Mi., 16.01.2019

Folge 3: Der Kanadier Kyle Lauersen erforscht am Cebitec einzellige Algen Die Uni als »Inkubator«

Kyle Lauersen mit einer Petrischale, in der einzellige Algen heranwachsen. Ihnen widmet er sein Augenmerk.

Kyle Lauersen mit einer Petrischale, in der einzellige Algen heranwachsen. Ihnen widmet er sein Augenmerk. Foto: Mike-Dennis Müller

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Die Universität Bielefeld, vor allem die Forschungsgruppe zur Algenbiotechnologie war für ihn ein »Inkubator«, sagt Kyle Lauersen. Und weil er sich hier so wohlfühlte und hervorragende Förderung erhielt, ist er länger geblieben als ursprünglich gedacht.

Eigentlich ist Kyle Lauersen 2011 aus dem kanadischen Kingston, zwischen Toronto und Montreal gelegen, nur an den Teutoburger Wald gekommen, um zu promovieren. Den Doktortitel hat Lauersen jetzt seit vier Jahren – geblieben ist er dennoch auch als Postdoc: Er wollte unbedingt seine Forschungsarbeiten fortführen.

In Kanada hatte sich Lauersen – mit dänischen und holländischen familiären Wurzeln – mit Pflanzenbiotechnologie befasst. »Aber es dauert eben lange, bis man Ergebnisse bekommt, weil es einfach länger dauert, Pflanzen heranzuziehen.« In Bielefeld ist die Erforschung einzelliger Algen am Centrum für Biotechnologie (Cebitec) eine der Stärken. »Sie sind der schnellere Weg«, schmunzelt Kyle Lauersen.

Attraktive Alternativen

Außerdem wollte der 33-Jährige ins Ausland, und dann möglichst irgendwohin, wo er eine fremde Sprache lernen könnte. Kopenhagen und Zürich waren seine durchaus attraktiven Alternativen, für Ostwestfalen aber hat er sich entschieden.

An der Uni Bielefeld, schwärmt der Kanadier, habe er es sehr gut getroffen: Er fand hier eine intensive Betreuung als Doktorand und mit Prof. Dr. Olaf Kruse einen Doktorvater, der viel freie Hand ließ und seinem Team die Chance zur Profilierung gibt. Daneben arbeitet er hier mit Mikroalgen, ein Modellorganismus, der noch »unterentwickelt« und unterschätzt sei, ist er überzeugt. »Die Algen haben noch viel Potenzial.«

Dazu, dieses Potenzial nutzen zu können, hat Lauersen entscheidend beigetragen: Er hat die »Tools«, die Technik, gefunden, genetische Informationen aus Bakterien oder Pflanzen in einzellige Algen zu implantieren. »Das war möglich, nachdem die DNA der Algen entschlüsselt und die Regulationen im Organismus verstanden waren.«

Eigene Forschungsgruppe

Seit vier Jahren leitet der Postdoc seine eigene kleine Forschungsgruppe mit zwei Doktoranden, die innerhalb des Programmes »EU 2020« gefördert wird. Und nicht ohne Stolz sagt er, dass die Wissenschaftler am Cebitec weltweit führend im Algen-Engineering seien. Proteine, Lipide, Energie können die Mikroalgen liefern, Produkte für Kosmetik, Ernährung und Medizin wie etwa für Hautcremes oder Krebsmittel.

»Wir haben in den vergangenen vier Jahren viele Anwendungen gezeigt.« Er selbst hat 2018 viel veröffentlicht und ist auch zu vielen Tagungen gereist – »auch das ging nur, weil wir ein gutes Team sind. Ohnehin: Wissenschaft ist keine individuelle Sache, sie ist heute immer Teamarbeit«, betont der Kanadier.

So wohl sich Kyle Lauersen in Bielefeld fühlt: Im Sommer wird er die Stadt und die Universität wohl verlassen. »Das deutsche Hochschulsystem schubst einen irgendwann aus dem Nest und verlangt Mobilität.« Er hofft auf eine Professur, um sein eigenes Labor aufbauen zu können. Klar, dass sich das mit Algenbiotechnologie befassen wird. Und deshalb ist gut denkbar, dass Kyle Lauersen den Kontakt zum Cebitec und zur Universität noch lange aufrecht erhalten wird: als Kooperationspartner.

50 Jahre, 50 Köpfe

50 Jahre Universität Bielefeld – das wird in diesem Jahr gefeiert. 80.000 Absolventen zählt die Hochschule, Tausende wissenschaftlicher und nichtwissenschaftlicher Mitarbeiter waren und sind an der Universität beschäftigt. Wir porträtieren in einer Serie 50 »Köpfe«.

Bisher: Prof. Dr. Gertrude Lübbe-Wolff , Martina Meise .

 

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