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Do., 23.10.2014

Maik Twelsiek blickt auf den Hawaii Ironman zurück – Crash gefährdet den Start  »Ich habe noch Potenzial« 

Wahnsinns-Vorstellung beim Jahreshöhepunkt: Maik Twelsiek hat beim Hawaii Ironman auf dem Rad eine Weltklasse-Leistung gezeigt. Der gebürtige Exteraner überquerte in Kona letztlich als Elfter über die Ziellinie, verpasste die Top Ten nur haarscharf.

Wahnsinns-Vorstellung beim Jahreshöhepunkt: Maik Twelsiek hat beim Hawaii Ironman auf dem Rad eine Weltklasse-Leistung gezeigt. Der gebürtige Exteraner überquerte in Kona letztlich als Elfter über die Ziellinie, verpasste die Top Ten nur haarscharf.

Von Alexander Grohmann

Tucson/Vlotho (VZ). Schmerz lass' nach! Der HawaiiIronman steckt Maik Twelsiek auch eine Woche nach dem Rennen noch in den Knochen. Die Tortur hat sich gelohnt: Mit Platz elf verbuchte der gebürtige Exteraner bei der fünften Teilnahme sein bestes Karriere-Resultat in Kona. Dabei hatte der Start desTriathlon-Profis nach einem Trainings-Crash im Sommer kurzzeitig auf der Kippe gestanden.

Auf dem Weg zum Ozean: Maik Twelsiek mit Kona-Bademütze. Entspannung bei Smoothies: Exters Sport-Star mit Gattin Hillary. Sieger Sebastian Kienle trainierte für Hawaii mit Maik Twelsiek.

Maik Twelsiek ist zurück im Alltag. »Meine Beine fühlen sich langsam wieder normal an«, sagt der 33-Jährige, der in seiner Wahlheimat Tucson (USA) trotz zurückliegender Höchstbelastung nicht die wund gelaufenen Füße hochlegt. »Ich trainiere mehr regenerativ. Es geht darum, die Form nicht zu verlieren.« Beim Ironman Phoenix geht es für Twelsiek schließlich in nur vier Wochen schon wieder um Punkte für die Hawaii-Qualifikation 2015.

Dabei sind die Erinnerungen an den diesjährigen Start noch frisch. Nur knapp schrammte Twelsiek im Triathlon-Mekka an der ersehnten Top-Ten-Platzierung vorbei. Vier Kilometer vor dem Ziel wurde er vom Franzosen Romain Guillaume überholt. Von Enttäuschung aber keine Spur: »Es war mein bestes Ergebnis in Kona«, überwiegen Stolz und Freude über das tolle Comeback nach zweijähriger Hawaii-Pause.

2009 und 2010 war Twelsiek als Zwölfter ins Ziel gekommen. Nun setzte der Triathlet, der mittlerweile als Einzelkämpfer auf der Tour unterwegs ist, einen drauf. Dabei hatte der Start zwischenzeitlich sogar am seidenen Faden gehangen. Eine Trainingsrunde mit Ehefrau Hillary, ebenfalls Triathletin, fand im Sommer ein abruptes Ende: »Ihr ist eine Fliege ins Ohr geflogen und da hat sie vor Schreck das Rad rumgerissen. Wir sind beide gestürzt«, berichtet Twelsiek, der danach wochenlang das rechte Bein kaum heben kann. »Ausgerechnet in dieser Zeit hatte ich einen dreiwöchigen Laufblock geplant. Stattdessen war Krankengymnastik angesagt.«

Wichtige Trainingskilometer auf der Straße gehen in der Vorbereitung auf Hawaii flöten. Untätig muss Twelsiek darauf warten, bis die Schmerzen abklingen. Ob es ohne den Rückschlag diesmal zum Sprung in die Top Ten gereicht hätte, ist für ihn aber nicht gesagt: »Ich bin den Marathon so schnell wie nie gelaufen. Vielleicht hat mich die Pause auch davor geschützt, zu viel zu trainieren und platt anzureisen.«

In Kona läuft es von Beginn an gut für Twelsiek, der beim 3,8 Kilometer langen Schwimmen im Ozean nicht zu viel Rückstand anhäuft und sich auf dem Rad an die Spitze katapultiert. Mit dem späteren Sieger Sebastian Kienle gibt er auf den 180 Kilometern den Ton an. »Es war ein tolles Gefühl, da mitgehen zu können«, blickt »Maiki« auf das deutsche Duell zurück, das Bekannte und Freunde aus der Heimat im Internet und am TV verfolgen.

»Dass so viele das Rennen zu so später Stunde gesehen haben, hat mich gefreut«, so Twelsiek, auf dessen Facebook-Seite etliche Glückwünsche eingehen. Zurecht! Auf seinem neuen »Beam-Bike« mit dem frei schwebenden Sattel stellt er trotz des berüchtigten Windes in 4:24:03 Stunden die neuntbeste jemals gefahrene Zeit beim Hawaii Ironman auf – eine famose Leistung! Nur Kienle ist drei Minuten schneller. »Er ist nicht umsonst der beste Radfahrer im Zirkel und war der absolute Topfavorit. Es freut mich für ihn, und dass mal wieder ein Deutscher gewonnen hat. Sebastian ist ein super Aushängeschild für den Sport«, sagt Twelsiek, der den Champ im Frühjahr bei sich in Tucson begrüßt hatte. »Wir haben einige Tage zusammen trainiert.«

Bei der obligatorischen Party im »Huggo's« laufen sich die Beiden dann nicht mehr über den Weg: »Ich habe aber auch die ganze Zeit nur in einer Ecke gestanden, weil mir die Füße so weh taten«, erzählt Twelsiek, der vor dem Rückflug fleißig Pakete mit Hillary schnürte. Grund: Die Triathletin betreibt seit zwei Jahren das Label »Smashfest«, präsentierte sich mit einem Stand in Kona. »Wir haben auch aus Australien vermehrt Anfragen«, freut sich Twelsiek über den steigenden Absatz der Trikots mit demKolibri-Logo, von denen er selbst eines trägt.

Aus dem Formtief des Jahres 2012 hat sich Twelsiek herausgekämpft. Der Sieg beim Ironman Wisconsin 2013 war der Befreiungsschlag. Eine ehemalige US-Triathletin schreibt ihm seine Trainingspläne, der Erfolg ist zurück. Der stille Star aus dem kleinen Sport-Dorf Exter will weiter Taten sprechen lassen: »Ich denke, dass ich beim Laufen noch Potenzial habe. Daran werde ich im Winter verstärkt arbeiten«, sagt Twelsiek, der die nächste Quali für Hawaii schnell in trockene Tücher bringen will. Denn der nächste Angriff auf die Top Ten erfolgt bestimmt.

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