Mi., 10.04.2019

Baskets-Präsident Schlösser hält eine Paderborner BBL-Rückkehr in absehbarer Zeit nicht für realistisch »Mal wieder Meister werden«

Baskets-Präsident Christoph Schlösser zeigt sich mit der Entwicklung zufrieden und hofft auf eine baldige Play-off-Teilnahme.

Baskets-Präsident Christoph Schlösser zeigt sich mit der Entwicklung zufrieden und hofft auf eine baldige Play-off-Teilnahme. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB). Während in der ProA die Play-offs erst so langsam Fahrt aufnehmen, hatten die Uni Baskets schon genügend Zeit, einen neuen Cheftrainer zu suchen, zu finden und – in Person von Steven Esterkamp – auch zu verpflichten. In möglichst naher Zukunft, das ist der ganz große Wunsch des Baskets-Präsidenten Christoph Schlösser, sollen die Paderborner unbedingt wieder mit dabei sein, wenn die besten acht Teams der Hauptrunde den Meister ermitteln. Das sagt der 54-Jährige im Gespräch mit Elmar Neumann über ...

... diese Saison

Es ist kein Geheimnis, dass wir alle mehr erwartet haben. Wir hatten schon gehofft, dass wir ernsthaft um die Play-off-Plätze würden mitspielen können. Dazu ist es aus verschiedenen Gründen leider nicht gekommen. Die Mannschaft hat in der Hinrunde viele Spiele knapp verloren. Normalerweise gleicht sich das im Laufe einer Saison aus, aber diesmal war es nicht so. Für die zweite Hälfte hatten sich Trainer und Team einiges vorgenommen, aber da haben uns die Verletzungen einen Strich durch die Planungen gemacht. So müssen wir unter diesen Umständen mit dem Klassenerhalt zufrieden sein. Vom Potenzial her hätte die Mannschaft sicherlich ein paar Plätze höher stehen können. Mit dem Team aus dem Vorjahr wären wir diesmal sicher abgestiegen.

... den Trainerwechsel

Ulis (Uli Naechster, Anm. d. Red.) Entscheidung habe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufgenommen. Für den Verein gewinnen wir mit ihm einen tollen Mann, der uns enorm weiterbringen kann. Trotzdem war ich auch mit ihm als Trainer immer sehr glücklich. Aber mit Steven haben wir natürlich den idealen Nachfolger gefunden. Das meine ich nicht nur, weil wir uns schon so lange persönlich kennen, sondern auch, weil ich hinter den Kulissen ein paar Gespräche mit Leuten geführt habe, die wissen, wie er als Trainer einzuschätzen ist. Auch da kam nur äußerst positives Feedback, das uns darin bestärkt hat, ihn zu verpflichten.

... die nächsten Ziele

In absehbarer Zeit ist ein BBL-Aufstieg alleine aus den bekannten Gegebenheiten (erstligataugliche Halle, Mindestetat in Höhe von 3,0 Millionen Euro, Anm. d. Red.) nicht machbar. Unser mittelfristiges Ziel muss es sein, in den nächsten Jahren – nach Möglichkeit schon nächste Saison – im Kampf um die Play-off-Plätze und in den Play-offs ein Wörtchen mitzureden. Es stecken so viele Leute so viel Energie hier rein, die sich alle mal belohnen müssen. Auch das Umfeld und die Sponsoren hätten das verdient. Und: Bei Münster in der ProB zum Beispiel ist ebenfalls ungewiss, ob die wirklich aufsteigen wollen, aber die wollen endlich mal diese Schale in der Hand haben und das kann für uns ja auch ein Ziel sein – schlicht und einfach mal wieder Meister zu werden. Ob man dann aufsteigen kann, steht in den Sternen. Aber Meister zu werden, davon träumen wir alle, das ist einfach geil!

