Der Paderborner Kreisvorsitzende Dietmar Ape im Interview
„Das wird ein Bumerang“

Paderborn (WB). Seit einigen Tagen ist es amtlich, die Saison 2019/20 im westfälischen Amateur- und Jugendfußball wird abgebrochen. Dafür haben die Delegierten des Verbandstages und des Verbandsjugendtages im schriftlichen Umlaufverfahren mit einem jeweils deutlichen Votum gestimmt. Damit geht eine turbulente Zeit zuende, die mit dem Aussetzen des Spielbetriebs Mitte März begonnen hatte. Im Gespräch mit Redakteur Peter Klute blickt der Paderborner Kreisvorsitzende Dietmar Ape zurück und nach vorne.

Mittwoch, 17.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 05:04 Uhr
Seit 2016 ist der Geseker Dietmar Ape Vorsitzender des FLVW Kreis Paderborn. Foto: Besim Mazhiqi
Seit 2016 ist der Geseker Dietmar Ape Vorsitzender des FLVW Kreis Paderborn. Foto: Besim Mazhiqi

Herr Ape, wie haben Sie die vergangenen drei Monate erlebt?

Dietmar Ape: Für mich persönlich war die Zeit schon sehr speziell. Viele Dinge, die wir vor der Corona-Pandemie versucht haben anzuschieben, mussten ad acta gelegt werden. Allen voran die Qualifaktion für die eingleisige Kreisliga A ist über den Haufen geworfen worden.

 

Die Saison wurde abgebrochen, es gibt keine Absteiger und zusätzliche Aufsteiger, wovon der Kreis Paderborn in mehreren Fällen profitiert hat. Wie zufrieden sind Sie mit dieser getroffenen Regelung?

Ape: Ich lebe mit der Entscheidung, aber letztlich bin ich damit total unzufrieden. Als die ersten Videokonferenzen stattgefunden haben und zu jeder Zeit betont wurde, an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten, habe ich für mich immer den Gedanken gehabt, dass ein Hammer über unserem Kreis schwebt. Das ist einfach Mist. Der vermehrte Aufstieg und das Wegfallen des Abstiegs, all das wird wie ein Bumerang zurückkommen, auch wenn es für die Vereine erst einmal positiv ist und wir in Paderborn davon durch zwei Landesliga-Aufsteiger und vier Aufsteiger in die Bezirksliga profitiert haben. Wir werden es aber nicht verhindern können, dass wir in der nahen Zukunft einen vermehrten Abstieg haben werden. Ich habe aber immer betont, dass wir trotz unserer besonderen Situation mit der Qualifikation keinen Sonderweg gehen werden und daran haben wir uns auch gehalten. Das wäre rechtlich auch gar nicht möglich gewesen.

 

Was wäre denn Ihr Wunsch gewesen?

Ape: Ich persönlich bin ein Vertreter der Minderheit, favorisiere das bayrische Modell und hätte die Saison ausgesetzt. Das heißt, diese Saison zu Ende gespielt und auf die neue verzichtet.

 

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit dem Verband?

Ape: Ich habe das als sehr positiv empfunden. Aufgrund von regelmäßigen Videokonferenzen sind wir aus Kaiserau umfassend informiert worden und waren immer auf dem Stand der Dinge. Vieles ist dadurch erleichtert worden, dass alles zentral vom Verband aus gesteuert und direkt mit dem Präsidenten Gundolf Walaschewski abgestimmt wurde. Deshalb gab es auch von meiner Seite keine Wasserstandsmeldungen.

 

Welche Resonanz haben Sie aus den Vereinen erhalten?

Ape: Wenig bis gar keine. Überkreislich gab es bis zu dem Zeitpunkt des Abbruchs keine einzige Reaktion. Nach Bekanntgabe der Aufstiegsregelung hat der SV Anreppen einen Antrag eingereicht, dass die zwölf Paderborner Bezirksligisten in einer Staffel spielen möchten. Darüber hinaus habe ich zwei Mails oder Anrufe bekommen, vom SV Büren und vom TuS Altenbeken. Es ist aber gut möglich, dass unser Kreisfußball-Obmann Gero Wittkemper mehr Kontakt zu den Vereinen hatte, wovon ich gar nichts mitbekommen habe.

