Do., 19.03.2020

Vorsitzender Mathias Hornberger wünscht Durchhaltevermögen „Maßnahmen notwendig und sinnvoll“

Stadtsportverbands-Chef Mathias Hornberger spricht Paderborns Sportlern Mut zu, in dieser Zeit zusammenzuhalten.

Stadtsportverbands-Chef Mathias Hornberger spricht Paderborns Sportlern Mut zu, in dieser Zeit zusammenzuhalten. Foto: Alexandra Dickhoff/Archiv

Paderborn  (WB/jm). Das Jahresmotto 2020 des Stadtsportverbandes (SSV) Paderborn lautet: „Spaß und Freude an Bewegung, Spiel und Sport vermitteln!“ Dieses Vorhaben ist gründlich infiziert worden von SARS-CoV-2. Das neuartige Coronavirus und seine weitreichenden Folgen beschäftigt natürlich auch Mathias Hornberger (58). WV-Sportredakteur Jörg Manthey fragte beim SSV-Vorsitzenden nach.

Herr Hornberger, nach dieser Wahlperiode wollen Sie ihren Posten nach insgesamt 43 Jahren im Ehrenamt abgeben. Haben Sie in Ihrer Amtszeit einen vergleichbaren Stresstest für die Gesellschaft schon einmal erlebt?

MATHIAS HORNBERGER: Nein, solche Einschnitte für den Alltag haben wir in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie erlebt. In meiner ehrenamtlichen Zeit gab es die ein oder anderen stressigen Begebenheiten, die sich aber nicht mit dieser Krise vergleichen lassen. Unser Jahresmotto rückt verständlicherweise aktuell in den Hintergrund. Es wäre aber trotzdem gut, wenn sich alle im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten und Vorgaben zu Hause, im Garten oder bei Spaziergängen bewegen und fithalten würden.

 

Der Sport steht allerortens still. Trainings- und Wettkampfbetrieb gestoppt, Sportstätten bis auf Weiteres geschlossen, Meisterschaften werden verschoben oder fallen aus. Waren und sind das für Sie alternativlose Maßnahmen? Und was glauben Sie, wie lange uns die Einschränkungen noch begleiten werden?

HORNBERGER: Die in dieser Intensität und in diesem Umfang getroffenen und noch zu treffenden Maßnahmen für den Sport und in den anderen Lebensbereichen sind absolut notwendig und sinnvoll. Auch wenn sie für alle Bereiche des Sports und des Alltags große Auswirkungen haben. Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen den Paderborner Sport längerfristig beeinflussen werden.

 

Was kann der Stadtsportverband Paderborn in dieser Zeit für seine Mitgliedsvereine tun, und was tut er?

HORNBERGER: Wir haben den Vereinen schon frühzeitig empfohlen, den Trainingsbetrieb in allen Alters- und Leistungsbereichen auszusetzen und informieren sie regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen für den Paderborner Sport. In den zurückliegenden Tagen haben wir zahlreiche Gespräche mit Mitgliedern der Paderborner Sportfamilie geführt. Wir haben informiert, beraten und in vielen Fällen auch beruhigt. Wir stehen im engen und regelmäßigen Kontakt mit der Stadt Paderborn und möchten uns an dieser Stelle schon mal für die unkomplizierte Zusammenarbeit und Kommunikation in dieser besonderen Zeit beim Bürgermeister Michael Dreier, dem Beigeordneten für Sport Wolfgang Walter und dem Paderborner Sportservice bedanken. Wir werden auch in den nächsten Wochen und Monaten die offenen Fragen und Sorgen der Vereine sehr ernst nehmen und die Interessen der 140 Vereine mit aktuell 50409 Mitgliedern gegenüber der Verwaltung, Politik und den Verbänden vertreten.

 

Sport, das heißt: niemals aufgeben, immer wieder zurückkommen; arbeiten, um Träume zu erreichen. Der Sport steht für Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist, Disziplin, Fairness. Sind das für Sie Richtwerte, wie am besten mit der aktuellen Krisensituation umzugehen ist? Das Virus ist eine echte Prüfung dafür. Was ist aus Ihrer Sicht nun das Wichtigste im Umgang mit dem Coronavirus? Welche Haltung erwarten Sie gerade von Sportlern?

