Acht Nordklubs, darunter der SSV Elsen, freuen sich auf die Deutsche Schießsport-Liga
Ein spannendes Experiment

Elsen (WB/jm). Das Motto dieses Probelaufes hat Feuerkraft: „Mit Abstand in der Sache vereint.“ Acht Teams aus dem Norden haben, wie bereits berichtet, eine neue Wettkampfliga aus der Taufe gehoben: die Deutsche Schießsport-Liga (DSSL). Geschossen wird im Bundesliga-Modus. Ein motivierendes Projekt, das nicht unter der Fahne des Deutschen Schützenbundes (DSB) geführt wird.

Mittwoch, 21.10.2020, 03:00 Uhr
Die Elsener Leistungsträgerin Nadine Hochgeschurz freut sich auf die Duelle in der Deutschen Schießsport-Liga. Foto:
Die Elsener Leistungsträgerin Nadine Hochgeschurz freut sich auf die Duelle in der Deutschen Schießsport-Liga.

Markus Quickstern, der Vorsitzende des SSV St. Hubertus Elsen, ist noch immer begeistert, wie mutig, wie rasch diese Interessenvertretung nach mehreren Videokonferenzen und einiger Konzeptarbeit im Sinne des Sports einen machbaren Konsens entwickelt hat.

Die Vorgeschichte: Nachdem der DSB-Ligaausschuss kurzfristig angesichts der sich zuspitzenden Corona-Pandemie mit deutlicher Mehrheit für eine offizielle Absage der 1. und 2. Bundesliga votiert hatte (und mithin seine im Juni geäußerte Absicht verwarf), regte sich besonders im Norden Deutschlands Widerstand. Diese Entscheidung wurde von zahlreichen Klubs als „nicht nachvollziehbar“, „Absage ohne Not“, als Affront bewertet. Und als völlig unverständlich, da gerade Sportschützen den nötigen Abstand während des Wettkampfes problemlos einhalten könnten. Kontaktsportarten wie Fußball oder Handball würden dies nicht gewährleisten können – und trotzdem eine ordnungsgemäße Ligasaison stattfinden lassen.

Nie dagewesene Solidarität

Die kollektive Enttäuschung gipfelte in einer im Schießsport zuvor nie dagewesenen Solidarität. Tenor des Aufbegehrens: „Die Vereine haben viel Zeit und richtig Geld investiert, um alle geforderten Hygiene- und Abstandsregeln einhalten zu können. Wir wollen zeigen, dass wir es können!“ Der Fokus, eine Wettkampfrunde durchzuführen, kristallisierte in ein „eigenes Ding“.

Los geht die etwas andere Bundesliga-Saison am 24./25. Oktober. Bis Januar ermitteln der SSV Elsen, BSV Buer-Bülse, SV Kamen, SG Wieckenberg, SSG Kevelaer, Braunschweig SGes, PSS Inden/Altdorf und der SV Wissen ihren Besten. Die Elsener Luftgewehr-Schützen beginnen diese alternative Saison im Landkreis Celle in der Halle des Freizeitparks Wietze. Erster Gegner ist der SV Kamen, tags darauf steigt der Vergleich gegen den Wissener SV. Abschluss ist am 9./10. Januar in Kamen.

Im Fußball würde man von Freundschaftsspielen sprechen.

Simon Janssen

Allen beteiligten Klubs geht es nur um den Schießsport. Simon Janssen, Trainer der Kevelaerer Meisterschützen, hat über die Wertigkeit dieser Deutschen Schießsport-Liga gesagt: „Im Fußball würde man von Freundschaftsspielen sprechen. Man könnte auch Trainingseinheiten auf höchstem Niveau dazu sagen. Hauptsache Wettkampfschießen zur Vorbereitung auf Welt- und Europameisterschaften und auf die Olympischen Spiele.“ Zudem biete diese Klasse die einmalige Gelegenheit, neue Modelle bei der Organisation der Wettkämpfe zu testen. Eine spielerische Veränderung am ersten Wettkampfwochenende: Die Setzliste, bisher stets der Kompass für die Aufstellung, ist außer Kraft gesetzt. Die Trainer können ihre Schützen eins bis fünf nach Gutdünken verteilen. „Keiner weiß, was der andere macht“, sagt Quickstern. Das bürge für einen Überraschungseffekt. „So etwas ist andiskutiert, aber nie umgesetzt worden. Wir wollen die Chance nutzen, was auszuprobieren und einen Mehrwert zu generieren“, erklärt Quickstern in großer Vorfreude. „Ich bin aufs Feedback der Sportler gespannt.“ Für ihn ist diese Liga – auch der Süden steht mit einem eigenen Modell mit sechs Teams in den Startlöchern – „ein spannendes Experiment, um neue Akzente zu setzen.“ Auf den Ungar István Péni wird Elsen verzichten müssen.

Konzepte bereits genehmigt

Die Ausrichter haben den zuständigen Gesundheitsbehörden Konzepte vorgelegt, die bereits genehmigt worden seien. „Wir wollen verantwortungsvoll zumindest versuchen, dass unsere Sportler sich auf hohem Niveau vergleichen können und einen Anreiz haben“, freut sich Markus Quickstern auf die Premiere, die er gar nicht mal als „Notlösung“ definiert sehen will. „Nein, wir setzen mit diesem Engagement ein Zeichen“, denkt Elsens Chef an eine langfristige Geschichte. Bahnt sich da etwa ein eigenverantwortlicher Ligabetrieb innerhalb des Dachverbandes an? Auch als Teil dieser Vision darf sich Quickstern durchaus „in der Sache vereint“ wähnen.

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