 

Momentan wird überall gelockert, halten Sie den Abbruch, der Anfang Mai von den Kreisen abgestimmt wurde, für verfrüht?

Ape: Nein, weil ja auch jetzt noch keine Vorbereitung, geschweige denn ein Spielbetrieb möglich sind. Insofern hatte sich der Erlass der NRW-Landesregierung, wonach eine Fortführung der Saison ab 1. Juni wieder möglich gewesen wäre, schnell wieder erledigt. Es gibt nach wie vor keine klaren Regelungen, was die Hygienevorschriften beim Training angeht. Auch wenn seit Montag wieder Kontaktsport bis zu einer gewissen Anzahl an Personen erlaubt ist, bis 31. August gilt jedoch, dass nichts Weiteres zugelassen ist: kein Spielbetrieb, keine Sportfeste und keine Freundschaftsspiele. Auch Ferienfreizeiten sind abgesagt. Ob die Vereine im Kreis Paderborn trainieren, weiß ich nicht. Das ist nicht unsere Entscheidung, sondern muss mit den zuständigen Behörden abgestimmt werden.

 

Halten Sie Geisterspiele im Amateurfußball für möglich?

Ape: Nein. Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, weil nicht jede Sportanlage geschlossen ist. In Marienloh etwa wäre es möglich, Zuschauer auszuschließen, weil es sich um eine geschlossene Anlage handelt. In Harth, Holsen oder Meerhof, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, wäre das nicht machbar.

 

Denken sie, dass der Amateurfußball mehr Zuschauer hätte, wenn es aufgrund der größeren Anzahl in der Bundesliga weiter nur Geisterspiele geben darf?

Ape: Nein. Ich bin aber auch nicht der Meinung, dass es weniger werden, weil der eine oder andere aufgrund einer möglichen Ansteckungsgefahr nicht mehr auf den Sportplatz gehen möchte.

 

Wann die Spielzeit 2020/21 starten kann, ist derzeit noch völlig offen. Sowohl Jugend- als auch Seniorengremien im FLVW haben sich darauf verständigt, dass die neue Saison nicht vor dem 31. August beginnen wird. Wann wird die neue Spielzeit Ihrer Meinung nach starten und was halten Sie von einer Abschaffung der Winter- und Sommerpause?

Ape: Keiner weiß, wann und wie es wieder losgeht. Der Ball wird meiner Meinung nach frühestens ab Mitte September rollen, aber da sind wir abhängig von den Vorgaben. Die Saison grundsätzlich zu verlegen und beispielsweise von Februar bis November durchzuführen, ist für mich nicht vorstellbar. Der Sommer muss dazu genutzt werden, dass sich die Spielflächen regenerieren. Wir haben schließlich im Kreis nicht nur Kunstrasenplätze.

 

Der Paderborner Kreisvorstand hat beschlossen, die Qualifikationssaison auf 2021/22 zu verschieben. Warum?

Ape: Weil die momentane Situation für alle Beteiligten einen Unsicherheitsfaktor darstellt und es keine Planungssicherheit gibt. Vielleicht gibt es ja auch nur eine halbe Saison oder gar keine. Das ist alles nicht sicher. Ebenso weiß aktuell niemand, wann die Einteilung der oberen Ligen erfolgt, das wird frühestens Ende Juli/Anfang August sein. Eigentlich wäre die Saison 2020/21 ja bereits am 9. August losgegangen. Die Vereine wollten auch Klarheit, insbesondere aufgrund der bevorstehenden Wechselfrist am 30. Juni. Daher haben wir eine Videokonferenz durchgeführt mit allen 29 A-Ligisten, 22 Vereine haben teilgenommen. Es gab keine Abstimmung, aber gefühlt waren 75 Prozent für einen Aufschub. Deshalb haben wir diese Entscheidung getroffen, wäre das Ergebnis umgekehrt ausgefallen, hätten wir die Quali gespielt. Aber wir werden die A-Ligen definitiv nicht aufstocken. Nachdem bekannt war, dass wir die Qualifikationssaison verschieben, wurde ich als Umfaller dargestellt, weil ich meine Wiederwahl im vergangenen Jahr von der eingleisigen A-Liga abhängig gemacht hatte. Aber das bin ich nicht, die eingleisige A-Liga ist für mich nach wie vor alternativlos.

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