Unterwasserrugby: 1. Bundesliga gastiert im Hallenbad Schloß Neuhaus
Zurück in die Atemnot

Paderborn (WB). Unter Wasser geht die Post ab. Kabbelnde Menschenknäuel kleben zusammen. Der Gegner packt im Becken von allen Seiten zu. Von oben, von unten, von rechts oder links, von vorne oder hinten. Diese Dreidimensionalität prägt Unterwasserrugby. „Die einzige dreidimensionale Sportart neben Harry Potters Quidditch“, grinst Martin Schröder (49), der Mannschaftsführer des 1. Paderborner Schwimmvereines.

Mittwoch, 29.01.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 29.01.2020, 05:01 Uhr
Das Anschwimmen auf den Ball, der in der Mitte liegt, zu Spielbeginn. Vorne ist der Schiri zu sehen. Rechts der 1. Paderborner SV mit weißen Kappen. Der vorderste Spieler ist Lars Keller, links daneben „Dackel“ Marc Wick, Trainer der Jugendmannschaft im 1. PSV. Foto:
Das Anschwimmen auf den Ball, der in der Mitte liegt, zu Spielbeginn. Vorne ist der Schiri zu sehen. Rechts der 1. Paderborner SV mit weißen Kappen. Der vorderste Spieler ist Lars Keller, links daneben „Dackel“ Marc Wick, Trainer der Jugendmannschaft im 1. PSV.

Wer ohne blaue Flecken aus dem Becken steigt, hat nicht richtig mitgemacht. Die echte Härte aber ist, dass sich alles in einem Atemzug abspielt. Unterwasserrugby ist ein raffinierter Vollgas-Sport mit vollem Körpereinsatz und ziemlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit; alles Wesentliche findet nun mal unter der Wasseroberfläche statt. Ab und an taucht jemand kurz auf und pumpt hastig Sauerstoff in sich hinein, ehe es wieder zurück ins Getümmel geht. Zurück in die Atemnot.

Die einzige dreidimensionale Sportart neben Quidditch.

Martin Schröder

Am Samstag, 1. Februar, ist das dreieinhalb Meter tiefe Sprungbecken des Residenzbades Schloß Neuhaus Schauplatz für den zweiten Spieltag der 1. UWR-Bundesliga Nord. Die beiden heimischen Rivalen SpG Paderborn/Bielefeld – der Zusammenschluss aus TV 1875 Paderborn und TGR Bielefeld ist Tabellenzweiter – und 1. Paderborner SV als punktloses Schlusslicht fungieren gemeinsam als Ausrichter. Beide Klubs sind einst dem Hochschulsport entsprungen. Für Zuschauer bleibt das kämpferische Geschehen unsichtbar. Es werden keine Kameras ins Wasser gelassen, um die Bilder vom Spiel auf eine Leinwand zu projizieren. „Das ist ein wahnsinniger Aufwand“, erklärt Martin Schröder. „Nee, wer was vom Spielgeschehen mitkriegen will, muss halt ins Wasser kommen.“

Ausgestattet mit Maske, Schnorchel und Flossen

Dass die Tabellenoptik aus Sicht des Letzten so trist aussieht, ist dem Rumpfaufgebot geschuldet. Dem Aufsteiger mangelt es an Eingespieltheit. „Unser Problem ist, dass wir personell eigentlich in die 2. Liga gehören“, räumt Schröder ein. Der 1. Paderborner SV bietet einerseits ein Mixed-Team auf – ein Frauentrio wird angeführt von der früheren UWR-Nationalspielerin Ulrike Gallasch – darüberhinaus auch ein halbes Dutzend Teenager. „Die lernen noch. Da fehlt es an Physis und Erfahrung. Doch die Jungs, alle um die 15 Jahre alt, sollen einfach wertvolle Spielpraxis erhalten. Wir investieren in die Zukunft und bauen gerade eine Jugendabteilung auf. Bis wir da Früchte ernten können, kann es drei, vier Jahre dauern“, erklärt Martin Schröder. Schnelligkeit, Beweglichkeit und vor allem Übersicht sind Trumpf; Wasser schlucken inklusive. Die Spieler sind ausgestattet mit Maske, Schnorchel und Flossen. Alle verbindet da unten eine Luftknappheit.

Der Lehrer am Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock kann die Luft locker zwei Minuten und mehr anhalten. Schröder: „Aber du musst unten viel Präsenz zeigen und dementsprechend nach 15, 20 Sekunden hoch zum Luftholen. Innerlich entspannt sein und gleichzeitig körperlich aktiv; diese Kombi gehört für mich mit zur Faszination dieses Sports.“

Die Kommunikation erfolgt über Klopfzeichen

In der Unterwasserwelt ist es still, gedämpft. Die Kommunikation erfolgt über Klopfzeichen. Dabei schlagen die Spieler eine Faust in die flache andere Hand. Der Gegner kriegt allerdings alles mit. Es ist nicht leicht, den Ball unter Wasser hin und her zu spielen. Ein Pass gleicht einem Kugelstoß. Nach etwa zwei Metern verlässt das mit einer Salzlösung gefüllt Spielgerät seinen Weg. Dass die Kugel sinkt, liegt an der höheren Dichte des Salzwassers. Die „Tore“ erinnern an Papierkörbe. Da muss der Ball reingestopft werden.

Gar nicht so leicht, liegt doch der gegnerische Torwart mit seinem Rücken auf der Öffnung und versperrt so den Zugang. Seine Position wird deshalb auch „Deckel“ genannt. Martin Schröder, eigentlich Stürmer, wird Samstag einer jener Deckel sein. Die angreifende Mannschaft versucht, den Deckel zu öffnen, den Torwart also auszuhebeln. Das wollen die Verteidiger, im Branchenjargon die „Dackel“, verhindern. Muss Schröder zum Atmen auftauchen, ist sein Team gefordert, dieses Loch fliegend zu stopfen. Eine Sache der Strategie in diesem feucht-fröhlichen 3D-Wettkampf.

Feucht-fröhlicher 3D-Wettkampf

So wird es in mehr als drei Metern Tiefe rau zugehen, dabei aber hoffentlich fair bleiben. Erkennen die peniblen Schiedsrichter Regelwidrigkeiten, betätigen sie eine Hupe. „Wir hoffen auf schöne Spiele. Heißt, nicht mit zehn Bällen oder mehr Differenz zu verlieren. Das macht nämlich keinen Spaß“, erklärt Martin Schröder.

Die Paarungen am 1. Februar in Schloß Neuhaus: Göttingen - SpG Paderborn/Bielefeld, SpG Bremen/Oldenburg - SV Paderborn, DUC Hamburg - Torpedo Dresden, Göttingen - SV Paderborn, SpG Paderborn/Bielefeld - DUC Hamburg, Torpedo Dresden - SpG Bremen/Oldenburg, SV Paderborn - SpG Paderborn/Bielefeld. Mehr Infos im Netz: www.uwr1.de

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