Paderborns Ex-Trainer René Müller versucht mit der Erfahrung aus dem Leistungssport Menschen zu helfen, im Potenzial zu leben
Inspirator, Unterstützer, Zuhörer

Paderborn (WB). Als Profi feierte René Müller beim SC Paderborn seine größten Erfolge, ließ sich später zum Sportmanager und Sportfachwirt ausbilden, wurde Fußballlehrer, ist heute als Sportlicher Leiter von der U16 bis zur U19 hauptamtlich beim Zweitliga-Tabellenführer Arminia Bielefeld angestellt und verantwortet dort die Nachwuchskoordination. „Irgendwann war mir der Fußball aber nicht mehr genug“, sagt der heute 45-Jährige und baute sich ein zweites Standbein auf. „Ich bin Inspirator, Unterstützer, Bestärker, Zuhörer oder Sparringspartner“, sagt Müller und nennt seine Zielgruppen: „Unternehmer, Führungskräfte und Leistungssportler.“

Donnerstag, 02.04.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 06:48 Uhr
Antreiber an der Seitenlinie: René Müller war von März bis November 2016 Cheftrainer beim SC Paderborn. Foto: Stefan Hörttrich
Antreiber an der Seitenlinie: René Müller war von März bis November 2016 Cheftrainer beim SC Paderborn. Foto: Stefan Hörttrich

Heute Abend bietet Müller mit dem kostenlosen „Go 4 It Fußball Talk“ erstmals eine andere Gesprächsrunde an und geht damit noch einmal ganz bewusst zurück zu den eigenen Wurzeln. Fußballtrainer jeglichen Alters und jeglicher Spielklassen können sich über die Kommunikationsplattform „Zoom“ mit Müller 90 Minuten lang austauschen. „Ich möchte über Trainingsformen sprechen, aber auch über andere aktuelle Themen aus der Welt des Fußballs. Niemand wird aufgefordert etwas zu sagen. Aber wenn schon der Ball nicht rollen darf, will ich wenigstens darüber sprechen.“

„Ich habe viele Jahre lang in Stress- und Drucksituationen gedacht.“

Dieser interaktive Austausch ist neu. Im November 2019 hat Müller damit begonnen, seine Erfahrungen aus 20 Jahren Profifußball weiterzugeben. „Ich sehe den Fußball auch als Transportmittel, um andere Dinge im täglichen Leben deutlich zu machen“, sagt Müller und wird dann konkret: „Ein großer Unterschied zwischen dem Leistungssport und der Wirtschaft ist zum Beispiel das Tempo. Im Fußball stehst du als Trainer nach fünf sieglosen Spielen schon mit dem Rücken zur Wand. In Unternehmen dauern manche Entscheidungsprozesse oft Monate. Hier kann ich ansetzen. Denn ich habe viele Jahre lang in Stress- und Drucksituationen gedacht und gelebt, in Führungsfunktionen Entscheidungen getroffen und Verantwortung übernommen.“

Müller will als ausgebildeter Mentaltrainer über Einzelcoaching oder Workshops auch Tipps und Hinweise zur Mitarbeitermotivation oder Mitarbeiterführung geben. „Der Cheftrainer René Müller wollte immer alles perfekt machen. Man muss dabei aber auch seine Mitarbeiter mitnehmen und ihnen Raum geben. Viele Führungskräfte wollen das nicht, weil sie Angst vor Kontrollverlusten haben“, erzählt Müller. Als Nachfolger von Stefan Effenberg übernahm er im März 2016 den SC Paderborn als Chefcoach, konnte den Abstieg aus der 2. Liga aber nicht mehr verhindern und wurde im November 2016 entlassen: „Diese Zeit hat mich stark geprägt, da habe ich unglaublich viel gelernt.“

Auto-Immun-Erkrankung im Juni 2017

Sehr offen spricht Müller auch über einen privaten Tiefschlag. Eine schwere Auto-Immun-Erkrankung im Juni 2017 warf den langjährigen Leistungssportler, Trainer und Fußball-Funktionär für viele Monate aus der Bahn. Die Erkrankung sei nicht die Triebfeder gewesen, seinem beruflichen Leben noch mal eine etwas andere Richtung zu geben, Müller sagt: „Ich bin da in meinem Leben an einem Punkt angekommen, an dem ich mich hinterfragen und weiterentwickeln musste.“

In Zeiten der Corona-Pandemie zählt Müller mit seiner Krankengeschichte natürlich zur Risikogruppe, macht aber auch deutlich: „Mir geht es herausragend gut. So gut wie schon seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.“ Dennoch macht sich der Familienvater Gedanken darüber, wie es weitergehen soll. Bei ihm persönlich liegen alle gebuchten Vorträge für 2020 auf Eis. Was die nahe Zukunft bringt, mag er nicht einschätzen. „Corona ist wie ein Krieg ohne Waffen. Das hört sich hart an, aber ich mag nicht darüber nachdenken, was auf unsere Wirtschaft in den nächsten Monaten zurollt, wenn wir unser System weiter auf Null runterfahren.“ Wobei Müller den Profifußball ausklammert: „Der ist nur ein kleines Licht und sollte jetzt bloß nicht die Opferrolle einnehmen.“

Zur Person

Name: René Müller Geboren am: 19. Mai 1974 Geboren in: Minden Familienstand: verheiratet mit Nicole, zwei Kinder Größte Erfolge: Erstliga-Aufstieg mit dem VfL Bochum (2000), Zweitliga-Aufstiege mit RW Erfurt (2004) und SC Paderborn (2005) Stationen als Spieler: Preußen Münster, VfL Bochum, RW Oberhausen, FC Augsburg, RW Erfurt, SC Paderborn, Kickers Offenbach, RW Ahlen Stationen als Trainer: TuS Tengern, SC Paderborn, Arminia Bielefeld

 

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