Mi., 06.11.2019

Squash: Simon Rösner, Raphael Kandra und Nicolas Müller vom Paderborner SC starten bei den Weltmeisterschaften in Katar Daumen hoch für Doha

Drei WM-Fahrer: Die Paderborner Squash-Asse Simon Rösner, Rapahel Kandra und Nicolas Müller (von links).

Drei WM-Fahrer: Die Paderborner Squash-Asse Simon Rösner, Rapahel Kandra und Nicolas Müller (von links). Foto: Jörg Manthey

Paderborn  (WB/jm). 33 Grad, Sonne. Simon Rösner, Raphael Kandra und Nicolas Müller vom Paderborner Squash Club sind am Persischen Golf angekommen. Im Khalifa International Tennis and Squash Complex in Doha werden am Abend die Squash-Weltmeisterschaften eröffnet. Insgesamt 64 Spieler treten an.

Zu den 56 Topspielern der PSA World Tour gesellen sich acht Wildcards. Es wird ein Preisgeld von insgesamt 335.000 Dollar ausgeschüttet. Diese WM sei von der Wertigkeit gleichbedeutend mit den acht großen Turnieren der World Series, meint Rösner, der seinen 32. Geburtstag am Dienstag im Flieger verbrachte. Die Setzliste sieht ihn als Sechsten. »Ins Halbfinale zu kommen, wäre toll«, sagt Deutschlands Nummer eins, in der Szene als »German Tree Chopper« gefürchtet, als der deutsche Holzfäller. Zu verdanken hat er diesen Spitznamen seinem enormen Schwung. Rösners Erstrundengegner ist Ben Coleman aus England (12 Uhr). »Ich möchte in Doha den Spaß und die Leistung von vor einem Jahr wieder herstellen«, sagt er nachdenklich und wähnt sich auf einem guten Weg. »Es geht wieder voran.«

Kandra hat den schwersten Erstrundengegner

Raphael Kandra ist aktuell 25., Nicolas Müller zwei Plätze dahinter. Der Schweizer dürfte gegen den Österreicher Aqeel Rehman favorisiert sein (18 Uhr). Raphael Kandra sollte es in der ersten Runde am Freitag (18 Uhr) mit dem amtierenden Weltmeister Ali Farag zu tun bekommen. Wie berichtet, hat der wegen eines Trauerfalls in der Familie auf einen WM-Start verzichtet. Stattdessen trifft Kandra nun auf Tarek Momen. Der 31-jährige Ägypter ist amtierender Vize-Weltmeister, Nummer drei der Welt und hatte erst vor Monatsfrist Simon Rösner im Viertelfinale der US Open aus dem Wettbewerb geworfen. »Ich kann ihm an einem guten Tag gefährlich werden«, orakelt Kandra.

Seit 2016 sind die Endspiele der Männer-WM eine rein ägyptische Angelegenheit. Bei den zurückliegenden Titelkämpfen in Chicago hatte sich Farag in 79 Minuten gegen Landsmann Mohamed El Shorbagy durchgesetzt. Mag Squash in dieser Woche in Doha eine große Nummer zelebriert werden; die internationale Perspektive dieses in immerhin 186 Ländern ausgeübten Sports sieht eher trist aus. Eine Kampagne, Squash ins Programm der Olympischen Spiele 2024 in Paris zu hieben, ist erneut fehlgeschlagen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat lieber Surfen, Sportklettern, Skateboard und Breakdance vorgeschlagen.

PSC-Chef Preising träumt von einem Glascourt

Andreas Preising, 1. Vorsitzender des Paderborner Squash Clubs, hat sich mit dieser Watsche abgefunden. Ist ja schon das vierte Mal. Dafür hegt er einen anderen Traum. »Ein fester Glascourt im Ahorn-Sportpark. Einfach Licht anmachen, und da steht er. Mit Platz für 400, 500 Zuschauer samt kleinem Cateringbereich. Das würde uns weiterbringen, uns einen Push geben«, schickt er diesen Wunsch zur Optimierung der PSC-Infrastruktur ins Universum. In Deutschland verfügen nur Hamburg und Böblingen über einen Glascourt. Einen aufblasbaren Court, der auf jedem Terrain genutzt werden kann, besitzen sie inzwischen ja schon in Paderborn.

Simon Rösner trägt sich mit dem Gedanken, seine nunmehr 16 Jahre andauernde Tour-Karriere in drei Jahren zu beenden. »35 hatte ich mir als Ziel gesetzt. Ich hoffe, dass ich bis dahin verletzungsfrei bleibe. Ich bin groß und schwer, nicht so agil wie andere. Mein Spiel ist sehr kraftaufwändig.« Solange Rösner auf diesem Niveau vorne mithalten kann, sei alles in Ordnung. »Sollte ich irgendwann nach hinten durchgereicht werden, macht es auch keinen Spaß mehr.« Dem Squash werde er definitiv verbunden bleiben. »Ich verschwinde nicht einfach von der Bildfläche. In der Bundesliga und Nationalmannschaft kann ich noch spielen, bis ich 40 bin.« Rösner geht es einfach nicht in den Kopf, warum sein rasanter Sport so übersehen wird. »Für mich vereint Squash alles, was du brauchst, um es als absoluten Sport zu definieren. Es ist ein intelligentes Spiel. Ein geiles Konzentrat aus Kraft, Reaktionsschnelligkeit und Durchhaltevermögen. Der ganze Körper wird trainiert.«

Wie die Bayern: immer der Gejagte

Immer der Gejagte: Der traditionsreiche Paderborner Squash Club nimmt auch von seinen Erfolgen her im Bundesgebiet eine Rolle ein wie der FC Bayern München im Fußball – bloß im Verborgenen. In diesem Jahr kürten sich Herren und Damen zum fünften Mal in Folge im Gleichschritt zum Deutschen Mannschaftsmeister. Teammanager Friedrich van Rossum hat sich denn auch ein langfristiges Ziel gesetzt: »Paderborn als aktiven Squash-Standort zu etablieren und das Team der Zukunft mit Spielern aus der eigenen Jugend sowie eng mit Paderborn verbundenen Leistungsträger zu formen.«

Für Andreas Preising ist Squash denn auch nicht tot; das Ahorn Squash belege das Gegenteil. Vielmehr registriert er eine Renaissance, ein Ende der Stagnation. »Bei uns stimmen die Zahlen. Wir haben jeden Monat 3000 Kundenkontakte, bei etwa 200 Mitgliedern. Wir schreiben gute Zahlen im Freizeitbereich. Das Interesse ist da.« Ägyptische Verhältnisse sind freilich nicht in Sicht. Rösner: »Da sind bei Jugendturnieren 1000 Teilnehmer. Der Wahnsinn!«

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