... die Etatplanungen

Vor sechs Jahren waren wir bei einem Etat von 350.000 Euro und hatten auch noch Schulden in (fast) dieser Höhe. Die sind mittlerweile bis auf einen kleinen Restbetrag weg, so dass wir jetzt auf einer ganz anderen Basis stehen, denn wir sind kurz davor, den Etat im Vergleich zu damals zu verdoppeln. Das ist eine stolze Entwicklung, die wir vor allem der tollen Arbeit von Marco und Dominik (Marco Striewe und Dominik Meyer, Anm. d. Red.) zu verdanken haben. Doch die Liga hat sich insgesamt weiterentwickelt, so dass einiges von dem zusätzlichen Geld in andere Maßnahmen und Auflagen geht und der Mannschaftsetat nicht in dem Maße gewachsen ist wie das gesamte Budget. Mittelfristig muss ein Millionen-Etat das Ziel sein – wenn wir wirklich mal wieder ernsthaft um den Meistertitel mitspielen wollen. Aber sich immer nur auf den Etat zu konzentrieren, ist zu wenig. Auch die anderen Faktoren sind extrem bedeutend. In der Vergangenheit waren wir nie die Reichsten und haben trotzdem mal den Aufstieg geschafft. Der SCP glänzt auch nicht mit dem höchsten Etat und spielt doch schon wieder eine super Rolle. Eine Mannschaft ist eben mehr als die Summe der Einzelteile.

... das Hallenthema

Zunächst einmal sind wir immer noch begeistert davon, wie viele Fans in dieser Saison trotz der nicht immer begeisternden Leistungen in die Halle gekommen sind. Das lag sicherlich daran, dass wir eine echte und sympathische Mannschaft auf dem Feld hatten, aber auch an der guten Öffentlichkeitsarbeit, der Präsenz in den Sozialen Medien und daran, dass wir uns – Stichwort Catering – auch immer professioneller aufzustellen versuchen, so weit das in dieser Halle machbar ist. Natürlich denke ich oft darüber nach, was möglich wäre, wenn wir eine angemessene Spielstätte hätten. Keine Frage, die Atmosphäre im Sportzentrum ist klasse. Da gibt es kaum eine bessere Halle. Aber die Infrastruktur ist längst nicht mehr zeitgemäß.

In der Politik selbst ist es so, dass eher eine Renovierung ins Auge gefasst wird. Aber es gibt immer noch das eine oder andere Gespräch im Hintergrund, in dem man versucht, andere Lösungen zu finden. Sollten wir – während der Renovierungsarbeiten – für eine gewisse Zeit woanders spielen müssen, möchte ich in Paderborn bleiben. Es muss doch irgendwo eine Halle geben, in der man für ein Jahr ein paar Stahlrohrtribünen und eine Heizung aufstellen kann. Das könnte ich mir eher vorstellen als einen Umzug nach Bielefeld oder anderswo. Ein bisschen was tut sich auch gerade: Über die Stadt wird versucht, aus der Insolvenzmasse in Essen einen mobilen Parkettboden zu erwerben.

... die Nachwuchsarbeit

Das Topniveau von 2011, 2012, als wir zwei Deutsche Meistertitel feiern durften, haben wir im Moment nicht. Es wird ganz schwer, da wieder hinzukommen, aber wir arbeiten dran. Es ist einfach so, dass sich die Konkurrenzsituation massiv verändert hat. Mit dem Internat waren wir vor sieben, acht Jahren so etwas wie der Marktführer. Da gab es zwei, drei ernsthafte Konkurrenzangebote in Deutschland. Und jetzt gibt es um die 20. Um einen Platz im Internat bezahlen zu können, sind wir auf Unterstützung angewiesen. Glücklicherweise haben wir da gerade wieder jemanden gefunden. Daher bin ich optimistisch, dass wir in der Lage sein werden, nach Finn Fleute im vergangenen Jahr erneut einen namhaften Jugendspieler zu verpflichten. Es muss aber einfach wieder regelmäßiger der Fall werden, dass wir Westdeutsche Meisterschaften gewinnen und bei den Deutschen Meisterschaften wieder in den Top4s mitspielen. Unser Profil als ein erfolgreicher Jugendstandort muss geschärft werden. Aber wie gesagt: Die Entwicklung ist in erster Linie nicht der weiterhin guten Arbeit hier, sondern der enorm veränderten Konkurrenzsituation geschuldet.

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