Untouchables Paderborn: Florian Seidel und Maurice Bendrien freuen sich auf Bonn
Wenn der Pitcher zum Catcher „Ja“ sagt

Paderborn (WB). Der Pitcher ist beim Baseball das Herzstück der Defensive, sein Duell mit dem Schlagmann die Würze eines jeden Spiels. Dass die Untouchables Paderborn einen Spieltag vor Serienende in der 1. Bundesliga Nord für die Play-offs um die Deutsche Meisterschaft planen dürfen, ist nicht zuletzt ein Verdienst der versierten Pitcherriege aus dem Ahorn-Ballpark, die der US-Amerikaner Matt Kemp (37) als Pitching Coach unter seinen Fittichen hat.

Montag, 14.09.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 05:44 Uhr
Untouchables-Pitcher Florian Seidel ist Linkshänder und damit für die meisten Schlagleute schwer ausrechenbar. Foto: Jörg Manthey
Untouchables-Pitcher Florian Seidel ist Linkshänder und damit für die meisten Schlagleute schwer ausrechenbar. Foto: Jörg Manthey

Zum Beispiel Florian Seidel. „Ich bin sehr stolz darauf, dass ich im Team Fuß gefasst habe und mein Potenzial, meine Stärken einbringen kann“, erwidert der angehende Industriekaufmann artig Lobeshymnen seines Headcoaches Jendrick Speer. Seidel ist Linkshänder. „Das spricht eigentlich schon für sich und kommt nicht so oft vor“, grinst der 21-Jährige. „Damit habe ich Vorteile gegenüber dem Schlagmann, denn der sieht sich in der Liga überwiegend Rechtshändern gegenüber und hat entsprechend eine andere Sichtweise. Der Ball eines Linkshänders fliegt nun mal anders.“

Der Mann auf dem Mound

Der Pitcher als Taktgeber für Tempo und Rhythmus: Sein unübersehbarer Einsatzplatz ist der Werferhügel, im Branchenjargon Mound genannt. Die kleine Erhöhung liegt im Zentrum des Infields, seine Mitte ist exakt 18,39 Meter vom Schlagmal entfernt. Aufgabe des Pitchers ist es, den Ball so hart und präzise in die Strike Zone zu werfen – garniert mit unterschiedlichen Effets, unterschiedlichen Wurfgeschwindigkeiten und weiteren trickreichen Fiesheiten – dass der gegnerische Hitter diesen möglichst nicht trifft. Der Ball mit seinen hervorstehenden Nähten erlaubt es, dem Pitch die verschiedensten Arten von Drall zu verpassen: Slider, Curveball, Breaking Ball, Knuckle Ball, Changeup und mehr. Ein guter Pitcher kann mit seinen Würfen steuern, wohin der Schlagmann den Ball schlägt.

Das fordernde Duell Mann gegen Mann ist vor allem auch eine Sache der Nerven. „Die Frage ist: Wer will es mehr?“, erzählt Florian Seidel. „Und das will jedes Mal ich sein!“ Dass Seidel der Mannschaft in seinem Rücken derzeit so weiterhilft, ist nicht zuletzt ein Verdienst seines Catchers (Fängers). Im Ahorn-Ballpark obliegt dieser zentrale Job Maurice Bendrien. Der 21-Jährige gibt seinen Pitchern mit einer Geheimsprache per Fingern taktische Zeichen, zeigt damit unter anderem an, wo der Hitter seine Schwächen hat. „Ich vertraue Maurice zu 100 Prozent“, sagt Florian Seidel. „Er ist eigentlich der Hauptgrund dafür, dass es bei mir so gut läuft.“ Bendrien und Seidel spielen seit 2014 zusammen. „Er kennt mich sehr gut, weiß genau, wie ich wann wohin werfen kann.“

Vordenker Maurice Bendrien

Maurice Bendrien ist sowas wie die „rechte Hand“ seines Trainers. „Ich übernehme die Denkaufgaben und gebe vor, wie der Schlagmann werfen soll“, erklärt er seine Aufgabe. „Es ist total wichtig, dass der Pitcher Ja sagt zu mir, zu hundert Prozent. Selbst wenn er glaubt, dass ich keine gute Entscheidung treffe. Ziel ist es, dass er sich ganz auf die Ausführung des Pitches konzentriert.“

Bendrien muss nicht nur das Wurfrepertoire seiner Pitcher aus dem Effeff kennen, gleiches gilt für die Qualität der Schlagmänner des jeweiligen Gegners. „Ich darf mir keine Schwächephase erlauben, muss von der ersten Minute an hochkonzentriert sein.“ So merkt der Catcher den Tag nach einem Spiel nicht nur körperlich, auch mental ist Bendrien einfach schlapp. „Konzentrationsaufgaben könnte ich nicht mehr lösen.“ Der Nationalspieler ist mit Deutschlands U23 im Vorjahr Vize-Europameister geworden. Im nächsten Jahr (verschoben wegen Corona) möchte er bei der U23-Weltmeisterschaft in Mexiko für Furore sorgen. „Dafür werde ich mein Allerbestes geben.“

Gute Erinnerungen an Bonn

Florian Seidel findet es gut, dass vor dem DM-Halbfinale vorab in der Meisterschaft nochmal gegen die Bonn Capitals geht. „So kann man sich gut auf den Gegner einstellen.“ Und auch Maurice Bendrien gewinnt dieser Konstellation nur Positives ab. „Ich find’s mega und spiele sehr gerne dort. Bonn ist eine sehr gute Mannschaft, die haben eine der schönsten Anlagen in Deutschland. Viele von uns verbinden positive Erinnerungen mit diesem Feld, ob durch Meisterschaften oder Einsätze im Länderpokal. Der Sonntag ist Weg weisend. Wir versuchen alles, den Heimvorteil zu holen.“ Die freche Ansage des Gute-Laune-Mannes: „Bonn sieht sich als Nummer eins im Norden. Wir sehen das nicht so und sind anderer Meinung.“

Bendriens Optimismus gründet sich auch auf die Corona-Zwangspause, die rund um den Ahorn-Ballpark ein starkes Wir-Gefühl erzeugt habe. Maurice Bendrien: „Ob Spieler, Trainer, Vorstand – der Verein hat sich in allen Facetten unglaublich verbessert im Vergleich zu 2019. Das spürt auch die Mannschaft. Es macht einfach richtig viel Spaß, für die Untouchables zu spielen.“

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