Do., 05.07.2018

Im 65. Vereinsjahr schickt der Verein kein Fußball-Team in die Saison In Bonneberg geht das Flutlicht aus

Der Rasen ist in einem guten Zustand, gespielt wird im Borstenbachstadion aber vorerst nicht mehr. Der TuS Bonneberg hat für die kommende Saison keine Mannschaft gemeldet.

Der Rasen ist in einem guten Zustand, gespielt wird im Borstenbachstadion aber vorerst nicht mehr. Der TuS Bonneberg hat für die kommende Saison keine Mannschaft gemeldet. Foto: Florian Weyand

Von Florian Weyand

Vlotho (WB). Die Grashalme im Borstenbachstadion sind perfekt gestutzt. Nur die Netze in den Toren und die Linien fehlen. Ansonsten könnte sofort ein Fußballspiel angepfiffen werden. Der TuS Bonneberg wird die Heimstätte aber vorerst nicht mehr nutzen. Im 65. Jahr des Bestehens schickt der Verein keine Mannschaft in das Meisterschaftsrennen.

Peter Berg, dem Torwart und Sportlichen Leiter der Bonneberger Fußballer, ist diese Entscheidung schwer gefallen. »Ich bin schließlich seit 20 Jahren im Verein«, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass die Bonneberger in dieser Spielzeit aber nicht antreten werden, sei alternativlos gewesen. »Wir hätten 20 Spieler gebraucht, und die haben wir nicht gehabt. Mit meinem Gewissen hätte ich nicht vereinbaren können, mit einem kleinen Kader in die Saison zu gehen«, sagt Berg.

Die Anlage und das Vereinsheim sollen weiter genutzt werden. Foto: Florian Weyand

Der Sportliche Leiter hat in den Wochen nach dem Abstieg in die Kreisliga C viel probiert, um den Fußball im Borstenbachstadion am Leben zu erhalten. Berg geht Klinken putzen, führt viele Telefonate. »Ich habe bei ehemaligen Spielern angefragt, ob sie uns eine Saison aushelfen können.« Doch der Keeper und Funktionär in Personalunion erhält fast nur Absagen.

Nach dem fest steht, dass aus eigener Kraft keine Mannschaft aufgebaut werden kann, sucht Berg das Gespräch mit Nachbarklub Arminia Vlotho. Doch nach ersten positiven Signalen ist auch die Fusion beider Fußballabteilungen schnell vom Tisch. »Die übrig gebliebenen Spieler waren bereit, als Spielgemeinschaft anzutreten. Aber am Ende hatten wir so wenig Spieler, dass die Zusammenarbeit auch für Arminia keinen Sinn gemacht hat«, erzählt Peter Berg.

Kommentar von Florian Weyand

Das Borstenbachstadion war über Jahrzehnte die von vielen Gegnern gefürchtete Festung des TuS Bonneberg. Nun liegt die Fußballabteilung des Vereins nach harten Rückschlägen am Boden – und das Aufstehen wird schwer.

Der Verein verfügt über keine Jugendabteilung. So fehlt der Nachwuchs. Das Problem machte sich in den vergangenen Jahren schon bemerkbar. Meldeten die Bonneberger einst sogar drei Seniorenmannschaften, spielte zuletzt nur noch ein Team um die Meisterschaft. Der Niedergang kam schleichend, doch wer hinschaute, hat ihn kommen sehen.

Die Schuld nur beim aktuellen Vorstand und Peter Berg zu suchen, greift zu kurz. Die Bonneberger haben wie jeder Dorfklub mit Problemen wie der Demographie zu kämpfen. Hier hat man zu spät gegengesteuert. Das muss man sich eingestehen.

Grund für Spott aus der Nachbarschaft bietet der Rückzug nicht. Auch andere Vereine kann es noch erwischen. Das Bonneberger Schicksal ist Warnung genug. Wird darauf nicht reagiert, dürfte der TuS nicht der einzige Klub der Umgebung sein, der seine Fußball-Abteilung verliert.

Zuletzt denkt man im Bonneberger Fußballvorstand darüber nach, als Neuner-Mannschaft (Norweger-Modell) in der Kreisliga C anzutreten. Doch auch dieser Gedanke wird schnell verworfen. »In unserem kleinen Kader hätten viele ältere Spieler gestanden. Man weiß nicht, wie lange sie verletzungsfrei bleiben«, sagt Berg.

Die Folge: In der kommenden Saison wird keine Bonneberger Fußballmannschaft am Spielbetrieb teilnehmen. Das dürfte in der 65-jährigen Geschichte des Vereins wohl einmalig sein. Aufgeben möchte man trotz des erreichten Tiefpunkts aber nicht. »Im nächsten Jahr wollen wir es noch einmal probieren«, sagt Berg.

Wichtig ist ihm daher, dass das Borstenbachstadion als Sportstätte weiter erhalten bleibt. »Wir werden jetzt ein Team gründen, dass sich um die Anlage kümmern wird«, sagt der Sportliche Leiter.

Denn der Sportplatz soll in der fußballfreien Zeit weiter genutzt werden. »Wir denken über verschiedene Angebote nach und sind auf der Suche nach Möglichkeiten, um den Platz zu nutzen«, erzählt der der Torwart.

Viele Bonneberger Fußballer haben bereits neue Vereine gefunden, einige wenige Kicker sind noch auf der Suche nach einem neuen Klub. Auch Peter Berg will weiter Fußball spielen. »Ich werde mich als Spieler abmelden, um für einen anderen Verein spielen zu können. Ich werde aber weiter beim TuS Bonneberg mitarbeiten«, sagt er. Schließlich ist es sein Heimatklub, in dessen Trikot er zukünftig gern wieder auflaufen möchte – auf dem perfekt gemähten Rasen im Bonneberger Borstenbachstadion.

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