„Meine Corona-Zeit“, Folge 19: Selbstverteidigungsexperte André Dawson vom SC Grün-Weiß Paderborn
„Mir fehlt das Unbeschwerte“

Paderborn. -

André Dawson ist Abteilungsleiter der Ju-Jutsu-Sparte des SC Grün-Weiß Paderborn. Seit langen Jahren ist der 47-Jährige von Kampfkunst fasziniert. Dawson ist Träger des 4. Dan in Karate, 5. Dan in Modern Arnis, 6. Dan in Ninjitsu, dazu Wing Tsung-Trainer, Kampfsport- und Selbstverteidigungstrainer für Kinder und Erwachsene sowie Taiji Qi Gong-Übungsleiter. In Folge 19 unserer laufenden Serie „Meine Corona-Zeit“ räumt er ein, seine Gelassenheit 2020 phasenweise ein wenig verloren zu haben.

Freitag, 30.04.2021, 02:06 Uhr aktualisiert: 30.04.2021, 02:10 Uhr
In Corona-Zeiten ist Kampfkunst nur vor dem Bildschirm möglich: Andre Dawson bei einer Zoom-Einheit Modern Arnis.
In Corona-Zeiten ist Kampfkunst nur vor dem Bildschirm möglich: Andre Dawson bei einer Zoom-Einheit Modern Arnis.

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?

André Dawson: Ich habe im Bekanntenkreis drei Personen, die erkrankt waren, mittlerweile aber wieder genesen sind. Auch unter meinen Trainierenden hat es leider eine Person erwischt; im privaten, nicht im sportlichen Zusammenhang. Ich hatte bisher das Glück, unmittelbar nicht betroffen zu sein, musste auch noch nicht in Quarantäne.

Was überwiegt bei Ihnen: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?

Dawson: Natürlich habe ich Vertrauen in die Schutzmaßnahmen, die gefahren werden. Meine Gelassenheit habe ich im vorigen Jahr leider etwas verloren. Ein dauerndes Hoch- und wieder Runterfahren des Sportbetriebes, dazu neue Regularien und Trainingsvoraussetzungen, die sich ändern, erfordern viel Aufmerksamkeit, um zumindest in Teilen den Sportbetrieb realisieren zu können. Natürlich bin ich mit der Situation unzufrieden. Vor allem frustriert mich die Tatsache, nur eingeschränkt meinen Beruf ausüben zu können.

Der Amateursport ruht. Ist er Ihrer Meinung nach ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung?

Dawson: Nur durch die Kontaktreduzierung ist es möglich, das Infektionsgeschehen zu bremsen. Ein Teil des Pro-blems ist der Amateursport meiner Erfahrung nach nicht. Wir haben mit entsprechenden Konzeptionen alle Trainings im vorigen Sommer, noch während der Ferien, starten können. Durch meine Tätigkeit als Abteilungsvorstand der Ju-Jutsu-Abteilung des SC Grün-Weiß Paderborn habe ich am Hygienekonzept des Vereins mitgewirkt, so dass wir mit allen Zielgruppen wieder loslegen konnten. Dazu zählten unter anderem relativ kleine Kinder, sechs bis acht Jahre, und eine Inklusionssportgruppe. Das war durch eine klare Konzeption gar kein Problem.

Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzler sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?

Dawson: Ich wollte noch nie in die Politik und momentan noch weniger. Die Entscheidungen, die gerade getroffen werden müssen, sind alles andere als einfach. Momentan ist aber beim Thema Impftempo sicherlich noch Luft nach oben.

Was tun Sie und wo tun Sie es, um ihre körperliche oder auch geistige Fitness auf Trab zu halten?

Dawson: Ich habe mich bis zum November vergangenen Jahres intensiv auf meinen 5. Dan im Karate vorbereitet. Die Prüfung wurde leider kurz vorher abgesagt. Über den Jahreswechsel hat mein eigenes Sportprogramm dann ehrlich gesagt etwas gelitten. Mittlerweile gebe ich aber wieder viermal wöchentlich Zoom-Trainings: Ving Tsun, Taiji Qi Gong, Modern Arnis und ein Martial Arts-Workout. Des Weiteren nutze ich die Zeit, um mich selbst per digitaler Seminare im Tai Chi und Qigong weiterzubilden. Für meine geistige Fitness sorgt entsprechende Fachliteratur und die Vorbereitung meiner eigenen Trainings. Die digitalen Varianten brauchen anderer Schwerpunkte als das Präsenztraining.

Die Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?

Dawson: Der in der Vergangenheit oft nebenher gesagt Spruch „Hauptsache gesund“ hat eine immense Bedeutung bekommen. Unsere Gesundheit ist tatsächlich das höchste Gut.

Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?

Dawson: Ich bin gerne draußen, ob per Rad oder zu Fuß, rund um die Seen-Landschaft in Schloß Neuhaus und im Mastbruch. Aber auch beim Sofa im heimischen Wohnzimmer oder dem Balkon sage ich nicht „Nein“.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Dawson: Fachliteratur. „Mythos und Technik der Wing Tsun Holzpuppe“ von Muk Yan Jong.

Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?

Dawson: Natürlich sehne ich mich danach. Mir fehlt das Unbeschwerte, der Sport, die Treffen mit Freunden. Alles muss momentan geplant, Tests vorher gemacht werden. Ich denke, wir müssen mit einer „neuen Normalität“ zukünftig leben. Das Virus wird nicht verschwinden. Die Impfung scheint momentan die einzige Chance, Dinge langfristig wieder möglich zu machen.

Was möchten Sie dem Coronavirus sagen?

Dawson: So langsam reicht´s!

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