Der bisherige Baskets-Center Martin Seiferth spricht über sein frühes Karriereende
„Viele werden überrascht sein“

Paderborn (WB). Die Uni Baskets hätten ihn nur zu gerne behalten, auch an Angeboten anderer Clubs dürfte es nach den überzeugenden Leistungen in der vergangenen ProA-Saison nicht gemangelt haben – aber Martin Seiferth hat sich weder für eine Vertragsverlängerung noch für einen Wechsel entschieden. Der Mann mit dem Faible für krachende Dunks beendet seine Karriere als Basketball-Profi. Mit 29 Jahren. Nach zehn Jahren – vier in den USA und sechs in den beiden höchsten deutschen Ligen – ist Schluss. Elmar Neumann hat sich mit dem gebürtigen Berliner über diese erstaunliche Entwicklung unterhalten.

Freitag, 05.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 05:02 Uhr
Nach zwei Jahren verlässt Martin Seiferth (Zweiter von rechts) die Uni Baskets. Mit 29 Jahren beendet er seine Karriere und kehrt zurück in seine Heimatstadt Berlin. Foto: Elmar Neumann
Nach zwei Jahren verlässt Martin Seiferth (Zweiter von rechts) die Uni Baskets. Mit 29 Jahren beendet er seine Karriere und kehrt zurück in seine Heimatstadt Berlin. Foto: Elmar Neumann

 

Herr Seiferth, statt mit den Uni Baskets in eine dritte Saison zu gehen oder sich einem anderen Profiteam anzuschließen, haben Sie sich entschieden, Ihre Karriere zu beenden und in Ihre Heimatstadt Berlin zurückzukehren – warum?

Martin Seiferth: Ich habe diesen Gedanken schon etwas länger mit mir herumgetragen. Dass ich irgendwann nach Berlin zurückgehen wollte, war ohnehin klar und jetzt hat das Timing einfach perfekt gepasst. Zum einen ist da mein Job bei Dixeno (eCommerce-Agentur mit Standorten in Paderborn, Neheim, Hamburg und Berlin; Anm. d Red.), den mir die Baskets vermittelt haben. Ich habe mein Trainee-Jahr in Paderborn mit 20 Stunden pro Woche begonnen und kann jetzt in Berlin 40 Stunden arbeiten. Das Trainee-Jahr läuft noch bis Ende Juni und anschließend habe ich gute Aussichten, direkt übernommen zu werden. Zum anderen habe ich mit meiner Freundin Lena, die ich während meiner einen Saison in Heidelberg kennengelernt habe, in den vergangenen beiden Jahren eine Fernbeziehung geführt. Jetzt konnten wir in Berlin endlich zusammenziehen und ich freue mich auf einen neuen, spannenden Lebensabschnitt.

 

Erinnern Sie sich daran, wann Sie sich zum ersten Mal Gedanken über Ihr Karriereende gemacht haben?

Seiferth: Das ist schwer zu sagen, da kann ich nicht den einen Zeitpunkt nennen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr mit vollem Herzen dabei bin. Dieses Gefühl hat sich immer weiter aufgebaut. Natürlich hat es zwischendurch auch mal wieder ein bisschen mehr Spaß gemacht, aber häufig eben weniger und alles in allem bin ich jetzt sehr zufrieden mit meiner Entscheidung.

 

Im Verlauf der vergangenen Saison war Ihnen allerdings zu keinem Zeitpunkt anzumerken, dass Ihnen der Spaß am Zweitliga-Basketball abhanden gekommen sein könnte.

Seiferth: Nein, die Spiele haben mir auch immer sehr viel Spaß gemacht. Nur das Training war sehr schlauchend. Ja, ich weiß natürlich, dass das dazu gehört und ich habe das ja auch jahrelang durchgezogen, doch die Lust darauf ist immer geringer geworden und eben deshalb habe ich mich dann irgendwann dazu entschieden, meine Karriere zu beenden.

 

Im Alter von 29 Jahren – ist das nicht relativ früh?

Seiferth: Ach, ja. Es gibt welche, die hören früher auf und welche, die später Schluss machen. Ich schätze, dass viele überrascht sein werden, dass ich relativ früh aufgehört habe, aber es ist ja nicht so, dass ich nie wieder Basketball spiele. Ich werde weitermachen – nur nicht mehr auf ProA-Niveau.

 

Sie fahren also nicht von Hundert auf Null runter, sondern werden sich im Raum Berlin einen anderen Verein suchen?

Seiferth: Momentan konzen-triere ich mich erst einmal auf meinen Job, aber dann schaue ich irgendwann mal, wie groß meine Lust ist, wieder zu spielen und was zu mir passen könnte. Ein paar Teams hier aus der Gegend haben sich schon gemeldet, aber ich weiß noch nicht, was ich mache.

 

Was macht Berlin für Sie so lebenswert?

Seiferth: Berlin ist die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Hier kenne ich viele Leute. Hier ist immer was los. Das kann vielleicht nicht jeder verstehen, aber allein dadurch, dass es meine Heimatstadt ist, ist es für mich natürlich etwas ganz Besonderes. Und zudem tun sich in einer solchen Stadt auch beruflich viele Chancen auf.

