Just Windsurfing Paderborn ist in der Surfszene ein Begriff
Spiel mit Segel, Wind und Wellen

Paderborn (WB). Die Corona-Pandemie hat auch die Wassersportler erwischt. Der Pader-Cup auf dem Lippesee, der Anfang Mai abgesagt werden musste, war nur ein Anfang. „Es steht zu befürchten, dass ein Großteil der Regatta-Saison ausfällt“, unkt Matthias Reimann. Der 52-jährige Lehrer am Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg in Detmold ist Sportwart des Vereins Just Windsurfing Paderborn und darüberhinaus Teamcoach der Surf-Bundesliga-Mannschaft.

Freitag, 19.06.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 05:00 Uhr
Matthias Reimann ist Sportwart des Vereins Just Windsurfing Paderborn, Teamcoach der Surf-Bundesliga-Mannschaft und stellvertetender Vorsitzender der Deutschen Tandemsurfer Klassenvereingung. Foto:
Matthias Reimann ist Sportwart des Vereins Just Windsurfing Paderborn, Teamcoach der Surf-Bundesliga-Mannschaft und stellvertetender Vorsitzender der Deutschen Tandemsurfer Klassenvereingung.

Just Windsurfing Paderborn mit seinem Lippesee als Revier ist in der Surfszene ein Begriff und einer der führenden Klubs in NRW. 2016 klinkte sich die Sparte aus dem Paderborner Yachtclub aus und stellte sich auf eigene Füße. Seither wuchs der Klub von 35 auf knapp 100 Mitglieder an, das Materiallager ist ausgelastet. Aktuell besteht noch eine Zugangsbeschränkung. Nur zehn Personen dürfen sich gleichzeitig auf dem Domizil in Sande aufhalten.

Knapp 100 Mitglieder

Ob das Raceboard für die Adrenalin-Junkies, die kürzeren und leichteren Funboards, ob Tandem oder neuerdings auch die etwas „abgehobene“ Welt des Windfoilens – die Spaßpalette des Surfangebots in Paderborn ist bunt. Die 3,80 Meter langen Raceboards (9,5 Quadratmeter Segelfläche) sind „sowas wie die Formel eins auf dem Wasser, Tempo total“, erläutert Reimann. Das beliebte Format der Windsurf-Bundesliga feierte erst im vorigen Jahr sein 30. Jubiläum; die Paderborner gehören zu den Gründungsmitgliedern. Topfahrer Philipp Oesterle platziert sich in der Rangliste regelmäßig in den Top Ten.

Matthias Reimann hat sich dem anspruchsvollen Tandemsurfen verschrieben. Zusammen mit seinem festen Teampartner Dirk Hoekzema verteidigte er 2019 auf dem Zülpicher See den Titel als NRW-Tandemmeister. Beide holten auch bei der Deutschen Bes- tenermittlung auf dem Aue-See in Wesel Gold. Bei der EM in Almere (Niederlande) reichte es bei extremen Wind- und Wellenbedingungen, von Flaute bis 25 Knoten und mehr, bloß zu Rang fünf.

Tandemsurfen ein Hingucker

Tandemsurfen ist ein Hingucker. Zwei Surfer auf einem Brett, die unabhängig von einander jeder ein eigenes frei bewegliches Rigg halten; das heißt Spaß hoch zwei, ein dynamisches Spiel der Kräfte. Der Hintere lenkt, der vorne spielt mit. „Vergleichbar wie im Segelboot Steuermann und Vorschoter“, erläutert Matthias Reimann, der auch Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Tandemsurfer Klassenvereinigung ist. Eine gezielte sinnvolle Zusammenarbeit mache schon bei Leicht- und Mittelwind Spaß; bei Starkwind sei es atemberaubend.

Die (teilbaren) Windsurf-Tandems sind zwischen 5,80 Meter und 6,50 Meter lang und wiegen etwa 50 Kilo. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du frei im Trapez hängst und scheinbar über dem Wasser schwebst, den Wind und jeden Schlag der Wellen spürst“, schwärmt Reimann, Neben dem aktiven Arbeiten, dem Pumpen des Riggs, gehört für ihn der Spritzwasserkontakt, der Kampf mit den Naturgewalten einfach zum Nervenkitzel dazu. „Wenn du auf dem Wasser bist, vergisst du den Rest. Das ist wie Power-Meditation mit Wind.“

Grandiose Kulisse in der Schweiz

Der Lippesee ist ein schönes Regattabecken mit einer ausreichend langen Kreuz. „Wir fahren gerne auf Binnengewässern, da haben wir schließlich gelernt“, erzählt Reimann. Dümmer, Steinhuder Meer und Chiemsee werden ebenfalls alljährlich angesteuert. Aber auch die Küsten vor Kiel oder Wilhelmshaven gehören zu den Wettkampfgewässern. „Ein Seerevier mit Strömung und Gezeiten ist deutlich schwieriger“, spricht Reimann von „einer ganz anderen Hausnummer.“

Ein Saisonhöhepunkt ist stets das Treffen auf dem hochalpinen Silsersee im Schweizer Kanton Graubünden. In dem Surf-Mekka herrschen zuverlässige Windverhältnisse. Sollte der phänomenale Malojawind mal ausbleiben, entsteht dort ein druckstarker Nordwind. „Wir finden in einer grandiosen Kulisse immer starke Gegner vor. Das Panorama ist atemberaubend. Der See liegt auf einer Höhe von 1800 Metern, drumherum sind 2000er Berggipfel.“ 2019 platzierten sich hinter den nahezu unschlagbaren Coldebella-Brüdern aus der Schweiz zwei Paderborner Tandems. Zweite wurden Phillip Oesterle/Anna-Lena Otte, Dritte Matthias Reimann/Dirk Hoekzema. Reimann hofft, dass die 19. Internationalen Engadiner Tandemsurfmeisterschaft am 29./30. August stattfinden kann.

Mehr als eine Sportart

Windsurfen ist oft mehr als die bloße Ausübung einer Sportart. Es ist für viele eine Lebenseinstellung und eine besondere Atmosphäre. Neben dem Sportlichen („Wir bieten Surfkurse an, zertifizierte Trainer bilden unseren Nachwuchs selbst aus“) kommt bei Just Windsurfing Paderborn das Miteinander nicht zu kurz. „Wir sind ein Verein für jedermann. Jung, alt, Familien. Geselligkeit wird bei uns großgeschrieben“, merkt Reimann an. So sind die Surfer denn auch ein reiselustiges Völkchen. Fronleichnam stand ein Kurztrip zum Dümmer an. Die Vereinsfahrt führt diesmal ans Ijßelmeer, ins Fischerdorf Makkum in der niederländischen Provinz Friesland.

Mag der Pader-Cup für die Racer auch ausgefallen sein; Matthias Reimann und seine Crew arbeiten daran, zumindest die Tandemklasse noch auf den Lippesee zu lotsen. Womöglich Ende Juni, direkt vor den Sommerferien. Neben den Regatten der Profis dürfen dann auch Neueinsteiger mal auf dem großen und kippstabilen Board schnuppern, das viele Fehler verzeiht. Weitere Infos im Internet: www.justwindsurfing-paderborn.de und www.tandemsurfing.de

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