Straßenlauf: Eine Branche steht auf der Kippe. Online-Petition wirbt um Stimmen
„Wir fallen durch alle Raster“

Paderborn (WB/jm). Die Corona-Pandemie hat 2020 bundesweit so ziemlich alle großen Läufe und Events ausgebremst. Ob der Osterlauf in Paderborn oder der Salzkotten-Marathon – auch in der Region bangen Veranstalter und Vereine um ihre Existenz und Zukunft.

Donnerstag, 30.07.2020, 21:00 Uhr
Massenstarts und dicht gedrängte Zuschauerreihen – dass es das 2021 beim Paderborner Osterlauf zu sehen gibt, erscheint aktuell unwahrscheinlich. Jedenfalls übt sich Organisationsleiter Christian Stork in Pessimismus. Foto: Jörn Hannemann
Massenstarts und dicht gedrängte Zuschauerreihen – dass es das 2021 beim Paderborner Osterlauf zu sehen gibt, erscheint aktuell unwahrscheinlich. Jedenfalls übt sich Organisationsleiter Christian Stork in Pessimismus. Foto: Jörn Hannemann

Zudem seien im Hintergrund Unternehmen abhängig von Läufen, heißt es; ob Medaillen, Zeitnahme, Messen, Security, Technik oder Absperrungen. „Eine gesamte Branche steht auf der Kippe“, mahnt German Road Races (GRR), die Interessengemeinschaft der deutschen Laufveranstalter, in einer Mitteilung an. Bereits mehrfach habe sich GRR für die Einrichtung eines Finanz-Hilfsfonds für Veranstalter eingesetzt, der für viele überlebensnotwendig sei. Doch auch nach drei Monaten sei noch nichts passiert.

Bedrohliche Situation

Damit diese bedrohliche Situation auch von der Politik wirklich verstanden und wahrgenommen wird, setzt GRR nun auf eine Online-Petition an das Bundesinnenministerium. Ein Hilferuf: Save The Events – Rettet unsere Läufe! „Wir brauchen jede Stimme, um den Laufsport zu retten“, wirbt GRR-Chef Horst Milde um Unterschriften. Der Aufruf zur Abgabe der Stimme (https://www.openpetition.de/petition/online/save-the-events-o-rettet-unsere-laeufe) erhält prominente Unterstützung. Deutschlands Topläufer Alina Reh und Philipp Pflieger machen sich dafür stark. Weitere sollen folgen.

„Unser finaler Kassensturz ist noch nicht erfolgt. Weil sich aber Teilnehmer und Sponsoren recht solidarisch gezeigt und zu unserem Laufevent bekannt haben, kommen wir für diesmal klar und haben die Kosten im Griff. Dafür wird das Folgejahr kritisch. Ich kann mir unseren Lauf in der gewohnten Form 2021 aktuell nicht vorstellen“, malt Sascha Wiczynski, seit 2011 Cheforganisator des Salzkotten-Marathons und GRR-Vorstandsmitglied, schwarz.

„Fühlen uns im Stich gelassen“

Auch beim Osterlauf, der als Oster-Solo-Lauf mit einer allseits gelobten Bewegungsalternative aufwartete, seien sie mit einem „blauen Auge“, davongekommen, merkt Organisationsleiter Christian Stork an. Wobei aktuell noch vom Steuerberater geprüft werde, ob die bewilligte 9000-Euro-Soforthilfe zurückgezahlt werden muss oder nicht. „Wir fühlen uns als Laufveranstalter von der Politik ein bisschen im Stich gelassen“, so Stork weiter. „Gefühlt sind es vor allem die Ballsportarten oder die mit viel TV-Geldern, die finanziell berücksichtigt werden.“ Vom 200-Millionen-Hilfsfonds der Bundesregierung für den Sport hätten die Laufveranstalter nichts gesehen. „Wir fallen aufgrund der Zugangsbedingungen zu den gängigen Hilfsfonds durch alle Raster. Nutznießer der Förderung waren die Ballsportarten. Unsere Zuschauer sind unsere Teilnehmer“, erzählt Sascha Wiczynski.

Zuschauerströme nicht lenkbar

Zwar erfuhr der Salzkottener Marathon eine virtuelle Austragung – immerhin 1300 Teilnehmer machten sich solo auf die Strecke – dafür ist die traditionelle finanzielle Unterstützung für die an der Orga beteiligten Vereine, ein wichtiges Motiv der Veranstaltung, diesmal überschaubar geblieben. „Sonst konnten wir ihnen knapp 10.000 Euro ausschütten zur Unterstützung der Jugendarbeit. Das fällt jetzt fast weg, und das macht uns schon traurig“, bedauert Wiczynski. Der Blick nach vorne gestaltet sich für ihn als „schwierig. Massenstarts kann ich mir bei uns und in der Größenordnung auch beim Osterlauf im nächsten Jahr nicht vorstellen, vielleicht kleinere Starts über den Tag verteilt. Die Läufer können wir im Griff haben. Was wir dafür nicht lenken können, sind die Zuschauerströme. Das macht es so schwierig.“ Deshalb planen die Veranstalter vorsorglich zweigleisig; eine erneute virtuelle Variante ist denkbar. „Vielleicht wird das sogar Standard“, sagt Wiczynski nachdenklich.

Christian Stork pessimistisch

Auch bei Christian Stork wächst ein Pessimismus, was 2021 angeht. „Ich habe mir intensiv das Hygienekonzept des Hamburg-Marathons angeguckt. Das war wirklich ausgeklügelt und ist nicht akzeptiert worden. Das stehen uns noch einige Hausaufgaben bevor.“ Einen Osterlauf auf einer abgesperrten, für Zuschauer nicht zugänglichen Strecke durchzuführen, kann sich Christian Stork nicht vorstellen. „Dieser Lauf lebt von der Atmosphäre, von Emotionen. Das ist das, was Paderborn ausmacht. Es geht nicht um Profit.“ Stork fügt an: „Der Verein geht nicht pleite, sollte der Lauf auch 2021 ausfallen müssen. Aber das wird Auswirkungen in Form von Sparmaßnahmen haben.“

GRR-Chef Horst Milde und Cecilia Wenig (Berlin), die Initiatorin der Petition, erklären unisono: „Hier steht ein Sport auf der Kippe, der einmalig ist. Breitensportliche Läufer verschiedenster Nationen, Kulturen und Religionen starten gemeinsam mit Eliteathleten in einem Rennen. Doch in der Krise gibt es für den Laufsport keine Lobby. Die Politik muss sich endlich genauer mit der Krise der Laufveranstalter beschäftigen und aktiv nach Lösungen suchen.“ Mehr Infos zur Petition im Netz: www.germanroadraces.de

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