Motorsport: Jens Ofer aus Büren Dritter bei 58. »Aischgründer Zuverlässigkeitsfahrt«
»Ich mag es rau und echt«

Büren  (WB/jm). »Ich freue mich tierisch über jedes alte Motorrad, das heute noch seine Bahnen zieht«, schwärmt Jens Ofer mit leuchtenden Augen von dem »besonderen Spirit« solcher Schätzchen. »Ich mag es rau und echt.«

Donnerstag, 26.09.2019, 03:00 Uhr
Jens Ofer hat bei der 58. »Aischgründer Zuverlässigkeitsfahrt« auf seiner Yamaha TT 350 Rang drei in der Youngtimer-Klasse belegt. Foto: Felix Fischer
Jens Ofer hat bei der 58. »Aischgründer Zuverlässigkeitsfahrt« auf seiner Yamaha TT 350 Rang drei in der Youngtimer-Klasse belegt. Foto: Felix Fischer

Yamaha-Klassiker haben es dem 51-jährigen »Reisenden«, »Selbstschrauber« und »Selbstfahrer« besonders angetan. Ob Scheiben, Buchsen, Gaszüge, ob Zahnräder, Bremsanker oder Blinker – Ofers Werkstatt in Büren ist eine wahre Fundgrube an neuen und gebrauchten Ersatzteilen für die alten Haudegen unter den Motorrädern.

Jens Ofer kommt gebürtig aus dem hessischen Biebertal; wohl der Urgrund für seine Leidenschaft. »Da waren alle im Dorf angefixt.« Schon als fünfjähriger Knirps stand er dort an der Bergrennstrecke und inhalierte bei Motocrossrennen die Benzin-geschwängerte Luft. »Da war die Lunte entzündet.«

»Eine altersgerechte Patina gehört dazu«

Die Detailarbeit mit Herz an Replikas, Motorrädern für Liebhaber, ist bloß die eine Seite. Zu gerne transportiert Jens Ofer den Zeitgeist seiner Schmuckstücke selbst in den Wettbewerbseinsatz. »Dafür sind sie mal gebaut worden. Motorradrennen mit den Alteisen sind für mich der pure Spaß«, bekennt der Nostalgiker. Und der beginne nun mal mit dem Schrauben. »Ein Rahmen und eine Kiste mit dreckigen Teilen, das ist für mich das größte Vergnügen.« Die neue Technik mache ihn gar nicht so sehr an, bekennt Jens Ofer. Er sieht sich mehr als Erhalter klassischer Youngtimer. »Leider geht der Trend dahin, die Maschinen zu überrestaurieren, besser als neu«, bedauert er. Sie dann hinzustellen wie in ein Museum, nur zum Anschauen, sei »nicht authentisch. Die dürfen Beulen und Kratzer haben. Ich bin ja auch nicht mehr taufrisch. Eine altersgerechte Patina gehört dazu«, grinst er.

Kürzlich nahm er an der 58. »Aischgründer Zuverlässigkeitsfahrt« im bayrischen Neustadt/Aisch teil, Schlammpassage im Wald und »Goggoloch« inklusive. Manche Kurve da erinnerte an ein Wüstenrennen. Ofer pilotierte seine 122 Kilo schwere Viertakt-Yamaha TT 350, Baujahr 1987, nach drei Runden à 60 Kilometern (mit jeweils einer Sonderprüfung) auf den dritten Platz in der Klasse 11, Youngtimer über 250 ccm.

Teamkollege: Altmeister Eddy Hau

Sein Teamkollege, mit 67 Jahren inzwischen mehr Oldtimer denn Youngtimer, ist kein Unbekannter: Altmeister Eddy Hau. Der Senior aus dem Frankenland war in den 1970er und 80er Jahren einer der besten deutschen Geländefahrer: sieben Deutsche Meistertitel, viermal Europameister, zweifacher Mannschafts-Weltmeister, unter anderem Sieger der Marathonklasse bei der Rallye Paris-Dakar (1982). Jens Ofer hatte ihn 2017 in Österreich kennengelernt. »Wir haben uns sofort gut verstanden, waren auf einer Wellenlänge. Eddy hat das Fahren nicht verlernt.« Hau feierte in Neustadt den Klassensieg auf einer XT 550 Tweesmann Replika. Mit diesem Nachbau aus Originalteilen, der viele hundert Arbeitsstunden verschlang, erfüllte sich Jens Ofer 2016 einen Jugendtraum.

Nach vielen Jahren ohne Sportmotorrad glückte dem Mechaniker im Jahr 2015 ein erfolgreiches Enduro-Comeback. In jener Saison feierte Jens Ofer sieben Laufsiege und wurde zweimal Zweiter. Damit gewann er auf Anhieb die Norddeutsche Gelände-Meisterschaft und holte auch den Gesamtsieg in der Youngtimerklasse im ADAC Enduro Rallye Cup.

An diesem Samstag geht’s nach Thüringen. Die »Saalfelder Runde« ist eine Cross-Country-Veranstaltung für klassische Motorräder in einer stillgelegten Sandgrube auf einem etwa fünf Kilometer langen, selektiven Rundkurs.

2020 Rückkehr auf den Asphalt

Seine Pläne für 2020 sehen neben gemeinsamen Klassik-Enduroveranstaltungen mit Eddy Hau auch wieder Technische Betreuung vor: etwa Rennservice für das Team ILNA-Racing, ein Formel 2-Renngespann aus Frankreich. »Ich plane für mich eine sporadische Teilnahme an der Youngtimer Superbike Trophy«, liebäugelt Jens Ofer nach jahrelanger Abstinenz mit einer Rückkehr auf den Asphalt. Rundstreckenrennen, die er auf einer Yamaha YZF 600 R Thundercat bestreiten will. Das ehemalige Rennmotorrad aus dem Jahr 1998 wird von ihm gerade wieder mit viel Liebe zum Leben erweckt und komplett neu aufgebaut. Der heiße Ofen vereint 600 Kubikzentimeter, etwa 120 PS und bringt es, je nach Übersetzung, auf 265 »Sachen«. Mehr Infos im Internet: www.nichtnurxt.de

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