Uni-Baskets-Headcoach Steven Esterkamp hat viel Zeit für die Familie
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Paderborn (WB). Nein, die Corona-Krise hat nicht nur schlechte Seiten. Zwar war auch Steven Esterkamp extrem enttäuscht, als die ProA-Saison Mitte März vorzeitig für beendet erklärt und sein Team, die Uni Baskets, um die große Play-off-Chance gebracht wurde, aber die Zeit, die ihm der Abbruch beschert hat, möchte der Coach des Zweitligisten nicht missen.

Mittwoch, 06.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 05:04 Uhr
Familienidylle vor den Toren Ulms: Constanze und Steven Esterkamp mit ihren beiden Söhnen Maximilian (5/links) und Leonard (3). Foto:
Familienidylle vor den Toren Ulms: Constanze und Steven Esterkamp mit ihren beiden Söhnen Maximilian (5/links) und Leonard (3).

Der 39-Jährige ist bekanntlich nicht nur Trainer, sondern allem voran zweifacher Familienvater und in dieser Rolle hat er die vergangenen Wochen in den tiefsten Zügen auf sich wirken lassen. „Wir sind gesund und glücklich. Ich finde die Zeit mit den Kindern und der Familie großartig. Ich genieße das umso mehr, weil ich weiß, dass es so etwas so schnell nicht wieder geben wird“, sagt Esterkamp. Statt sich in der Paderborner Wohnung ohne Garten und Balkon die Decke auf den Kopf fallen zu lassen, zog es die Esterkamps zügig nach Ulm, die Heimatstadt seiner Frau Constanze und die ehemalige Wirkungsstätte des BBL-Profis Steven Esterkamp. Das Haus seines Schwiegervaters bot genug Platz, um es sich dort mit den beiden Söhnen Maximilian (5) und Leonard (3) gutgehen zu lassen. „Wir haben alles gemacht, was uns eingefallen ist. In dem Garten steht ein Trampolin, aber wir haben da auch Basketball, Golf oder Baseball gespielt. Das war auch mal ein bisschen anstrengend, aber vor allem ein großer Spaß. Und noch scheine ich den Kids nicht auf die Nerven zu gehen“, sagt Esterkamp.

Wir haben alles gemacht, was uns eingefallen ist.

Steven Esterkamp

Der US-Amerikaner steht natürlich auch mit seinen Angehörigen in Cincinnati, Chicago und Columbus, den Geschwistern Sarah, Diana und David, in enger Verbindung, vergewissert sich regelmäßig, dass bei ihnen ebenfalls alles in Ordnung ist. Das, was US-Präsident Donald Trump seinen Landsleuten an kruden Gedanken mitteilen zu müssen meint, überhört der Mann aus Ohio aber so gut es eben geht: „Das ist schlimm. Sich damit zu beschäftigen, ist pure Zeitverschwendung. Ich kann nur sagen, dass ich sehr froh bin, in dieser Zeit mit meiner Frau und den Kindern in Deutschland zu sein.“

Hier spielt Esterkamp nicht nur mit seinen Jungs Basketball, sondern geht auch Abend für Abend seinem Beruf nach. Täglich etwa eineinhalb Stunden zieht er sich zurück, um aus den Spielen der verkürzten Saison Sequenzen zusammenzuschneiden, die veranschaulichen, was besser hätte laufen können: „Da geht es darum, was die Mannschaft nicht so gut gemacht hat, aber auch darum, was ich hätte besser machen können.“ Wann das Gelernte umgesetzt werden kann, ist noch offen. Seit Sonntagabend sind die Esterkamps zurück in Paderborn. Der Cheftrainer der Uni Baskets hofft, kurzfristig wieder mit Individualtraining beginnen zu können. Spieler wie Ivan Buntic, Demetrius Ward, Jens Großmann oder Nachwuchstalent Peter Hemschemeier sind vor Ort und wären sicherlich sehr gerne bereit, mit ihrem Coach auf das Parkett zurückzukehren.

Am 8. März stand Steven Esterkamp letztmals an der Seitenlinie. Wenig später wurde die ProA-Saison abgebrochen.

Am 8. März stand Steven Esterkamp letztmals an der Seitenlinie. Wenig später wurde die ProA-Saison abgebrochen. Foto: Elmar Neumann

Sicher ist, dass der frühere Flügelspieler nach der Rückkehr aus Ulm zahlreiche Gespräche führen wird, in denen es um die Personalplanung der kommenden ProA-Serie 2020/2021 geht. Kapitän Ivan Buntic und Jens Großmann sind weiterhin an den Tabellensechsten der abgebrochenen Saison gebunden. Die Option auf eine Vertragsverlängerung mit Henning Ballhausen wurde nicht gezogen. Beiderseitiges Interesse ist da, doch man hat sich darauf geeinigt, Geschäftsführer Dominik Meyer zunächst das neue Budget auf die Beine stellen zu lassen und Ballhausen dann ein überarbeitetes Angebot zu unterbreiten. Wie bei dem Shooting Guard sieht Esterkamp auch bei Pointguard Demetrius Ward sehr gute Chancen auf eine weitere Zusammenarbeit: „Dimi hat gesagt, dass er gerne bleiben will. Ihm gefällt es hier.“

McCullum, Logan und Trapp auf BBL-Kurs

Am liebsten hielte der Headcoach auch den kompletten Rest des begeisternden Teams beisammen, doch in drei Fällen macht er sich kaum Hoffnung, den jeweiligen Leistungsträger zu einer Verlängerung bewegen zu können: „Bei Kendale McCullum , Ryan Logan und Jackson Trapp dürfte es sehr schwierig werden. Bei allen dreien geht die Tendenz in Richtung BBL, das kann ich auch vollkommen nachvollziehen.“ McCullum (18,3 Punkte, 7,1 Assists, 5,5 Rebounds), Trapp (14,1 Punkte, 87 verwandelte Dreier in 27 Spielen) und Logan (12,9 Punkte, 5,9 Rebounds, 3,8 Assists) waren die regelmäßig herausragenden Kräfte in einem glänzenden Kollektiv und haben sich für anspruchsvollere Aufgaben empfohlen. „Was Kendale geleistet hat, wissen wir alle. Jackson ist schnell, schlau und war der beste Dreierschütze der Liga. Ryans Allrounder-Qualitäten sind für einen Vierer einzigartig. Jetzt wollen sie den nächsten Schritt machen, höher spielen, mehr Geld verdienen. Das ist total normal“, sagt Esterkamp. Dieses Trio hat sich interessant gemacht, macht mit den sich bietenden Möglichkeiten aber auch die Baskets interessant für potenzielle Nachfolger. „Die drei Beispiele zeigen, dass wir ein Verein sind, bei dem man sich super weiterentwickeln, sich einen Namen machen kann“, sagt der Trainer. Nichtsdestoweniger fände er es sehr traurig, sollte er diese drei Protagonisten einer in vielerlei Hinsicht denkwürdigen Paderborner ProA-Serie weiterziehen lassen müssen. Doch danach sieht es aus.

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