Fußball-Bezirksliga: Interview mit DJK Mastbruchs Coach Roberto Busacca
„Julius ist ein Ausnahmetalent“

Schloß Neuhaus (WB). Acht Spiele, acht Siege bei 32:8 Toren in der neuen Fußball-Bezirksliga 13: So etwas nennt man wohl einen Traumstart. WV-Mitarbeiter Frank Brock sprach mit Trainer Roberto Busacca (42), der die DJK Mastbruch 2017 zum Aufstieg in die Bezirksliga geführt hatte, über die Gründe des Erfolges, die Vergangenheit und die Zukunft.

Donnerstag, 29.10.2020, 03:00 Uhr
Im siebten Jahr als Coach der DJK Mastbruch möchte Roberto Busacca mit dem Verein zurück in die Landesliga. Foto: Jörn Hannemann
Im siebten Jahr als Coach der DJK Mastbruch möchte Roberto Busacca mit dem Verein zurück in die Landesliga. Foto: Jörn Hannemann

Herr Busacca, Sie wollten nie Trainer werden. Nun sind Sie in Mastbruch aber schon im siebten Jahr als Chefcoach im Einsatz. Wie kam es dazu?

Roberto Busacca: Ich bin 2006 nach Mastbruch gezogen und kannte deshalb mehrere Verantwortliche dort. Als ich dann 2014 beim meinem Ex-Verein RW Erlinghausen aufgehört habe, kam über den damaligen DJK-Trainer Helmut Hartmann und den Sportlichen Leiter Andre Rodehutskors die Anfrage, mit 36 Jahren noch ein Jahr für die DJK in der Kreisliga A zu spielen. Als Helmut dann Anfang 2015 zurückgetreten ist, habe ich nach längerer Überlegung zunächst übergangsweise seine Nachfolge angetreten. Ich bin damals ins kalte Wasser geworfen worden. Dass ich diese Trainertätigkeit dann sogar sieben Jahre ausüben würde, hätte ich damals nicht gedacht.

 

Apropos Rot-Weiß Erlinghausen. Sie haben von 2002 bis 2014 beim Heimatverein von Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gespielt. In dieser Zeit haben Sie dort als offensiver Mittelfeldspieler in zwölf Jahren mehr als 200 Tore erzielt und wurden zum Fußballer des Jahrzehnts im Sauerland gewählt. Bevorzugen Sie auch wegen Ihrer ehemaligen Position die offensive Spielweise?

Busacca: Auf jeden Fall. In Mastbruch bekommen die Zuschauer fast in jedem Spiel viele Tore zu sehen. Ein Schnitt von 4:1 in dieser Saison ist doch nicht schlecht. Mit der enormen Qualität im Kader muss ich meine Mannschaft einfach offensiv spielen lassen.

Von Bruder Giuseppe viel gelernt

Sie haben selbst vor fast 20 Jahren in der Saison 2001/02 beim Hövelhofer SV in der Oberliga Westfalen, der damaligen 4. Liga, unter Coach Oliver Roggensack gespielt. Von welchem Trainer haben Sie sich in Ihrer aktiven Zeit am meisten abgeguckt?

Busacca: Ganz eindeutig von meinem Bruder Giuseppe, unter dem ich in Erlinghausen zweieinhalb Jahre trainiert habe. Er ist zwar wie ich kein Taktikfachmann. Seine unglaublichen Motivationsansprachen habe ich aber bis heute nicht vergessen.

 

Seit dieser Saison spielt auch Giuseppes Sohn, Ihr Neffe Alessandro, erfolgreich am Deipenweg. Trauen Sie auch Ihrem ältesten Sohn Noel Felipe, der momentan beim Delbrücker SC in der C-Junioren-Westfalenliga kickt, zu, in der Zukunft höherklassig zu spielen?

Busacca: Das muss man abwarten. Noel Felipe ist jetzt 14 Jahre alt und im Sommer nach fünf Jahren beim SC Paderborn 07 nach Delbrück gewechselt. Im Gegensatz zu seinem Vater spielt mein Sohn weiter hinten mit viel Freude auf der Linksverteidigerposition. Noel Felipe hat aus meiner Sicht großes Potenzial und mehr Talent als ich in dem Alter.

 

Die DJK Mastbruch hat seit 2006 nicht mehr in der Landesliga gespielt. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass sich dies im Jahr 2021 wieder ändert?

Busacca: Unsere Chancen auf den Aufstieg sind durch den guten Start sicher nicht schlechter geworden. Es sind aber, wenn die Saison zu Ende gespielt werden sollte, immer noch 22 Spiele zu absolvieren. Da kann immer noch sehr viel passieren.

Delbrücker SC II härtester Rivale

Wer sind aus Ihrer Sicht die größten Konkurrenten im Aufstiegskampf?

Busacca: Wie schon vor der Spielzeit von mir vermutet, wird wohl der Delbrücker SC II unser härtester Konkurrent sein. Aber auch mit dem SV Atteln, der ähnlich wie wir vom Teamgeist lebt, muss gerechnet werden.

 

Wie stark beeinträchtigt die Corona-Pandemie Ihre Trainertätigkeit seit März diesen Jahres?

Busacca: Es ist im Fußball nichts mehr so wie vorher. Wir beschränken die Kontakte nach dem Training und nach den Spielen auf das Nötigste. Insgesamt sind wir aber alle froh, dass wir überhaupt unserem Hobby nachgehen können.

 

Während einige Ihrer Kollegen in der Bezirksliga sogar die A-Lizenz haben, coachen Sie bisher ohne Trainerschein sehr erfolgreich. Halten Sie die Trainerlizenzen für nicht so wichtig?

Busacca: Eine Trainerlizenz ist sicherlich hilfreich, aber ich hatte in der Vergangenheit aus beruflichen und familiären Gründen einfach keine Zeit, einen solchen Lehrgang zu besuchen.

Unglaublich große Kameradschaft

Sie sprechen oft von der Mastbrucher Fußballfamilie. Wie meinen Sie das genau?

Busacca: In Mastbruch wird verstärkt auf die eigene Jugend gesetzt. Dadurch identifizieren sich unsere Spieler sehr stark mit dem Verein. Nur durch diese unglaublich große Kameradschaft ist auch mit wenig finanziellen Mitteln so ein Erfolg möglich. Ich habe das große Glück, an meinem Wohnort, nur 500 Meter entfernt von zu Hause, Trainer sein zu dürfen. Für mich ist die DJK Mastbruch wie eine zweite Familie geworden.

 

Zum Abschluss sagen Sie bitte noch ein paar Worte zu ihrem erfolgreichsten Stürmer Julius Brinkmann. Er hat mit 188 Toren und 78 Vorlagen in 169 Pflichtspielen seit Sommer 2015 eine Statistik vorzuweisen, die wohl bundesweit einmalig sein dürfte. Was macht diesen 24-jährigen Torjäger aus?

Busacca: Julius ist ein absolutes Ausnahmetalent. Wer über so einen langen Zeitraum so viele Tore erzielt, hat eine unglaubliche Qualität. Zudem hat Julius einen vorbildlichen Charakter. Besonders erstaunlich ist seine Quote, weil er bei uns auch viele Ecken und Freistöße schießt, bei denen er nicht zum Abschluss kommt.

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