Fr., 27.09.2019

Baskets-Kapitän Ivan Buntic im Interview – mit Video »Wir können mit jedem mithalten«

Baskets-Kapitän Ivan Buntic geht das erste Saisonspiel in Heidelberg mit einer gesunden Portion Optimismus an.

Baskets-Kapitän Ivan Buntic geht das erste Saisonspiel in Heidelberg mit einer gesunden Portion Optimismus an. Foto: Elmar Neumann

Paderborn (WB). Mit einer Woche Verspätung steigen die Uni Baskets an diesem Sonntag, 29. September (17 Uhr), in Heidelberg ins Zweitliga-Geschehen ein. Vor dem ersten Pflichtspielauftritt des neuformierten Teams hat Elmar Neumann mit Kapitän Ivan Buntic (27) gesprochen.

Ivan, bis auf die Uni Baskets haben alle Mannschaften bereits ein Spiel absolviert. Ist es aus Ihrer Sicht ein Vor- oder ein Nachteil, in der 17er-Liga der Spätstarter zu sein?

Ivan Buntic: Wir haben den Vorteil, dass wir uns ansehen konnten, was die anderen Teams am ersten Spieltag gemacht haben. Wir fischen nicht so im Trüben, wie das sonst der Fall ist. In der Preseason spielen die Mannschaften ja nicht mit allen Sets, man hat auch normalerweise noch kein Video vom Gegner. Aus dieser Perspektive hat man also einen kleinen Vorteil, aber andererseits hat unser Gegner Heidelberg den Pluspunkt, bereits ein Spiel absolviert zu haben. Daher denke ich, dass sich das die Waage hält.

 

Heidelberg hat in Ehingen knapp gewonnen. Was für einen Gegner erwarten Sie?

Buntic: Das ist ein grundsolides Team, angeführt von einem Shy Ely, der in Ehingen mit seinen 30 Punkten der alles entscheidende Spieler war. Dazu haben die Heidelberger einen Phillipp Heyden unter dem Korb und ein paar weitere gute Amerikaner. Mit dem Halbfinalisten der vergangenen Saison wird auch diesmal wieder zu rechnen sein.

 

Mit der Partie in Heidelberg beginnt für Sie bereits Ihre sechste Saison im Trikot der Baskets.

Buntic: Ja, eine lange Zeit, aber ich fühle mich in diesem familiären Umfeld einfach mega wohl. Daher habe ich keinerlei Grund gesehen, mich zu verändern und glaube auch nicht, dass ich in absehbarer Zeit einen Grund finden werde, zumal ich jetzt auch noch ein Maschinenbau-Studium hier beginne. Ich finde es super, wie der Verein von meinem ersten Jahr bis heute gewachsen ist. Was nicht nur, aber vor allem Dominik Meyer und Marco Striewe da an Arbeit reinstecken, ist beeindruckend.

 

Sie sind zum zweiten Mal in Folge zum Kapitän gewählt worden. Was bedeutet Ihnen das?

Buntic: Es schmeichelt mir sehr und ist eine Ehre für mich, dass die Mannschaft mich in dieser Position sieht und ich versuche, das Bestmögliche daraus zu machen und voranzugehen. Ich sehe mich gerade abseits des Feldes gefordert und werde für die Jungs da sein, wenn sie ein Problemchen haben, mit dem man nicht direkt zum Trainer rennen muss. Wie gesagt, ich bin das sechste Jahr hier, weiß, wie alles läuft und kann gerade unseren Neuen helfen.

 

Waren Sie schon immer jemand, der vorangegangen ist oder überrascht es Sie, dass Ihre Teamkollegen in Ihnen den idealen Kapitän sehen?

Buntic: Doch, ich mache das schon sehr gerne. Ich bin jetzt von meiner Art her nicht derjenige, der am lautesten ist, sondern beschreibe mich eher als jemanden, der sich erst mal die Lage ansieht und einschätzt, um dann von einem gewissen Zeitpunkt an voranzugehen. Ich war in der Schule einige Male Klassensprecher und hatte auch in den Jugendmannschaften meistens die Kapitänsrolle inne.

 

Nach fünf Jahren unter Uli Naechster heißt der Headcoach der Baskets jetzt Steven Esterkamp. Was ist er für ein Typ?

Buntic: Steven ist ein sehr positiver Typ, ein Gewinnertyp und hat eine sehr gute Mannschaft zusammengestellt. Er ist sehr kommunikativ, ein Mann der klaren Worte, keiner, der um den heißen Brei herumredet. Wenn ihm etwas nicht passt, er etwas geändert haben möchte, dann sagt er dir das sofort. Diese Art mag ich sehr.

 

Spielen die Baskets mit dem neuen Headcoach auch eine etwas andere Art von Basketball?

Buntic: Ja, ich denke schon. Wir versuchen, noch weitaus schneller zu spielen. Wir wissen genau, wer was machen kann, wer was machen soll und versuchen, die Leute in die bestmögliche Position zu bringen. Insgesamt spielen wir sehr mannschaftsdienlich und sind darauf aus, demjenigen, der gerade einen guten Lauf hat, die Bälle zuzuspielen – so wie es in der ersten Hälfte des Testspiels gegen Braunschweig zum Beispiel bei Jackson Trapp war, der allein in den ersten 20 Minuten 24 Punkte erzielt hat. Es könnte aber auch genauso gut Ryan Logan, Thomas Reuter, Kendale McCullum, ich oder irgendein anderer sein. Steven setzt auf Team-Basketball. Damit kann sich jeder von uns gut identifizieren und ich glaube, dass man sich das auch ganz gut anschauen kann

Neben den bereits erwähnten Neuzugängen haben gerade auch die jungen Neuen, Jens Großmann und Henning Ballhausen, in der Vorbereitung einen guten Eindruck gemacht. Sofern man das schon beurteilen kann, scheinen die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt gute Entscheidungen getroffen zu haben.

