Sa., 08.06.2019

Vielseitigkeitsreiter Helmut Rethemeier aus Valdorf feiert 80. Geburtstag Der Held von Montreal

Vielseitiger Reiter: Bei einem spektakulären Sprung im Gelände oder der Dressur bei den Olympischen Spielen gibt Helmut Rethemeier eine gute Figur ab.

Vielseitiger Reiter: Bei einem spektakulären Sprung im Gelände oder der Dressur bei den Olympischen Spielen gibt Helmut Rethemeier eine gute Figur ab. Foto: Lars Krückemeyer

Von Lars Krückemeyer

Vlotho (WB). Diesen Bericht hätte es fast nicht gegeben: Denn als der Valdorfer Vielseitigkeitsreiter Helmut Rethemeier für die Olympischen Spiele 1976 in Montreal nur als Ersatzmann nominiert wird, will der damals 37-Jährige vor lauter Enttäuschung auf die Reise verzichten. Zum Glück überlegt er es sich anders, nicht ahnend, dass er ein paar Wochen später als gefeierter Held mit einer Silbermedaille um den Hals von 5.000 Begeisterten auf dem Vlothoer Kirchplatz empfangen werden wird.

Eben jene Medaille hat 43 Jahre später keine besondere Bedeutung mehr für Helmut Rethemeier. Seine Frau Antje, mit der er im 52. Jahr verheiratet ist, macht sich auf die Suche und bringt eine Schale mit vielen gewonnenen Plaketten ihres Mannes. Mittendrin die unerwartet kleine, unscheinbare Medaille von 1976 für den zweiten Platz mit der deutschen Mannschaft. »Die Zeiten sind lange her«, winkt Rethemeier ab, der zu den erfolgreichsten Vielseitigkeitsreitern der Welt zählt.  

»Ich war damals in Topform«

Seinen Eintrag in den Geschichtsbüchern des Reitsports hat er als Held von Montreal trotzdem längst sicher. Zunächst rückt der Valdorfer doch noch in die vierköpfige Olympiamannschaft, denn das Pferd eines Teamkollegen lahmte in der Vorbereitung. »Ich war in Topform«, erinnert sich Helmut Rethemeier.

Doch die Deutschen haben am zweiten Tag des Vielseitigkeits-Wettbewerbs in Bromont, 75 Kilometer östlich von Montreal, doppeltes Pech: Otto Ammermann verfehlt im Gelände das Ziel, wird disqualifiziert und liefert damit bereits das Streichergebnis. Rethemeier stürzt im Gelände an Hindernis Nummer 15, gerät unter sein Pferd Pauline und erleidet äußerst schmerzhafte Quetschungen und Prellungen der Brust. Doch der Valdorfer steigt nicht nur wieder auf und bringt den quälenden Ritt ins Ziel. Weil Deutschland nach dem zweiten Tag trotzdem auf Rang drei liegt, tritt er auch am nächsten Tag beim abschließenden Springen wieder an.

15 deutsche Ärzte vor Ort – aber keiner bei der Vielseitigkeit

»Es waren 15 deutsche Ärzte in Montreal, aber keiner bei der Vielseitigkeit. Die haben lieber andere Wettbewerbe in Montreal angeschaut. So bin ich über Landstraßen ins Krankenhaus gebracht worden, weil die Hauptstraßen gesperrt waren«, erinnert sich Helmut Rethemeier. Im Krankenhaus wird festgestellt, dass nichts gebrochen ist – immerhin.

Als er und seine Frau Antje durch den Radio- und TV-Reporter Heribert Faßbender erfahren, dass Deutschland trotz der Malheure auf Medaillenkurs liegt, entscheidet der Reiter: »Ich probiere es!« Um nicht des Dopings bezichtigt werden zu können, verzichtet Rethemeier auf Schmerzmittel, bekommt stattdessen Verbände und wird am nächsten Tag wieder in den Sattel gehievt. Rethemeier hält trotz allem durch und Deutschland verbessert sich noch auf den zweiten Platz – Silber!

Einladung ins Aktuelle Sportstudio

Das Interesse an den Vielseitigkeitsreitern ist riesig, Rethemeier bekommt eine Einladung ins Aktuelle Sportstudio. »Wir waren einer der ersten Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen und holten eine der ersten Medaillen für Deutschland. Da waren wir gefragte Gesprächspartner«, erinnert sich Rethemeier.

Seinen größten Einzelerfolg feiert er 1982 bei der Weltmeisterschaft in Luhmühlen, als er auf Santiago Zweiter wird und nur ein Punkt zum Sieg fehlt. Mehrfach verpasst Rethemeier bei den wichtigsten internationalen und nationalen Meisterschaften die Goldmedaille. Doch darüber ärgert sich der 80-Jährige nicht: »In Luhmühlen sind 92 Reiter angetreten. Von denen wären wohl alle sehr gerne Zweiter geworden. Als ostwestfälischer Bergbauer bin ich stolz und super zufrieden mit dem, was ich erreicht habe«, lautet sein Fazit.

Noch heute packt er auf dem Hof mit an und sitzt regelmäßig im Sattel. Viele Jahre war er zudem Reitlehrer seines Stammvereins RV Fridericus Rex Valdorf.

An diesem Samstag, 8. Juni, feiert Helmut Rethemeier seinen 80. Geburtstag. In aller Bescheidenheit und ohne großen Trubel. »Es gibt keine Feier, da müsste ich zu viele Leute einladen und ich will ja auch keinen vergessen. Ich möchte einfach normal weiterleben und einigermaßen gesund bleiben. Man muss im Alter eben Abstriche machen«, sagt der Jubilar. Da freut er sich schon lieber auf das Treffen mit der Silber-Equipe von Montreal am kommenden Wochenende, aus der lediglich Otto Ammermann nicht mehr lebt.

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