 

Haben die Baskets versucht, Sie umzustimmen oder haben die Verantwortlichen sofort erkannt, dass das aussichtslos ist?

Seiferth: Wir haben einige Gespräche geführt. Sie haben schon noch einmal versucht, mich umzustimmen, aber auch schnell erkannt, dass ich mir das gut überlegt und meine Entscheidung alles andere als spontan getroffen habe. Von da an haben sie mich auch bei dieser Entscheidung unterstützt, mir ihren Segen gegeben.

 

Ihr letztes Heimspiel war damit der spektakuläre Sieg gegen Ihren zuvor 22-mal in Serie unbezwungenen Ex-Club Chemnitz. Damals war das noch nicht zu erahnen, aber würden Sie rückblickend – unter diesen ganz speziellen Umständen – vom perfekten Abschiedsspiel sprechen?

Seiferth: Ja. Das kann man schon so sagen. Das war ein geiles Spiel. Die Stimmung war mal wieder 1a in der Maspernhalle. Ja, das war schon ein schönes Abschiedsgeschenk oder, besser gesagt, Abschiedsspiel für mich.

 

Gibt es noch eine andere Art des Abschieds?

Seiferth: Ich habe überlegt, ob ich den typischen Instagram-Post verfasse, aber ich werde ja definitiv nicht zum letzten Mal in Paderborn gewesen sein.  Ich werde mir sicherlich ein paar Spiele angucken und die Jungs um Daniel, Ivan (Daniel Mixich und Ivan Buntic, Anm. d. Red.) und Co. kräftig unterstützen.

 

Sie haben mit den Uni Baskets den starken sechsten Platz belegt, sind durch den Saisonabbruch aber um die greifbare Play-off-Teilnahme gebracht worden. Wie groß war die Enttäuschung?

Seiferth: Das fand ich schon sehr, sehr schade. Ich hätte richtig Lust gehabt, mal wieder Play-off-Basketball nach Paderborn zu holen. Doch es hat halt nicht sollen sein. Aber ich schätze, die Baskets werden auch in der nächsten Saison ein starkes Team haben und einen neuen, hoffentlich erfolgreichen Angriff starten, der nicht vom Coronavirus gestoppt wird.

 

Wie fällt Ihre Bilanz nach zwei Jahren bei den Uni Baskets aus?

Seiferth: Ich hatte eine super Zeit. Paderborn ist für mich eine Art zweite Heimat geworden. Das ganze Umfeld hat mir mega gefallen. Ich kann nur in den höchsten Tönen von Paderborn sprechen.

 

Wenn Sie darüber nachdenken, was Sie sich als Jugendlicher erträumt haben, wie nah dran war Ihre Basketball-Karriere dann an den damaligen Vorstellungen?

Seiferth: Die war durchaus nah dran. Klar, ich hätte mir natürlich etwas mehr Zeit in der 1. Liga gewünscht, aber ich kann mich trotzdem nicht beschweren. Ich habe tolle Leute kennengelernt, viele verschiedene Städte gesehen und bin daher durchaus zufrieden.

 

Ihr gut ein Jahr älterer Bruder Andreas hat bislang 287 BBL-Spiele absolviert und 46-mal für Deutschland gespielt. Wenn Sie auf seine Zwischenbilanz schauen, sind Sie dann vor allem stolz auf ihn oder haben Sie sich auch mal gefragt: Warum bin ich nicht ganz so weit gekommen?

Seiferth: Ich bin sehr stolz auf meinen Bruder und auf das, was er erreicht hat. Es war nie so, dass ich versucht hätte, unbedingt auf seinen Level zu kommen. Ich habe eigentlich nie darüber nachgedacht, warum ich nicht so weit gekommen bin. Ich bin froh über das, was ich erreicht habe und da kann ich auch stolz drauf sein.

 

Sie werden auch mit ihm frühzeitig darüber gesprochen haben, dass Sie Ihre Karriere beenden wollen.

Seiferth: Natürlich. Er war auch ein bisschen überrascht, als ich ihm zum ersten Mal von meinen Gedanken und meinen Plänen erzählt habe, aber auch er unterstützt mich da zu 100 Prozent. Da gab es keine großen Diskussionen.

 

Sie waren in den zwei Jahren bei den Uni Baskets der Mann fürs Spektakel. Sehen Sie irgendjemanden, der Ihr Erbe antreten könnte? Haben Sie vielleicht Ihrem ehemaligen Centerkollegen Ivan Buntic schon einen Fluglehrer besorgt?

Seiferth: (lacht) Tja, es ist natürlich die Frage, wer bei den Baskets bleibt, grundsätzlich kann ich mir jedoch vorstellen, dass Ryan (Logan, Anm. d. Red.) ein paar spektakuläre Szenen raushauen könnte. Ich bin allerdings auch gespannt, wer meine Position einnehmen wird und wer noch kommt. Aber ich bin sicher, dass Steve (Esterkamp, Anm. d. Red.) für guten Nachschub sorgt. Und zu Ivan: Der ist einfach ein grundsolider Typ, der bleibt bei seinen Post Moves und hat solche Flugeinlagen doch gar nicht nötig. (lacht)

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