Der Golf Club Paderborner Land setzt beim Greenkeeping eine Drohne ein
Smarte Hilfe aus der Luft

Thüle (WB). Etwa 1200 Mitglieder zählt der Golf Club Paderborner Land. Einige wenige davon werden bemerkt haben, dass der Flugverkehr über der schicken 27-Loch-Anlage in Salzkotten-Thüle in den vergangenen Wochen zugenommen hat. Aber noch kaum jemand ahnt, was sich tatsächlich über den Grüns abspielt, wenn dort eine kleine, leise Drohne unermüdlich ihren Dienst verrichtet.

Samstag, 11.07.2020, 06:00 Uhr
Ralf Niggemeier steuert den neuen Greenkeeping-Mitarbeiter des GC Paderborner Land: eine Drohne mit Spektralkamera. Foto: Oliver Schwabe
Ralf Niggemeier steuert den neuen Greenkeeping-Mitarbeiter des GC Paderborner Land: eine Drohne mit Spektralkamera. Foto: Oliver Schwabe

„Ich glaube nicht, dass unsere Mitglieder wissen, was da genau vor sich geht. Die, die gesehen haben, dass wir eine Drohne steigen lassen, werden wahrscheinlich denken, dass wir mal wieder Fotos für unsere Homepage machen“, sagt Clubmanager Ralf Niggemeier und muss ein bisschen schmunzeln.

Ja, die handelsübliche Ausführung des eingesetzten DJI-Quadrocopters könnte die Internetseite um ein paar sehenswerte Luftaufnahmen bereichern – aber: Die spezielle Version, die das Team um Niggemeier und Head-Greenkeeper Jürgen Troja regelmäßig auf die Reise schickt, ist zu Höherem berufen. Kurz gesagt: Das Bildmaterial hilft, sowohl den Wasser- als auch den Düngereinsatz bei der Pflege des Platzes und hier insbesondere der Grüns auf ein wesentlich effizienteres Maß zu senken.

Spektralkamera macht bis zu 1000 Bilder

In einer Art von Pilotprojekt, als einer von sehr wenigen Golf-Clubs deutschlandweit und als erster überhaupt in Nordrhein-Westfalen, arbeitet der GC Paderborner Land mit dem Nürnberger Unternehmen Trevisto Plant Solutions zusammen. Die zur Verfügung gestellte Drohne ist mit einer Spektralkamera ausgestattet, mit deren Aufnahmen kurz nach der Landung am PC ein NDVI-Bild erstellt wird. Der NDVI – zu Deutsch: normalisierter, differenzierter Vegetationsindex – ist der am häufigsten angewandte Vegetationsindex. Anfangs auf der Basis von Satellitenbildern errechnet, sorgt der Fortschritt in Sachen Drohnenentwicklung dafür, dass die Technik auch in Bodennähe eingesetzt werden kann. „Mit der Kamera kann man die Aktivität und die Vitalität der Pflanzen messen. Sie stellt fest, wie viel von dem Licht, was eine Pflanze normalerweise bei der Photosynthese verbraucht, reflektiert wird. Wenn die Pflanze gesund ist, wird das Licht größtenteils herausgefiltert und in Energie, mit der die Pflanze wächst, umgewandelt. Wenn die Pflanze das Licht reflektiert, geht es ihr nicht gut, fehlt ihr Wasser oder Dünger“, sagt Trevisto-Geschäftsführer Jens Horstmann.

So oder so ähnlich sehen Aufnahmen aus, die die Mitarbeiter des GC Paderborner Land analysieren. Dieses Grün, das nicht in Thüle zu finden ist, hat Stress. Es ist eher grün-blau (wenig Photosynthese). Es sollte mindestens gelb-orange sein (mehr Photosynthese).

So oder so ähnlich sehen Aufnahmen aus, die die Mitarbeiter des GC Paderborner Land analysieren. Dieses Grün, das nicht in Thüle zu finden ist, hat Stress. Es ist eher grün-blau (wenig Photosynthese). Es sollte mindestens gelb-orange sein (mehr Photosynthese).

