Jens Großmann ist bei den Uni Baskets jetzt als Big Man gefragt
Plötzlich Center

Paderborn (WB). Auch wenn der Nachname auf einen anderen Arbeitsplatz schließen lassen könnte, so ist Jens Großmann auf dem Basketballfeld eigentlich nicht da zu Hause, wo sich die gerne ganz großen Jungs, die Big Men, am wohlsten fühlen. Ein kräftiger Fünfer, wie man ihn aus dem Lehrbuch kennt, hat andere Maße als die 2,04 Meter und 98 Kilogramm, die in den Daten des 20-Jährigen zu finden sind. Und doch muss der Physik-Student in Diensten der Uni Baskets nun umschulen, geht’s von der Flügelposition unters Brett.

Donnerstag, 05.11.2020, 20:01 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 20:04 Uhr
Große Gegner für Jens Großmann: Hier duelliert sich der Interimscenter der Uni Baskets mit Tübingens 2,15-Meter-Mann Enosch Wolf. Foto: ULMER Pressebildagentur
Große Gegner für Jens Großmann: Hier duelliert sich der Interimscenter der Uni Baskets mit Tübingens 2,15-Meter-Mann Enosch Wolf. Foto: ULMER Pressebildagentur

Der langfristige Ausfall von Tom Alte, der im Training einen Mittelhandbruch erlitten hat, macht den Umzug unausweichlich. Für die nächsten Wochen heißen die beiden Paderborner Center Ivan Buntic – und: Jens Großmann. Seine Premiere in der ungewohnten Umgebung feierte der bisherige Small Forward bei der bitteren 101:103-Niederlage in Tübingen am vergangenen Spieltag. Nun warten innerhalb von drei Tagen die beiden nächsten Herausforderungen: Am Freitagabend (20 Uhr) gastiert das hoch eingeschätzte Team von Science City Jena im Sportzentrum Maspernplatz. Am Sonntag (17 Uhr) werden die Uni Baskets von den Artland Dragons erwartet.

Da ist man mittendrin im Getümmel.

Jens Großmann

Aber ob Jena mit Julius Wolf, dem Letten Andrew Smith und Robin Lodders in unmittelbarer Korbnähe oder Quakenbrück mit dem Ex-Paderborner Robert Oehle – die Namen der Gegner und der Gegenspieler sind Großmann fürs Erste egal. Er konzentriert sich zunächst darauf, seinem überarbeiteten Anforderungsprofil gerecht zu werden. „Wir spielen ja eigentlich immer mit vier Guards. Ob man dann auf der Drei oder der Vier eingesetzt wird, ist nicht so entscheidend, aber der Unterschied zur Fünf ist schon extrem. Da ist man mittendrin im Getümmel, werden andere Bewegungen, wird eine andere Spielweise benötigt.“ Diese These sah Großmann in Tübingen sogleich bestätigt. Zahlenmäßig hielt sich sein Input in den 15:31 Minuten Einsatzzeit in überschaubaren Grenzen, für ein Lob seines Trainers reichte die Debüt-Darbietung trotzdem. „Jens hat das für sein allererstes Spiel auf dieser Position super gemacht. Man hat gesehen, dass er ein sehr schlauer Spieler ist. Es ist eine schwierige Aufgabe, aber er hat alles gegeben und ich war wirklich stolz auf ihn“, sagte Esterkamp.

Vier Kilogramm Muskelmasse zugelegt

Das hört Großmann gerne, aber wie Esterkamp weiß logischerweise auch er selbst, dass der Weg zu einem bemerkenswerten Brettspieler ein weiter ist: „Vor allem in der Verteidigung ist das ein echt harter Job. Es gibt zwar viele Center, die nicht viel größer sind als ich, doch von der Kraft her sind sie weiter als ich.“ Da trifft es sich gut, dass der junge Mann mit der Trikotnummer 13 bereits vor zwei Jahren damit begonnen hat, an Muskelmasse zuzulegen. Allein im vergangenen Sommer hat Großmann vier Kilogramm draufgepackt, mehr gegessen, Proteinshakes getrunken. Aber was immer er auch mit seinem Ernährungsplan veranstaltet – dem routinierten Trainingsgast der Uni Baskets wird er nie zum Verwechseln ähnlich sehen: „Big“ John Bryant war schon mal weniger leicht, bringt bei seinen 2,11 Metern aber immer noch 127 Kilo auf die Waage.

Tipps vom zweimaligen BBL-MVP

Der 33-Jährige – 2012 mit Ulm (und seinem Kumpel Steven Esterkamp) Vizemeister und 2014 mit den Bayern Meister – hält sich auf der Suche nach einem neuen Verein bekanntlich bei den Uni Baskets fit. Der zweimalige BBL-MVP findet dabei aber auch genügend Zeit, um seinen Paderborner Pendants einige Tipps zu geben. „Am Anfang dachte ich, dass er ja eine andere Position spielt als ich, aber jetzt hat sich meine Sichtweise geändert“, sagt Großmann und lacht. Nun hört und sieht er ganz genau hin, wenn der Deutsch-Amerikaner seine Erfahrung ausspielt: „Ich kann extrem viel von ihm lernen. Dabei geht es um ganz viele Kleinigkeiten bei seinen Bewegungen, bei seinem Timing: Wann gehe ich direkt zum Korb hoch? Wann täusche ich besser noch mal an? Davon kann ich definitiv profitieren.“

Nicht zu viel Druck machen

Bei allem Ehrgeiz, seinem Team auch in der neuen Rolle so viel wie möglich helfen zu wollen, setzt sich der langjährige Hamburger aber nicht zu sehr unter Druck. Nachdem er in der Vorsaison aufgrund eines knöchernen Abrisses des Syndesmosebandes monatelang hatte pausieren müssen, hat er in dieser noch jungen Spielzeit schon einen Muskelfaserriss überstanden, große Teile der Vorbereitung und das erste Ligaspiel verpasst. Jetzt ist er zurück und plötzlich Center. „Tübingen war mein zweiter Einsatz nach der Verletzung und das dann noch auf einer ungewohnten Position. Da darf ich nicht überrascht sein, wenn es nicht gleich 100-prozentig läuft“, sagt der neue Big Man Großmann.

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