Flutlichtanlage der Untouchables wartet auf den ersten offiziellen Einsatz
Das Nonplusultra

Paderborn (WB). Ein lauschiger Frühlingsabend, ein traditionsreicher Gegner, die Tribünen voll besetzt und als sich die Sonne so langsam in den verdienten Feierabend verabschiedet, ist der große Moment gekommen: Bürgermeister Michael Dreier legt den Schalter um, 102 LED-Strahler leuchten den Ahorn-Ballpark aus und der sechsmalige Deutsche Meister Untouchables Paderborner Baseball Club bestreitet das erste Flutlicht-Heimspiel der Vereinsgeschichte. So in etwa hatten sich die U’s-Verantwortlichen das vorgestellt, aber was läuft in diesem Jahr schon wie geplant?

Montag, 29.06.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 30.06.2020, 12:38 Uhr
So eindrucksvoll sieht es aus, wenn die 750.000 Euro teure Flutlichtanlage der Untouchables den Ahorn-Ballpark und das abendlich Paderborn erleuchtet Foto: Untouchables Paderborn
So eindrucksvoll sieht es aus, wenn die 750.000 Euro teure Flutlichtanlage der Untouchables den Ahorn-Ballpark und das abendlich Paderborn erleuchtet Foto: Untouchables Paderborn

Ursprünglich hätte dieses Highlight mit dem ersten Saisonspiel gegen den Dauerrivalen Bonn Capitals über die Bühne gehen sollen, doch ein Gegner namens Corona sorgt dafür, dass die lang ersehnte Einweihung weiter zu warten hat. „Keine Frage, das ist nicht so gelaufen wie gedacht. Wäre es nach uns gegangen, hätten wir das Jahr mit einem Abendspiel begonnen, die Marketingmaschine hochgefahren und richtig etwas auf die Beine gestellt. Es ist anders gekommen, aber was nicht ist, das kann ja noch werden – und das wird auch noch“, sagt der Vereinsvorsitzende Uwe Diedam.

Das ist ein echtes Brett.

Uwe Diedam

Seit dem 20. April brennt die eindrucksvolle Acht-Mast-Anlage auf den ersten offiziellen Einsatz. So lange der Spielbetrieb ruht, bleibt ihr nichts anderes übrig, als mit imposanten Zahlen und Fakten zu glänzen. So wie diesen: 25 Meter hoch ragen die acht Türme in den Paderborner (Abend-)Himmel. Scheinwerfer, die von unten nach oben strahlen, garantieren dass auch die ganz hohen Bälle, die sogenannten Pop Ups, immer im Blick bleiben. Die Hundertschaft LED-Strahler erreicht im Infield 1000 und im Outfield 750 Lux. Das ist ein Stück weniger als das, was Fußball-Bundesligisten wie Bayern München (2500) oder Borussia Dortmund (1850) an Erhellendem zu bieten haben, aber in Baseball-Deutschland nicht weniger als das Nonplusultra. Oder, wie es Diedam sagt: „Das ist ein echtes Brett.“ WM-Reife und TV-Tauglichkeit inklusive. Fan- wie spielerfreundlich zugleich.

Alles in allem ist das ein Paket an formidablen Fähigkeiten, das natürlich eines entsprechenden finanziellen Aufwandes bedarf. Mit 750.000 Euro haben die Untouchables hier die höchste Einzelinvestition ihrer Geschichte getätigt. Die Stiftung Westfalen um ihren Vorsitzenden Martin Nixdorf, bekanntlich auch der 2. Vorsitzende der U’s, hat den gewichtigsten Teil gestemmt, die Westfalen Weser Energie-Gruppe sich ebenfalls engagiert und natürlich war für diesen Kraftakt auch jede Menge Eigenleistung vonnöten. Wenn schon, denn schon. „Für uns war immer klar: Wenn wir etwas machen, dann etwas mit einer langfristigen Perspektive. Wir haben uns lange damit beschäftigt und verschiedenste Anbieter kommen lassen. Letztlich ist unsere Wahl auf ein Unternehmen aus den USA gefallen, das auf solche Anlagen spezialisiert ist“, sagt Diedam.

Bauarbeiten dauerten 13 Wochen

Musco Lighting heißt die Firma des Vertrauens, die Anfang November 2019, gen Ende einer zweijährigen Planungsphase, große Seecontainer in Richtung Pader schickte. Bis die Schlösser dieser Behälter geöffnet wurden und der Aufbau begann, vergingen zwei Monate. Dann galt es zunächst, ein 350 Meter langes Erdkabel von der Lise-Meitner-Straße zu der neuen Trafostation am Ahorn-Ballpark zu legen. Mit widrigen Witterungsbedingungen und einem extrem lehmigen Untergrund stellten sich den Untouchables in der Vor-Corona-Zeit noch zwei weitere Gegner in den Weg, ehe die Arbeiten in den sonnenreichen Monaten März und April und nach insgesamt 13 Wochen dann doch noch fix finalisiert werden konnten.

Doppelspieltage künftig viel attraktiver

Nun steht es also seit etwas mehr als zwei Monaten, dieses seinesgleichen suchende Paderborner Prunkstück an der Ahornallee, das von Bundesliga bis Training in drei verschiedenen Stufen betrieben werden kann, und ersehnt seine Premiere. Aber schon bevor es sich unter Wettkampfbedingungen bewährt hat, ist die Begeisterung für die Lux-uslösung groß. So groß wie die Erwartungen und da besonders die, das Erlebnis Baseball-Bundesliga auf ein völlig neues Level heben zu können. Denn so sehr sich auch ein Uwe Diedam für seine Sportart begeistert – selbst er gibt unumwunden zu, dass die bisher üblichen Doubleheader nicht immer die bekömmlichste Kost waren. „Machen wir uns nichts vor: Samstags von mittags bis abends sechs bis sieben Stunden Baseball zu gucken – das ist schon schwer zu vermarkten. Mit der neuen Flutlichtanlage können wir den ungeliebten Doppelspieltag aber aufdröseln und viel attraktiver gestalten, indem wir einmal abends und einmal nachmittags spielen.“ Diedam kann sich die Abendveranstaltung für die Fans als atmosphärischen Einstieg in das Paderborner Nachtleben vorstellen und hofft natürlich auf steigende Zuschauerzahlen. Aus den 300 bis 400 Fans, die flutlichtlose U’s zu „normalen Ligaspielen“ begrüßen durften, sollen 600 bis 700 werden.

Noch ist das Grüne Licht nicht in Sicht

Wann aus diesem Wunsch erstmals Wirklichkeit werden könnte, vermag allerdings auch Diedam nicht zu sagen: „Ich bin recht zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr noch einen Abend finden, an dem wir ein schönes erstes Spiel machen können, doch ob das dann mit Zuschauern möglich ist, das wage ich zu bezweifeln.“ Noch ist die Wiederaufnahme des Spielbetriebs, so heißt es von Seiten des DBV, nicht absehbar, kein Grünes Licht in Sicht. Aber wenn es so weit ist, dann müssen die U’s nur noch den Schalter umlegen und der nächste lauschige Abend kommt bestimmt.

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