Ausdauersportler Elmar Sprink trainiert auf Lanzarote
„Ich habe im Moment kein echtes Ziel“

Paderborn -

Temperaturen um die 30 Grad, strahlende Sonne mit ein paar Schönwetterwolken, dazu pustet eine recht steife Brise. „Mein Lieblingswind singt“, grinst Elmar Sprink. Der lässt es sich aktuell auf der Kanareninsel Lanzarote gutgehen.

Freitag, 20.11.2020, 03:28 Uhr aktualisiert: 20.11.2020, 03:30 Uhr
Wind und Wellen: Ausdauersportler Elmar Sprink aus Salzkotten genießt seine Zeit auf Lanzarote.
Wind und Wellen: Ausdauersportler Elmar Sprink aus Salzkotten genießt seine Zeit auf Lanzarote.

.Genauer: in Costa Teguise an der Ostküste. Nachdem kurzfristig der Ironman Cascais in Portugal (8. November) abgesagt wurde, gönnt sich der Salzkottener Multisportler, der seit 2012 mit einem Spenderherzen unterwegs ist, einen exotischen Mix aus Urlaub und Trainingslager. Wobei: „Ich habe im Moment kein echtes Ziel, auf das ich hintrainieren könnte. Das nervt schon ein bisschen.“

Elmar Sprink weiß natürlich, dass es sich dabei um „ein Luxusproblem“ handelt. „Ich bin gesund und darf auf einem wunderschönen Fleckchen Erde trainieren.“ Sein letzter großer Wettkampf war der Ironman Florida in Panama City Beach, den er im November 2019 in 10:25 Stunden auf Platz 23 seiner Altersklasse meisterte. In der Folge fegte der Corona-Rotstift durch seinen Terminkalender. Wettkämpfe fielen aus, ebenso Vorträge, wobei der Trip zum Cape Epic in Südafrika, dem größten Mountainbike-Rennen der Welt, unfreiwillig aufregend endete. Das achttägige Etappenrennen wurde zwei Tage vor dem Start abgesagt. Kurz vor dem Lockdown durfte Elmar Sprink mit einem der letzten Flieger aus dem abgeriegelten Südafrika zurück nach Deutschland.

Nach der Absage des Ironman Canada entpuppte sich der nächste Rückschlag als noch eine Spur schmerzvoller. Bei der Swiss Epic von Laax nach Davos, die in fünf Etappen 320 Kilometer mit 12.250 Höhenmetern vorsah, stürzte Elmar Sprink gleich mehrmals. „Fahrtechnisch war das anspruchsvoll, eine echte Herausforderung. Du musstest jede Sekunde voll konzen-triert sein. Ein Mal bin ich unglücklich am Baum hängengeblieben. Daran war aber nicht ich schuld. Ich musste absteigen, weil vor mir einer gestürzt war.“ Der Salzkottener beendete das Rennen zusammen mit Kumpel Peter Schermann im Mittelfeld. Die Prellungen und Schürfwunden offenbarten hinterher im MRT noch einen Schulteranbruch.

Nun genießt Elmar Sprink („In Deutschland wäre ich jetzt wohl nicht vier Stunden draußen“) seine sportliche Auszeit auf dem paradiesischen und dazu recht leeren Eiland: etliche Rad- und Laufeinheiten, nach langer Zeit mal wieder Wellenreiten im Meer. Als Transplantierter muss er höllisch aufpassen, keinen Sonnenbrand zu kriegen. Unter anderem düste Sprink die legendäre alte Strecke des Ironman Lanzarote ab. Dramatische 180 Landschaftskilometer, großartiges Sightseeing: schwarze Lavafelder, die Feuerberge des Nationalparks Timanfaya oder das Tal der tausend Palmen. Auf der Piste, garniert mit 2400 Höhenmetern, setzten ihm extreme Windböen zu. Ausläufer des Tropensturmes Theta, vor dem sie gewarnt hatten, der Lanzarote aber dann verschonte. „Das war trotzdem echt gefährlich.“

Am zweiten Weihnachtstag feiert Elmar Sprink seinen 49. Geburtstag. Wahrscheinlich wird dann auch der Sport wieder eine gewichtige Rolle spielen. „Traditionell gönne ich mir da einen halben Ironman; 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Rad und 21,1 Kilometer laufen. Aber auch einen Hermannslauf habe ich da schon absolviert“, schmunzelt er. Und gibt zu: „Ich vermisse einfach diesen besonderen Spirit der Wettkämpfe. Das ganze Ambiente. Unterlagen abholen, Leute treffen. Der ganze Spannungsbogen fehlt mir.“

Die Kanaren gelten nicht als Corona-Risikogebiet. „Ich fühle mich hier total sicher. Es gibt bei etwa 150.000 Einwohnern 50 Fälle auf der Insel. In Salzkotten sieht‘s schlimmer aus. Restaurants sind hier geöffnet. Du kommst ohne Coronatest rein und raus, das macht die Kanaren touristisch gerade so interessant. Aber das soll sich vom 23. November an ändern, dann musst du bei der Einreise einen gültigen PCR-Test nachweisen.“

Elmar Sprink wird nach seiner Rückkehr für ein paar Tage Abstand halten und auf mögliche Symptome achten. Schließlich hatte er Corona schon, sich wahrscheinlich damals in Südafrika mit dem Virus infiziert. „Zum Glück war es ein ziemlich milder Krankheitsverlauf ohne Nachwirkungen. Trotzdem will ich es nicht nochmal bekommen. Ich habe da vier Wochen stumpf zu Hause gesessen.“

Das sei natürlich nichts gegen seinen Transplations-Marathon gewesen, als er vor acht Jahren 189 Tage im Krankenhaus verbrachte.

Sprink hat sich in diesem Jahr schon mehrmals einem Bluttest zum Nachweis von Antikörpern unterzogen. „Ich habe zu wenig davon gebildet, werde also weiter vorsichtig sein“, meint der Sportler nachdenklich.

Bis zum 1. Dezember muss er sich entscheiden, ob er im März kommenden Jahres sein Startrecht beim Cape Apic in Südafrika wahrnimmt. „Die Option ist, die Teilnahme auf 2022 zu verschieben. Wenn irgendwas passieren sollte, fühle ich mich in Deutschland medizinisch einfach am besten aufgehoben.“

Den Winter will er nutzen, sich im hügeligen Ostwestfalen-Lippe mit Mountainbiking fitzuhalten. Radfahren ist sowieso nicht das Problem. Sprink: „Zu Hause habe ich eine Rolle.“ Und Laufen geht ja immer. „Ich habe gerade mit dem Laufladen Endspurt in Paderborn eine Kooperation geschlossen und bin umso motivierter jetzt“. Das fehlende Wassertraining versucht der Triathlet mit Zugseiltraining aufzufangen, zudem hat er die Hoffnung auf Skitouren im winterlichen Deutschland noch nicht aufgegeben.

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