TTV Hövelhof muss seine neue Spitzenspielerin zum Regionalligastart wohl ersetzen
Zhans Bänderriss trübt die Freude

Hövelhof (WB). Die Mittagspausenluft in der Sporthalle der Mühlenschule in Hövelhof ist geschwängert mit Jägersauce. Dazu standen gerade Schnitzel, Pommes und Salatvariationen auf der Speisekarte. An der imposanten Essenstafel blüht der Flachs, es wird viel gelacht. Vom Bankett direkt an die benachbarten zwei Tischtennisplatten – das geht nur im Trainingslager des TTV Hövelhof.

Dienstag, 28.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 28.07.2020, 06:54 Uhr
Beim TTV Hövelhof freuen sie sich auf die Ende August beginnende Regionalligasaison, von links: Neuzugang Ying-Ni Zhan, Melinda Maiwald, Hannah Pollmeier, Sarah Löher und Stefanie Graute. Foto: Jörg Manthey
Beim TTV Hövelhof freuen sie sich auf die Ende August beginnende Regionalligasaison, von links: Neuzugang Ying-Ni Zhan, Melinda Maiwald, Hannah Pollmeier, Sarah Löher und Stefanie Graute. Foto: Jörg Manthey

Klaus-Dieter Borgmeier, der versierte Teammanager des Damen-Regionalligisten, amüsiert sich munter mit und unterhält Ying-Ni Zhan (31), Melinda Maiwald (15), Hannah Pollmeier (16), Sarah Löher (18), Stefanie Graute (44) und Trainingsmentor Martin Mewes mit Anekdoten aus der Klubvergangenheit. Eine Portion Kummer kann er dabei nicht verbergen. Die Ursache für seine gespaltete Gemütsverfassung sitzt neben ihm. Ying-Ni Zhan, genannt Jenny, hat sich erst vor drei Wochen einen doppelten Bänderriss im rechten Fuß zugezogen. Was für ein Pech! Schließlich ist die neue Spitzenspielerin, vom Anrather TK RW gekommen, laut Borgmeier die „Schlüsselfigur“ fürs Abschneiden des Aufsteigers in der Meisterschaft, die am 29. August mit einem Gastspiel beim SV DJK Holzbüttgen II beginnt. Dass die Krefelderin bis dahin wieder fit ist; aktuell undenkbar.

Nur Zuschauerin

„Das ist im Training passiert“, sagt sie bedrückt. Eigentlich war ein Hauptmotiv des Trainingslagers auch, die neuen Doppel einzuspielen. Doch Jenny Zhan bleibt an diesem Wochenende bloß die Rolle der Zuschauerin. Martin Mewes, der langjährige Hövelhofer Bundesliga-Coach, ist aus Baden-Württemberg angereist und hat reichlich Impulse mitgebracht. Nicht nur an der Technik wird gefeilt, auch Mentaltraining schenkt neuen Input.

Als Zhan-Vertreterin füllt Stefanie Graute das TTV-Quartett auf. Positive Nebenwirkung der Corona-Pause für sie: Der hartnäckige Tennisarm ist ziemlich auskuriert. Bis der Fuß des Neuzugangs absolut belastbar ist, wird die Altmeisterin also an Position vier rücken. Die Regionalliga ist für die 44-jährige Ur-Hövelhoferin kein Neuland. „Ich habe richtig Bock“, sagt sie kämpferisch.

Geringster QTTR-Wert

Klaus-Dieter Borgmeier ist ein Mann der Zahlen. Zehn Auswärtsfahrten hat seine Mannschaft in der Saison zu bestreiten, sechsmal geht’s gen Hessen. Einfache Fahrt: insgesamt 2030 Kilometer. Die QTTR-Werte, die das Leistungsniveau der Tischtennisspieler widerspiegeln, geben eine klare Prognose ab. 6945 Mannschaftspunkte weisen Hövelhof hier als Schlusslicht und mithin Abstiegskandidat Nummer eins der Regionalliga West aus. Als Topfavoriten gelten demnach der TTC Salmünster (7397) und der Sportclub Niestetal (7331). „Wir tun alles, um drin zu bleiben“, merkt Borgmeier an. „Und wenn es nicht reicht, dann reicht es eben nicht.“

Letztlich überwiegt beim Teammanager aber der Stolz, zu einer überschaubaren Elite gehören. „In Westdeutschland spielen in den Bundesligen nur fünf Mannschaften höher als wir“, sagt er. „Dazu noch unsere vier NRW-Rivalen, das heißt: Der TTV Hövelhof gehört zu den zehn stärksten Mannschaften in Westdeutschland.“

„Der Teamspirit passt“

Ein Tag „Schnuppern“ hat Ying-Ni Zhan gereicht, um den Vereinswechsel als eine richtige Entscheidung einzustufen. „Ich kenne Klaus-Dieter seit 20 Jahren und fühle mich hier sehr gut aufgehoben. Der Teamspirit passt. Die Mädels sind wissbegierig. Ich tue mit Krankengymnastik mein Bestes, damit die Verletzung schnell heilt, und hoffe, dass ich ihnen einiges von meiner Erfahrung weitergeben kann.“ 2007 war das erfolgreichste Jahr der früheren Nationalspielerin: Da war sie Deutsche Jugendmeisterin, Dritte der Europameisterschaft und mit der Mannschaft bis ins WM-Viertelfinale vorgestoßen.

Als Damen-Nationalspielerin entschied sie sich dann, fortan mehr Zeit in die Ausbildung zu investieren. Auch wenn Ying-Ni Zhan seither aus beruflichen Gründen nicht mehr das Trainingspensum ihrer Hochphase leisten kann; die Angriffsspielerin („Passiv kann ich aber auch gut“) möchte den TTV zum Klassenverbleib führen. „Mit zunehmendem Alter wirst du wohl gelassener, aber der Ehrgeiz geht nicht von heute auf morgen verloren“, merkt die kaufmännische Angestellte verschmitzt an. Und sie glaubt, dass ihr erfolgsverwöhntes Team durchaus das Vermögen für die ein oder andere Überraschung hat. „Die Mädels haben es drauf. Tischtennis ist ein Psycho-Sport. Nicht immer gewinnt der Bessere“, doziert die Nummer eins, die auch eine Trainer-A-Lizenz besitzt.

Doppel sind ganz wichtig

Sollten die jungen Serien-Aufsteiger aus Hövelhof doch mal mit Niederlagen konfrontiert werden (Zhan: „Das ist auf diesem Niveau einzukalkulieren“), will sie mentale Aufbauarbeit leisten. „Du musst schnell wieder positive Gedanken denken können, damit du nicht in ein Loch fällst.“ Martin Mewes orakelt, dass die Hövelhoferinnen ein bisschen Geduld benötigen werden. „Es dauert seine Zeit, sich in der Klasse zu akklimatisieren. Ganz wichtig werden die Doppel sein; sie präzise einzuspielen.“

Der Bundesliga-erfahrene Profi drückt die Daumen, dass Jenny Zhan alsbald wieder einsteigen kann. „An ihr werden sich die anderen anlehnen können. Dann steht nicht jeder so unter Druck.“ Die Tage in Hövelhof haben auch ihm Spaß gemacht. „Die Mädchen sind heiß und motiviert, verstehen sich gut und haben Bock auf Tischtennis. Ich spüre bei ihnen eine pure Spielfreude aus sich heraus“, würdigt er deren Engagement.

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