Die erste Kontaktaufnahme mit der innovativen Firma aus Franken erfolgte im Vorjahr auf Europas größtem Sportbusiness-Kongress, dem SPOBIS, in Düsseldorf. „Damals ging es vor allem um den Rasen auf Fußballfeldern, aber das Thema war natürlich auch sofort für Golf-Anlagen interessant. Ich habe meine Daten dagelassen und dann sind wir irgendwann angeschrieben worden, ob wir nicht Lust hätten, an einem Pilotprojekt teilzunehmen“, sagt Niggemeier.

Als der ärgste Abschnitt der Corona-Krise überstanden schien, gab es in Thüle die ersten Flugstunden und die Einführung in die Software. Mittlerweile haben die GC-Mitarbeiter die smarte Hilfe aus der Luft komplett unter Kontrolle. Eher zwei- als einmal pro Woche wird das autonom agierende Fluggerät auf seine Umlaufbahn geschickt. Es geht auf möglichst direktem Weg von Grün zu Grün. Vier zuvor programmierte Missionen fliegt die frisch verpflichtete Hilfskraft in einer Höhe von etwa 30 Metern ab und macht bis zu 1000 Aufnahmen. Nach jeder Mission geht’s zum Akkuwechsel an den Startpunkt zurück. Nach einer Stunde ist das Tagwerk getan.

Das Ganze funktioniert einwandfrei.

Ralf Niggemeier

„Sobald sie fertig ist, nehmen wir die SD-Karte heraus, warten, bis die Software die Bilder zusammengesetzt hat und machen uns dann an die Auswertung. Was grün-blau erscheint, ist ein bisschen trocken, die orange-roten Bereiche sind gut gesättigt“, sagt Niggemeier. Dabei werden die Nutzer keinesfalls vor vollendete Tatsachen gestellt oder mit irreparablen Schäden konfrontiert, sondern über Entwicklungen informiert. „Du reagierst nicht auf Schäden, sondern kannst prophylaktisch gegen mögliche Schäden arbeiten“, sagt der Clubmanager. Bislang wurden alle Grüns gleich behandelt, jetzt gibt es auch Tage, an denen mehrere dieser Flächen rund um Fahne und Loch keiner Bearbeitung bedürfen. „Wir können viel gezielter gegen Trockenstellen vorgehen. Früher haben dann auch gut gewässerte Stellen noch mal Wasser mitbekommen. Nun können wir das Ganze deutlich besser dosieren“, sagt Niggemeier. Gleiches gilt für die Düngung, deren Intervalle sich weiter hinauszögern lassen. Zudem kommen die Greenkeeper defekten Rasensprengern erheblich schneller auf die Spur. „Wenn die Düsen verschlissen sind, wirft der Regner das Wasser weiter, was dazu führt, dass im Nahbereich nicht mehr viel ankommt. Wenn es zu spät ist, hat sich ein brauner Ring gebildet, den die Fachleute Donut nennen. Auch solche Probleme gehören jetzt der Vergangenheit an“, sagt Horstmann.

Umweltgedanke steht über allem

Im vergangenen Jahr ist Trevisto für die unter dem Arbeitstitel Grass Goes Smart erstellte App vom Handelsblatt mit dem Diamond Star Award ausgezeichnet worden. Auch die User in Thüle zeigen sich vollkommen überzeugt. „Wir sind durchweg begeistert. Das Ganze funktioniert einwandfrei. Uns bietet sich ein enormes Potenzial an Einsparmöglichkeiten und unsere Greenkeeper erwerben wertvolle Zusatzqualifikationen – aber über allem steht der Umweltgedanke: Wir setzen Wasser und Dünger nur noch dann ein, wenn es nötig ist“, sagt Niggemeier.

Wie viel gespart wird, wird die Zeit zeigen. Aber der Flugverkehr über der Anlage im Nordfeld wird so schnell nicht geringer – nur wissen nun womöglich mehr Mitglieder, was die fleißige Drohne da oben leistet.

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