HORNBERGER: Wir sollten uns aktuell alle hundertprozentig an die Hinweise, Vorgaben und Maßnahmen des Bundes, Landes, der Institute und der Stadt Paderborn halten, auch wenn wir in der nächsten Zeit wahrscheinlich noch deutlichere Einschnitte in unserem Alltag akzeptieren müssen. In der jetzigen Phase geht es nur darum, dass die Pandemie verlangsamt wird. Da müssen alle Sportlerinnen und Sportler Verständnis zeigen, vernünftig sein und hoffentlich gesund bleiben. Für die nachträgliche Aufarbeitung der aktuellen Krisensituation wünschen wir uns von der Paderborner Sportfamilie Besonnenheit, Geduld, Solidarität und Fairness.

Die wirtschaftlichen Folgen der Krise werden viele Vereine spüren, manche bangen gar um ihre Existenz. Welche Möglichkeiten könnten Sie sich vorstellen, aufbrechende Finanzlücken abzufedern? Sport bedeutet wohlgemerkt ja auch: Solidarität. Entgehen eigentlich auch dem Stadtsportverband Einnahmen?

HORNBERGER: Die Krise wird für alle Sportvereine und -verbände negative finanzielle Folgen haben, die je nach Sportart, Ligazugehörigkeit und Vereinsgröße unterschiedlich ausfallen werden. Die kompletten wirtschaftlichen Folgen werden erst Bestandsaufnahmen nach der Krise vollständig ergeben. Wir hoffen, dass der Bund, das Land NRW, der Landessportbund und auch die Stadt zum gegebenen Zeitpunkt für Gespräche zur Verfügung stehen, wie den Vereinen geholfen werden kann. Ministerpräsident Armin Laschet hat aber schon angedeutet, dass auch die gemeinnützigen Sportvereine Hilfen brauchen und bekommen sollen. Von daher gehen wir davon aus, dass es Unterstützungen geben wird. In welcher Form und Höhe kann man natürlich noch nicht sagen.

 

Abbruch wie etwa in der 2. Basketball-Bundesliga, Annullieren, weiter Verschieben - in zahlreichen Verbänden wird aktuell darüber diskutiert, wie mit dieser Meisterschaftssaison umgegangen werden soll. Wie ist Ihre Meinung dazu?

HORNBERGER: Dies ist eine ganz schwierige Frage, auf die der Stadtsportverband aktuell keine Antwort hat. Der Wettkampf- und Spielbetrieb und die Vorgaben der einzelnen Fachverbände sind so vielfältig, dass die Sportgremien von der Bundessebene bis zur Kreisebene sich in den nächsten Wochen und Monaten damit intensiv beschäftigen müssen.

 

Was zeichnet die Paderborner Sportfamilie aus?

HORNBERGER: Die 140 Sportvereine bieten allen Paderborner Bürgern jeder Altersklasse ein bemerkenswert vielfältiges Angebot mit 110 Sportarten an. Dies ermöglichen tausende von ehrenamtlichen Übungsleitern, Funktionären, Betreuern, Schiedsrichtern, Kampfrichtern, Eltern und viele Unterstützer. Dafür können wir uns immer wieder nur bedanken. Was hier für den Paderborner Sport geleistet wird, macht uns sehr stolz. Und wir sind uns sicher, dass auch nach dieser herausfordernden Zeit sich alle wieder mit voller Kraft für den Paderborner Sport einsetzen werden.

 

Was wünschen Sie sich von der Paderborner Sportfamilie in dieser Zeit?

HORNBERGER: Das Vorstandsteam des Stadtsportverbandes und der Sportjugend wünscht allen Mitgliedern, deren Familien und Angehörigen in dieser besonderen Zeit alles Gute, viel Gesundheit und das notwendige Durchhaltevermögen. Wir freuen uns schon darauf, wenn wir alle wieder wie gewohnt unseren Sport betreiben, Wettkämpfe und Spiele durchführen und viele tolle Veranstaltungen in der Sportstadt Paderborn gemeinsam erleben können.

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