Buntic: Ja, absolut. Mit Ryan Logan und Thomas Reuter haben wir zwei extrem flexible Jungs für die Drei und die Vier, die auch mal den Ball bringen und die eigentlichen Pointguards Kendale McCullum oder Daniel Mixich entlasten können. Mit Jackson hast du einen, der über einen unglaublich guten Wurf verfügt und dir innerhalb von einer Minute mal drei, vier Dreier reinknallen kann. Kendale ist ein super Einser, verteilt den Ball mega gut und ist unfassbar schnell. Auch unsere jungen Deutschen Henning und Jens machen einen top Job, was auch deshalb wichtig ist, da wir ja zunächst auf Daniel verzichten müssen.

 

Was haben Sie aus den acht Testspielen mitgenommen? Wie war die Entwicklung vom ersten Auftritt gegen Bochum bis zum letzten gegen Braunschweig?

Buntic: Wir haben die Philosophie von Steven mehr und mehr verinnerlicht. Der Prozess ist natürlich noch nicht abgeschlossen, aber wir befinden uns auf einem sehr guten Weg. Außerdem wissen wir, dass wir mit jedem Gegner mithalten können. Wir haben zweimal nur ganz knapp gegen Jena verloren, haben gegen Erstligist Braunschweig sehr lange sehr gut ausgesehen und immerhin Phoenix Hagen zweimal geschlagen. Das stimmt uns zuversichtlich.

 

In den vergangenen vier Jahren waren die Baskets dreimal 13. und werden von Außenstehenden erneut als Kandidat für das untere Tabellendrittel gesehen. Hoffen Sie darauf, eventuell etwas unterschätzt zu werden?

Buntic: Wer uns unterschätzen will, darf das gerne tun. Das kann uns ja nur zugutekommen. Aber unser Ziel ist nicht die untere Tabellenhälfte. Wir wollen um die Play-off-Plätze mitspielen und da sehe ich für uns, wenn wir komplett sind, eine echte Chance.

 

Welche Ziele verfolgen Sie losgelöst von einer Platzierung?

Buntic: Ich will einfach so oft wie möglich gewinnen und meinen Teil dazu beitragen. Wir haben in der vergangenen Saison so viele Spiele knapp verloren, dass da noch eine enorme Portion an Nachholbedarf besteht.

 

Das gilt vor allem für die Heimspiele?

Buntic: Keine Frage, die Mas­pernhölle soll wieder zu einer Festung werden. Dabei zählen wir natürlich auch wieder auf unsere Fans als sechsten Mann. Das Testspiel gegen Braunschweig war für unsere Neuen ein guter Vorgeschmack auf das, was sie in Paderborn an Unterstützung erwarten dürfen. Ehrlich gesagt, habe aber auch ich es noch nicht erlebt, dass man zur Halbzeit eines Testspiels mit so viel Applaus in die Kabine verabschiedet wird. Das war ein cooles Gefühl und lässt uns alle mit riesiger Vorfreude auf das erste Heimspiel, das ja gleich das Derby gegen Hagen ist, hinfiebern.

 

Welche Mannschaften erwarten Sie in der Tabelle ganz oben?

Buntic: Vor allem Chemnitz, Jena und Rostock, aber die Ergebnisse des ersten Spieltags haben gezeigt, dass die Liga wieder extrem ausgeglichen ist und nahezu jeder jeder schlagen kann.

 

Die ProA spielt mit 17 Teams, da Nürnberg die BBL-Lizenz verweigert wurde. Die Anforderungen, die erfüllt werden müssen, um in der ersten Liga auflaufen zu dürfen, wachsen und wachsen. Wie stehen Sie zu der Entwicklung?

Buntic: Die BBL möchte sich ja ohnehin auf 16 Mannschaften verkleinern und da kamen den Verantwortlichen Nürnbergs Probleme nicht ganz ungelegen. Ich finde, der sportliche Unterschied zwischen der ProA und der BBL ist nicht so groß wie der finanzielle beziehungsweise wirtschaftliche. Dass in Sachen Halle gewisse Standards erfüllt werden müssen, ist für mich nachvollziehbar. Nicht zuletzt die Telekom möchte ihren Kunden bei den Liveübertragungen schließlich ein gewisses Niveau bieten. Dass trotzdem auch kleine Vereine eine gute Rolle spielen können, hat doch erst in der vergangenen Saison Vechta gezeigt, das es mit einem Minibudget bis ins Halbfinale geschafft hat. Das war ein gutes Beispiel dafür, dass Geld keine Körbe wirft.

 

Ist das auch ein gutes Beispiel für die Uni Baskets, die in der ProA zu den Mannschaften mit den kleinsten Etats zählen?

Buntic: Ja klar. In der ProA gab es im letzten Jahr mit Ehingen ein ähnliches Beispiel. Wenn alles passt und du verletzungsfrei durch die Saison kommst, ist vieles drin. Natürlich geht es auch ums Geld, aber am Ende bleibt es Sport und da kann immer alles passieren.

 

Glauben Sie, die Baskets müssen sich auch irgendwann wieder mit den BBL-Vorgaben beschäftigen?

Buntic: (lacht) Ich hoffe es. Aber ich glaube, die Verantwortlichen machen es genau richtig, sie gehen Step by Step vor. Das läuft hier mega professionell und das in einem sehr familiären Rahmen. Das macht das Spielen und Leben auch für mich so angenehm.

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