Fußball: Viele heimische Vereine stellen sich auf eine Annullierung der laufenden Spielzeit ein
„Verletzungsgefahr zu groß, Zeit zu knapp“

Paderborn -

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) wird am Montag die Annullierung der Saison 2020/2021 beschließen. Davon gehen jedenfalls einige Trainer und Funktionäre der Vereine im Kreis Paderborn aus.

Samstag, 27.03.2021, 01:31 Uhr aktualisiert: 27.03.2021, 02:00 Uhr
Mitch Kniat (rechts), Trainer der U21 des SC Paderborn, geht von einem Saison-Abbruch aus.
Mitch Kniat (rechts), Trainer der U21 des SC Paderborn, geht von einem Saison-Abbruch aus.

Beim Oberligisten SC Paderborn II nimmt es Trainer Michél Kniat wie es kommt. „Was soll ich mich aufregen? Ich spare mir da die Energie, nehme es, wie es kommt und werde jede Entscheidung akzeptieren. Der Verband wird schon eine vernünftige Lösung finden“, sagt der junge Fußballlehrer. Persönlich geht der 35-Jährige von einem Abbruch aus – auch weil die Zeit knapp wird: „Nach sechs Monaten Pause fangen wir mit einem Kader an, der praktisch frisch aus dem Kreuzbandriss kommt. Ohne ausreichende Vorbereitung wäre die Verletzungsgefahr zu groß.“

Ex-Profi Detlev Dammeiersieht an der Stelle ebenfalls ein großes Risiko. Der Trainer des Delbrücker SC (Westfalenliga) hat aber auch das Zeitfenster im Blick: „Wir können frühestens nach dem 18. April mit dem Training beginnen. Für die zehn Punktspiele blieben uns dann noch sechs Wochen. Das wäre im Amateurbereich zu knapp.“ Dem 52-Jährigen ist die Saison auch nicht mehr ganz so wichtig, seine Wünsche sind viel bescheidener geworden: „Mir fehlen besonders der Spaß und die Emotionen. Ich möchte mit meinen Jungs endlich wieder auf dem Trainingsplatz stehen.“

Abteilungsleiter Thomas Dreßlervom SV Heide erwartet vom Verband eine klare Kante und fordert den Abbruch: „Wir eiern seit Monaten von einem Termin zum nächsten. Damit muss Schluss sein. Das Coronavirus ist auch im Mai noch da, deshalb sollten wir Hobby-Kicker kein unnötiges Risiko eingehen.“ Dabei denkt der Fußball-Funktionär auch an mögliche Folgen, wenn der Spielbetrieb wieder anläuft: „Wir würden das Risiko eingehen, dass wir Infektionen in die Familien tragen und Leben gefährden.“

Marco Cirrincione, 2020 mit dem SCV Neuenbeken in die Landesliga aufgestiegen, ist grundsätzlich gegen eine Annullierung. Die Entscheidung läuft aber auch für ihn genau in diese Richtung: „Die Saison wird abgebrochen. Vielleicht macht man in den Klassen eine Ausnahme, die nur noch drei oder vier Spiele austragen müssen. Relativ sicher bin ich mir, dass der Pokalwettbewerb fortgesetzt wird. Wann das so weit ist, entscheidet die Politik.“

Olaf Kreimer, Vorsitzender des FC Dahl/Dörenhagen, hätte es gerne gesehen, wenn der FC die fehlenden sechs Partien noch hätte austragen können, sagt aber auch: „Die Sicherheit unserer Mitglieder und die aller anderen Vereine hat absoluten Vorrang.“ Sein Verein führt in der Staffel 1 der Kreisliga A die Tabelle an. Sollte der Verband am Montag die erwartete Annullierung verkünden, wäre der gute Start nichts mehr wert: „Wir sind natürlich traurig, aber wir hatten schon einmal Pech: Bei unserer Fusion wurden wir in die B-Liga zurückgestuft, auch das tat weh.“

Der FC-Chef dachte aber auch an die Kinder und Jugendlichen: „Mir macht der gesamte Nachwuchsbereich große Sorgen. Auch sie leiden sehr unter der langen Pause, und da könnte uns an der Basis ganz viel wegbrechen.“

„Verpasster Aufstieg in die Landesliga?“ Das geht Roberto Busacca zu weit. Der Trainer führt mit der DJK Mastbruch zwar die Tabelle der Bezirksliga an, er selbst spricht nur von einer „Momentaufnahme“ und sagt: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft und die Chance war da, aber bei uns steht der Spaß im Vordergrund. Fußball ist ein schönes Hobby, aber so wollte keiner aufsteigen. Und wenn wir es einmal schaffen, dann wollen wir anschließend eine Party feiern und nicht ein Treffen für fünf Leute mit Masken organisieren.“

Wobei für Busacca aktuell nur die Virus-Bekämpfung wichtig ist: „Corona setzt seit mehr als einem Jahr andere Schwerpunkte. Da macht Freizeit-Fußball wenig Sinn. Wichtig ist nur, dass unser Land einigermaßen sicher durch diese Krise kommt.“

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