Fr., 26.10.2018

Regionalligist SV Rödinghausen freut sich im DFB-Pokal auf den FC Bayern Ein Fußballmärchen

Rödinghauser Pokalwahnsinn: Daniel Flottmann, Franz Pfanne, Fabian Kunze und Azur Velagic (von links) bejubeln einen Treffer beim 3:2 gegen Dresden.

Rödinghauser Pokalwahnsinn: Daniel Flottmann, Franz Pfanne, Fabian Kunze und Azur Velagic (von links) bejubeln einen Treffer beim 3:2 gegen Dresden. Foto: Oliver Schwabe

Von Lars Krückemeyer

Rödinghausen (WB). Im Jahr 2010 hießen die Gegner noch TuS Bruchmühlen, TuS Hunnebrock und Rot-Weiß Dreyen. Doch beim Fußballregionalligisten SV Rödinghausen ist schon lange nichts mehr wie damals. Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München am kommenden Dienstag in Osnabrück (20.45 Uhr) wird der Höhepunkt der Erfolgsgeschichte.

Nonstop aus der Kreisliga A in die 4. Liga: Das ist dem Verein mit fünf Aufstiegen in Folge bis 2014 gelungen. Die Spieler sind jetzt Profis, keine Amateure mehr. Der Erfolg ist bis heute eng mit Ex-Trainer Mario Ermisch (60/heute beim Landesligisten VfB Fichte Bielefeld) verbunden. Freilich gelang das nicht zufällig, denn das Fußballmärchen des Dorfvereins aus dem Kreis Herford war geplant und wurde dank des Mäzens Horst Finkemeier wahr.

Der Hauptsponsor und Seniorchef der Firma Häcker Küchen mit Sitz in der Gemeinde Rödinghausen hat kräftig investiert – in Spieler und Steine. Denn außer regelmäßig neuem Personal spendierte der 79-Jährige dem Klub auch eine neue Spielstätte. Das moderne Häcker-Wiehenstadion wurde 2010 errichtet, die Kapazität vier Jahre später auf etwa 3000 Plätze erweitert. Direkt gegenüber hat der Gönner auch noch einen neuen Kunstrasenplatz bauen lassen – alles zusammen ein Millionenaufwand.

»Ich tue das gerne für Rödinghausen, ich bin ein Patriot«

»Ich tue das gerne für Rödinghausen, ich bin ein Patriot«, sagte Finkemeier bei der Einweihung des Stadions. Zwar ist er oft bei den Spielen dabei, hält sich aber in der Öffentlichkeit mit Einschätzungen und Stellungnahmen zum Sportlichen und Finanziellen her­aus. Das Wort des Unternehmers hat bei wichtigen Entscheidungen trotzdem große Bedeutung, berichten Insider.

Zur Vereinsphilosophie gehört aber auch eine gute Nachwuchsförderung. Die A-Jugend schaffte im Sommer den Aufstieg in die Bundesliga, und die U23-Mannschaft (Tabellenführer der Westfalenliga) dient als Sprungbrett in den Regionalligakader. Einige Spieler haben es längt geschafft, zum Beispiel Maximilian Hippe (20). Der kurz vorher eingewechselte Abwehrspieler machte mit seinem 3:2-Siegtreffer in der ersten Runde gegen Zweitligist Dynamo Dresden in der Nachspielzeit der Verlängerung das Spiel gegen die Bayern erst möglich.

Millionen Fans werden an den TV-Geräten zuschauen

Sicher wird auch Horst Finkemeier den großen Pokalrummel um den 1970 aus dem VfR Bieren und SV Schwenningdorf zusammengeschweißten SV Rödinghausen genießen. Von einem Pflichtspiel gegen Bayern München hätte der gebürtige Rödinghauser trotz seiner gleichermaßen hohen Investitionen und Ansprüche zu Projektbeginn wohl nicht geträumt. Seit Tagen werden Interview-, Foto- und Filmwünsche von Medien aus ganz Deutschland erfüllt. Und weil außer dem Bezahlsender Sky auch die ARD das Spiel live überträgt , werden Millionen Fußballfans zuschauen.

Ein enger Vertrauter Finkemeiers und Mann der ersten Stunde des Rödinghauser Aufschwungs ist René Werderz. 2010 gehörte er als Torwart zur Mannschaft, die mit 28 Punkten Vorsprung Kreismeister wurde. Heute kümmert er sich als Teamkoordinator um den Regionalligisten und organisiert die Pressetermine. Der 44-Jährige erinnert sich noch genau, wie die neue Zeitrechnung beim SV Rödinghausen begann: »Herr Finkemeier hat bei einem Nachwuchsspiel gesehen, dass sein Enkel ein Loch im Stutzen hatte. Da hat er beschlossen, etwas für den Fußball in Rödinghausen zu tun.«

Rödinghausen nicht das »kleine Bayern« der Regionalliga

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Doch wo Erfolg ist, sind auch Neider – das ist beim SV Rödinghausen nicht anders. Gerne spricht die Regionalligakonkurrenz vom »kleinen FC Bayern«. Das können sie beim Überflieger aus Ostwestfalen schon lange nicht mehr hören und geben hartnäckig kontra: »Das stimmt nicht. Andere Vereine sind finanziell und personell sehr viel besser aufgestellt«, sagt Trainer Enrico Maaßen und verweist auf Klubs wie den Tabellenführer Viktoria Köln.

Der 34-Jährige ist seit dieser Saison hauptamtlicher Trainer beim SV Rödinghausen, er erhielt einen Dreijahresvertrag. Wie man im Pokal weit kommt, weiß der gebürtige Wismaraner. Mit dem Nord-Regionalligisten Drochtersen-Assel erreichte er 2017 die erste Pokalrunde gegen Gladbach (0:1) und führte seinen Ex-Verein 2018 erneut in den Wettbewerb. Verpasste Maaßen nach seinem Wechsel nach Rödinghausen das Spiel gegen den FC Bayern (0:1), so schließt sich nun der Kreis für ihn. »Es ist das bestmögliche Los«, dankte der Trainer der Losfee. Auf Maaßen wartet allerdings noch eine unangenehme Aufgabel: »Ich werde die ärmste Sau sein, wenn ich in die traurigen Gesichter der nicht nominierten Spieler gucke.«

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