. Dieses Jahr hatte es in sich«, meinte Christine van Rossum nach ihrer zweiten Europapokalteilnahme. Edinburgh hatte viel zu bieten. Wir hatten eine Menge Spaß auf und vor dem Court.«

So wurde auf der ehrwürdigen, 83 Jahre alten Anlage ein weiteres Kapitel Paderborner Klubgeschichte geschrieben. »Wir sind sehr begeistert, wie der Europapokal für uns gelaufen ist«, frohlockte Damen-Teammanager Matthias Wolff. »Die ganze Crew hat super Arbeit geleistet. Wir haben uns super wohl gefühlt. Es war ein toller Europapokal und hat sehr viel Spaß gemacht.« Klar, dass Geschäftsführerin Anna Wedegärtner nach solcher Ausbeute und »großartigen Teamleistungen« einfach nur glücklich war. Und »stolz, ein Teil des PSC zu sein.« Hinterher wurde bis 2 Uhr morgens im Edinburgh Sports Club gefeiert, zunächst traditionell auf »schottisch« mit viel Tanz, danach ging es mit einer »Silent Party« weiter, wie Anna Wedegärnter berichtete.

Die Ergebnisse

Männer

Pool A: PSC - SC Ulster 4:0, PSC - ESRC 4:0. Viertelfinale: PSC - Fitzwilliam 4:0. Halbfinale: PSC - Edinburgh Sports Club 3:0. Finale: PSC - Black & White Worms 3:1

Frauen

PSC - Edinburgh Sports Club 3:0, PSC - SC Fricktal 2:1, Pontefract Squash Club - PSC 3:0, PSC - Newlands LTC 3:0, PSC - Poland11 Punkt SC 2:1, Edgbaston Priory Club - Paderborner SC 3:0

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