Di., 24.03.2020

NLZ-Leiter Christoph Müller hofft auf eine Fortsetzung der Saison „Wir müssen am  Tag X topfit sein“

Der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim Fußball-Bundesligisten SC Paderborn, Christoph Müller.

Der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim Fußball-Bundesligisten SC Paderborn, Christoph Müller. Foto: Thomas F. Starke

Paderborn  (WB). Die Corona-Krise hat den Sport mit aller Wucht getroffen. Seit dem 13. März hat auch Bundesligist SC Paderborn den gesamten Trainingsbetrieb stillgelegt. Christoph Müller leitet seit dem 1. Juli 2017 das mittlerweile auf 19 hauptamtliche Mitarbeiter (davon vier in Teilzeit) angewachsene Nachwuchsleistungszentrum des SCP. Über die Folgen und Wünsche sprach Matthias Reichstein mit dem 37-Jährigen.

 

Herr Müller, der Trainings- und Spielbetrieb ruht. Wie versuchen Sie die neun Mannschaften von der U11 bis zur U21 fit zu halten?

Müller: Über Trainingspläne für zuhause. Natürlich sind die von Jahrgang zu Jahrgang völlig unterschiedlich, wir differenzieren hier auch zwischen Leistungs- und Aufbaubereich. Aber selbst unsere U11 hat Aufgaben bekommen, die in diesem Alter lösbar sind.

 

Glauben Sie denn ernsthaft, dass im Jugendbereich im April der Ball wieder rollt?

Müller: Eine Prognose ist schwer, weil sich zurzeit fast täglich etwas verändert. Aber im April wird nach meiner Einschätzung auch im Amateurbereich noch kein Fußball gespielt.

 

Wie schnell könnte man denn den Ligabetrieb wieder hochfahren? Es gibt Mannschaften beim SCP, die haben seit Anfang Dezember kein Punktspiel absolviert.

Müller: Das individuelle Training hilft hier am Ende nur bedingt. Klar ist, dass nach einer langen Unterbrechung jede Mannschaft eine gewisse Zeit brauchen wird, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Das wäre vergleichbar mit der Sommerpause. Aber ob wir die Zeit dann haben, weiß ich nicht. Die Frage stellt sich für mich erst dann, wenn wir wieder spielen können.

 

Abbruch der Saison oder sogar eine Annullierung, wenn gar nicht mehr gespielt werden kann – für welche Lösung wäre Christoph Müller?

Müller: Hier eine eindeutige Antwort zu geben, ist schwierig. Es gibt für beide Szenarien gute Argumente. Erst wenn alle auf dem Tisch liegen, werde ich für mich eine Entscheidung treffen. Jetzt Scheuklappen aufzusetzen und nur in eine Richtung zu denken, bringt nichts.

 

Was spricht für eine Annullierung? Die würde bedeuten, im August 2020 fangen alle Klassen wieder genauso an, wie im August 2019.

Müller: Weil wir diese äußerst schwierigen Umstände noch nie hatten. Es gab noch nie eine vergleichbare Situation, deshalb muss auch über eine Annullierung gesprochen werden.

 

Die Tabellen einzufrieren wäre auch eine Option. Dann hätte aber die U19 als Tabellenführer der Westfalenliga trotzdem ein Problem.

Müller: Wir haben das bessere Torverhältnis und liegen vor dem Hombrucher SV, haben aber den direkten Vergleich mit einer Niederlage in der 93. Minute verloren. Das würde nicht für den erhofften Aufstieg reichen.

 

Wirtschaftlich trifft den Nachwuchsbereich die Krise zunächst nicht. Es fehlen weder TV-Gelder noch nennenswerte Zuschauereinnahmen.

Müller: Unsere Profis in der Bundesliga sind der Geldgeber. Deshalb arbeiten wir alle im Verein daran, wo und wie wir unterstützen können. Im Moment gehört es aber zu meinen Hauptaufgaben, mit den Eltern, Spielern und Mitarbeitern zu sprechen und den Austausch zu pflegen. Die Gesundheit steht in diesen Tagen und Wochen noch mehr über allem.

 

Die U12 hat im Dezember 2019 zum letzten Mal um Punkte gespielt. Da geht jetzt auch in der Ausbildung viel Zeit verloren.

Müller: Deshalb ist die Kommunikation mit den jungen Leute so wichtig. Niemand weiß, wann wir die Krise überwunden haben. Aber unsere Aufgabe ist es, dass die Jungs am Tag X, wenn auch die letzten Verbote aufgehoben werden, topfit sind.

 

Was schießt Ihnen durch den Kopf, wenn Virologen einen Ligastart selbst im Herbst für unrealistisch halten?

Müller: Wichtig ist, die aktuelle Situation immer wieder anhand von neuen Fakten zu bewerten. Am Ende muss aber eine gemeinschaftliche Entscheidung darüber getroffen werden, wie es weitergeht, wenn es weitergeht.

 

Die Hoffnung ist bei Ihnen noch da, aber würden Sie sich nicht trotzdem schon jetzt eine klare Entscheidung darüber wünschen, ob in absehbarer Zeit Fußball gespielt werden kann?

Müller: Nein. Das wäre zu früh, weil die Faktenlage nicht eindeutig ist. Es verändert sich sehr schnell sehr viel, deshalb kann man weder heute noch morgen oder übermorgen eine verlässliche Aussage treffen.

 

Beim SCP sind im Nachwuchsbereich 193 Spieler aktiv. Sind alle gesund?

Müller: Ja, niemand zeigt Symptome, die auf Corona hindeuten könnten. Ich hoffe, alle halten sich weiter an die Regeln und bleiben fit.

 

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