Universität Paderborn Rugby-Club verzichtet auf die Teilnahme am Corona-Cup
„Wir wollen nichts riskieren“

Paderborn (WB/jm). Tackeln und Gedränge statt Mindestabstand, blaue Flecken und Kratzer garantiert. Im Vollkontaktsport Rugby soll in NRW die lange Corona-Zwangspause an diesem Wochenende zu Ende gehen.

Donnerstag, 24.09.2020, 03:00 Uhr
Sport ohne Sicherheitsabstand in Coronazeiten: Der RC Paderborn (weiße Trikots) hat kurzfristig auf die Teilnahme an der neuen Rugby-Meisterschaftssaison verzichtet. Foto:
Sport ohne Sicherheitsabstand in Coronazeiten: Der RC Paderborn (weiße Trikots) hat kurzfristig auf die Teilnahme an der neuen Rugby-Meisterschaftssaison verzichtet.

Sechs Monate nach dem Abbruch der Meisterschaft im Rugbyverband NRW sollte auch der Universität Paderborn Rugby Club am Samstag 26. September, im Tackle-Corona Cup Westfalen, regional unterteilt in die Bereiche Rheinland und Westfalen, ein Heimspiel gegen den OWL-Rivalen 1. RC Bielefeld bestreiten.

Der Versuch, im Rahmen einer Art „Übergangssaison“ bestmöglich Normalität im ovalen Geschehen herzustellen, ist bereits Makulatur. Die Paderborner Löwen, trainiert vom britischen Chefcoach Michael Poland, haben sich kurzfristig dazu entschlossen, den temporären Ersatz des NRW-Landesverbandes nicht in Anspruch zu nehmen. „Wir haben uns zurückgezogen“, bekräftigt der 1. Vorsitzende Philipp Hunz, der selber in der Hintermannschaft zu Hause ist. „Wir sollten binnen acht Wochen sechsmal spielen. Davon hätten wir aber drei Partien absagen müssen.“ Am Dienstag wurde Gegner Bielefeld vom Rückzieher unterrichtet.

Bundesligaspieler infiziert

Die Rugby-Bundesligasaison ist auf März 2021 verschoben worden. Was Corona anrichten kann, musste etwa RK Heusenstamm erfahren. Nach einem Freundschaftsspiel gegen den ebenfalls Erstligisten TV Pforzheim wurden ein Schiedsrichter und auch Spieler positiv getestet – alle mussten in Quarantäne. Beim Deutschen Meister SC 1880 Frankfurt seien ebenso Spieler infiziert. „Solche Fälle zeigen, dass es unter Amateurbedingungen wirklich keinen Sinn hat, Rugby zu spielen. Bei uns geht es weniger professionell zu. Wir können das Hygienekonzept nicht garantieren“, findet Philipp Hunz. Ein mulmiges Gefühl hätte immer mitgespielt. „Die Gesundheit geht einfach vor. Wir sind ein kleiner Verein, wollen nichts riskieren und unsere Spieler keinem Risiko aussetzen. Keiner soll das Zeug vom Rugbyplatz mit nach Hause schleppen.“

Zusätzlich zur grassierenden Corona-Pandemie gesellen sich seit langem Platz-Schwierigkeiten. „Wir sind kein eigenständiger Verein, sondern kooperieren mit der Universität Paderborn. Und die hat ihre Sportstätte für uns noch nicht geöffnet“, berichtet Hunz.

Sportplatz-Problematik

Weil die 36 Jahre alte Bewässerungsanlage des Rasenplatzes an der Uni erneuert wird, dafür der Rasen umgegraben musste und das Grün am Harsewinkelweg noch nicht bespielbar ist, sah sich der Rugbyklub seit Monaten zum Improvisieren gezwungen. „Der Versuch, ortsnah eine Alternative zu finden, uns irgendwo zwischenzuquetschen, hat nicht geklappt“, bedauert Hunz. „Unser alter Platz in Bad Lippspringe ist verwahrlost. Wir trainieren ein Mal in der Woche in Lemgo, auf einem öffentlichen Rasen. Zahlreiche unserer Jungs kommen von dort.“

Die dramatisch lange Spielpause hat dem kleinen aufstrebenden Verein nicht unbedingt spürbare Folgeschäden zugefügt. „Wir hatten im Training zwar oft weniger Leute, doch das lag vor allem daran, dass kein Präsenzsemester war und die Studenten in der Heimat geblieben sind“, berichtet Philipp Hunz. „Wir haben ganz im Gegenteil viele Neue. Und die brennen auf ihr erstes Spiel.“

Verzicht ist ein Dilemma

Insofern hat das Paderborner Votum, auf den Corona-Cup zu verzichten, natürlich einerseits für enttäuschte Mienen gesorgt. „Das ist ein Dilemma. Aber wir wären da auf etablierte Größen wie den Wiedenbrücker TV oder Zweitligist RT Münster getroffen. Das wäre sehr ungleich geworden. Für unsere Neulinge sind gut koordinierte Freundschaftsspiele sicherlich die bessere Variante, um Spielpraxis zu sammeln“, erklärt Hunz.

Der Universität Paderborn Rugby Club hat knapp 60 Mitglieder und baut nach dem Weggang der Briten allen Schwierigkeiten zum Trotz eine neue Rugby-Generation auf. „Du kannst einfach nicht längerfristig planen. Stand jetzt ist die Saison auf 2021 verschoben worden“, sagt Philipp Hunz. „Da werden wir dann hoffentlich gut trainiert und wettbewerbsfähig neu angreifen.“ Und vielleicht können im Herbst ja noch ein, zwei Testspiele absolviert werden. Rauflust-Interessierte sind herzlich zum Training eingeladen. Infos im Netz: www.rugby-paderborn.de

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