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Mi., 25.02.2015

Referat: Anwalt und Sportrechtler informiert Funktionäre im Kreishaus Adloff warnt: »Auch das Ehrenamt verpflichtet« 

Großes Interesse im Kreishaus: Etwa 100 Vertreter von Verbänden und Vereinen sind zum Informationsabend gekommen. Darunter auch Horst Herrmann, Vorsitzender des Vereins Leben Vital, der Fußball-Kreisvorsitzende Markus Bierbaum, KSB-Schatzmeister Wolfgang Flüshöh (vorne von links), KSB Vorsitzender Dieter Steffen (3. von rechts) und Ralf Wojahn vom Kreissportamt (2. von rechts).

Großes Interesse im Kreishaus: Etwa 100 Vertreter von Verbänden und Vereinen sind zum Informationsabend gekommen. Darunter auch Horst Herrmann, Vorsitzender des Vereins Leben Vital, der Fußball-Kreisvorsitzende Markus Bierbaum, KSB-Schatzmeister Wolfgang Flüshöh (vorne von links), KSB Vorsitzender Dieter Steffen (3. von rechts) und Ralf Wojahn vom Kreissportamt (2. von rechts).

Von Benedikt Paweltzik

Herford (HK). Das im Januar gefällte Urteil gegen einen Jugendfußball-Trainer aus Augustdorf hat für große Diskussionen und Verunsicherung in den Vereinen gesorgt. Durch den Rechtsspruch sehen viele Funktionäre das Ehrenamt in Gefahr. Dass sie sich von dem Urteil jedoch nicht abschrecken lassen sollten, wurde am Montagabend in einem Informationsabend deutlich.

 Dazu hatte der Kreissportbund (KSB) den Rechtsanwalt Dr. Thomas Adloff ins Herforder Kreishaus eingeladen. Der Paderborner Justiziar, früher Vorsitzender des KSB Paderborn, ist auf Sportrecht spezialisiert und vertritt Vereine, gegen die zivilrechtlich geklagt wird. In seinem Vortrag klärte Adloff die etwa 100 anwesenden Funktionäre, Trainer und Übungsleiter über den Rechtsschutz für Sportgemeinschaften auf.

 Er stellte klar, dass jeder grundlegend durch die von der Sporthilfe zur Verfügung gestellte Sportversicherung abgesichert ist. Diese beinhaltet neben einer Rechtsschutz- auch eine Haftpflichtversicherung. »Kommt es zur Klage, erhält man sofort einen Verteidiger zur Seite gestellt«, erklärte der Referent. Zwar übernehme die Versicherung keine Strafen, man habe aber professionellen Schutz.

 Trotz der Basisabsicherung stehe laut Dr. Thomas Adloff jeder Verantwortliche weiterhin vor dem Problem, zivilrechtlich belangt zu werden. Dieses Szenario droht auch dem Augustdorfer Trainer noch, der vom Amtsgericht Detmold wie mehrfach berichtet wegen fahrlässiger Körperverletzung schuldig gesprochen wurde. Die Eltern des schwer verletzten Elfjährigen wollen ihn zudem auf Schmerzensgeld verklagen. Dem Nachwuchsfußballer war während eines Hallenturniers in einer unbeaufsichtigten Nebenhalle ein Tor auf den Kopf gefallen.

 Wie selten solche zivilrechtlichen Verfahren gegen einzelne Personen allerdings sind, machte der Paderborner Anwalt deutlich. In seiner zehnjährigen Tätigkeit als Verteidiger in sportrechtlichen Verfahren habe er es erst einmal erlebt, dass ein Trainer verklagt worden ist. »Und dabei handelte es sich um einen professionellen Reitlehrer«, sagte Adloff.

 Dennoch wies Adloff explizit darauf hin, bestimmte Sportanlagen vor dem Training gesondert auf Gefahren zu überprüfen. Vor allem vor Einheiten, an denen Kinder und Jugendliche teilnehmen, sei das wichtig. Denn: »Auch das Ehrenamt verpflichtet zu professionellem Verhalten.« Adloff machte darüber hinaus klar, dass auch Eltern mehr mit einbezogen werden müssten. Man müsse es schaffen, dass »die Elternverantwortung nicht an der Garderobe abgegeben wird.«

 Dass die Verunsicherung dennoch groß ist, zeigten am Montagabend die vielen Nachfragen im Anschluss an das Referat. Wolfgang Flüslöh, Schatzmeister im KSB Herford, wollte noch einmal genau wissen, wie es sich mit dem persönlichen Risiko im Falle einer zivilrechtlichen Klage verhält. Adloff verwies darauf, dass die strafrechtliche Komponente »sehr, sehr selten« sei. »Im Regelfall sehen die Eltern ein, dass Unfälle immer mal vorkommen können.«

 Eine Frage bezüglich der Aufsichtspflicht von Kindern und Jugendlichen stellte Horst Herrmann. Den Vorsitzenden des Vereins »Leben Vital« interessierte, wie diese klar definiert werden könne. Dazu empfiehlt Dr. Thomas Adloff allen Übungsleitern und Trainern, Uhrzeiten und Ort schriftlich genau festzuhalten, um auf der sicheren Seite zu sein.

 Weitere Fragen werden am nächsten Montag im Kreishaus erörtert. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es einen zweiten Informationsabend. Mehr als 60 Anmeldungen liegen schon vor.

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