Der Paderborner Golfprofi Alex Knappe steht beim Saisonfinale unter Druck
Alles oder nichts

Paderborn -

Am vergangenen Sonntag ist im Augusta National Golf Club (Georgia/USA) das Major-Turnier zu Ende gegangen, das Alexander Knappe lieber als jedes andere irgendwann einmal gewinnen würde: das Masters. In diesem Jahr war es der Weltranglistenerste Dustin Johnson, der sich das berühmte Green Jacket, das grüne Sakko, vom Vorjahressieger Tiger Woods überstreifen lassen durfte.

Freitag, 20.11.2020, 17:32 Uhr aktualisiert: 22.11.2020, 11:22 Uhr
Die letzte Chance: Will es Alexander Knappe noch in die Top5 schaffen, muss er das Finalturnier der Challenge Tour auf Mallorca gewinnen.
Die letzte Chance: Will es Alexander Knappe noch in die Top5 schaffen, muss er das Finalturnier der Challenge Tour auf Mallorca gewinnen. Foto: Imago

Träumen ist für den Paderborner Golfprofi, derzeit die Nummer 624 der Welt, natürlich weiterhin erlaubt, aber Augusta ganz weit weg. Für den 31-Jährigen geht es von diesem Donnerstag an darum, die – für dieses Jahr – letzte Chance auf die Rückkehr zur European Tour zu nutzen. Hätte es die Pandemie nie gegeben, wäre die Ausgangslage extrem vielversprechend, liegt Knappe in der Rangliste der Challenge Tour vor dem Finalturnier, dem Challenge Tour Grand Final, auf Mallorca doch auf dem 15. Platz. In der coronafreien Vergangenheit hätte er diesen Rang nur verteidigen müssen, um die letzte von 15 Spielberechtigungen für die European Tour zu erhalten. Doch 2020 ist das alles anders. Erst sollte in diesem Jahr niemand ein solches Ticket erhalten, dann entschieden die Verantwortlichen, zumindest die fünf besten Profis mit einer (eingeschränkten) Fahrkarte zu belohnen. Knappe war schon mal Achter und ganz nah dran, jetzt ist er 15. und erheblich unter Druck, wenn er um 10.20 Uhr am ersten Abschlag steht. „Ich muss gewinnen. Das ist so, aber das ist auch machbar bei nur 45 Spielern“, sagt er.

Die besten 45 Golfer dieser verkürzten Saison haben sich für den mit 350.000 Euro dotierten Schlussakkord qualifiziert. Auf den Gewinner warten 62.000 Euro. Heißt der Golf-König von Mallorca Knappe, schiebt sich der gebürtige Briloner in jedem Fall unter die besten Fünf. Die Rechnung ist simpel, das erfolgreiche Umsetzen des ultimativ ambitionierten Vorhabens umso schwieriger. Was für den Mann spricht, der in seiner Karriere bislang zwei Turniere auf diesem Niveau für sich entschieden hat? Da sind durchaus einige Punkte zu finden: Zum einen ist da die gute Form, mit der Knappe am Sonntag angereist ist. Seit dem Ende der Corona-Pause hat er nicht einen Cut verpasst, bei der Euram Bank Open in Österreich als Dritter geglänzt und zuletzt auch in Cadiz zweimal gutes Golf gespielt. Rang 17 bei der Challenge de Espana und Rang 21 bei der Challenge de Cadiz waren nicht die Topresultate, die er sich von den beiden Auftritten an der andalusischen Atlantikküste erhofft hatte, und doch zieht Knappe eine positive Bilanz: „Es waren einige Kleinigkeiten, die sich summiert und mich um bessere Ergebnisse gebracht haben. Insgesamt ist mein Spiel aber in Ordnung. Wenn noch ein bisschen Glück dazukommt, bin ich vorne dabei.“

Ob sich Fortuna auf seine Seite schlägt, das kann er nicht beeinflussen, aber ein Vorteil, den ihm niemand streitig machen kann, ist die Tatsache, dass er den 6450 Meter langen Par71-Kurs im T-Golf & Country Club bereits gut kennt. „Ich war im Dezember des vergangenen Jahres für vier, fünf Tage mit Ralf Eckel und Julius Uelschen da. Das sind zwei gute Freunde von mir, Julius hat mir schon öfter als Caddie geholfen. Wir haben den Platz jeden Tag gespielt, so dass ich mich da schon ganz gut zurechtfinde.“

Nicht neu ist auch die Drucksituation, in letzter Sekunde das bestmögliche Resultat abliefern zu müssen. Vor einem Jahr sah es ähnlich aus. Bei der Foshan Open war eine Spitzenplatzierung die einzige Option und so spielte Knappe in China auch. 14 Schläge unter Par nach zwei Tagen, der Sieg war in Sichtweite, am Ende sprangen der geteilte vierte Platz und das höchste Preisgeld der Saison (24.800 Euro) heraus. Der kleine, allerdings entscheidende Makel: Im Tour-Ranking ging es damals zwar vom 87. auf den 46. Platz nach vorne, aber eben nur auf den 46. und nicht auf den 45., der die Qualifikation für das Finale bedeutet hätte und mit einigen garantierten Einsätzen auf der European Tour verbunden gewesen wäre. „Da hat es fast gereicht, diesmal reicht es hoffentlich ganz“, sagt Knappe. Sollte der Coup tatsächlich gelingen, fiele der Jubel sicherlich groß aus – auch wenn es zur Belohnung kein grünes Sakko gäbe.

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