So., 03.02.2019

Folge 5: Trixi Valentin organisiert Tagungen im ZiF der Uni Den Größen der Wissenschaft nahe

Trixi Valentin kümmert sich seit 28 Jahren um die Tagungen und die Gäste im ZiF.

Trixi Valentin kümmert sich seit 28 Jahren um die Tagungen und die Gäste im ZiF. Foto: Bernhard Pierel

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Die Größen der Wissenschaft – Trixi Valentin kennt sie fast alle. Zumindest, wenn sie in den vergangenen 28 Jahren an einer Tagung im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität teilgenommen haben. Denn dort verkörpert die 59-Jährige mit Kollegin Marina Hoffmann das Tagungsbüro.

Tatsächlich aber ist Trixi Valentin der Universität und dem ZiF schon viel länger verbunden. »Ich war acht Jahre alt, als mir meine Patentante ein Feld vor den Toren Bielefelds gezeigt hat und sagte, dass hier die neue Universität gebaut werde und ich später dort studieren sollte«, erzählt sie lachend.

Aber nicht nur das: Ihre Mutter arbeitete in der Verwaltung des ZiF – tatsächlich schon vor der Uni selbst an den Start gegangen und zunächst in Schloss Rheda ansässig – und wurde später Verwaltungsleiterin des Zentrums. Dort kommen Forscher aus aller Welt zu einjährigen Forschungsgruppen, Workshops und Tagungen zusammen und diskutieren dabei interdisziplinär Themen, die oft genug innovativ und vorausschauend sind, allemal aber aus eigenen Reihen aufs Tableau gebracht werden.

Deutsch und Sport studiert

Dass Trixi Valentin hier einmal ihren Arbeitsplatz finden würde, hatte sie selbst allerdings erst einmal nicht vorgesehen. »Ich habe Deutsch und Sport studiert und wollte unbedingt Lehrerin werden. Das stand für mich schon in meiner Grundschulzeit fest.« Allerdings: Als sie 1984 ihr Studium – natürlich an der Uni Bielefeld – beendete, bestand kein Bedarf an Lehrern. Ein Jahr musste sie überbrücken, bis sie ihr Referendariat absolvieren durfte – die Erfahrungen in dieser Praxisphase bestärkten sie in ihrem Wunsch –, danach aber bestand keine Chance auf eine Anstellung.

Und so nahm die verhinderte Pädagogin eine Anstellung als Sekretärin bei Prof. Dieter Grimm – späterer Verfassungsrichter – und danach bei Prof. Meinhard Hilf an. Als dann eine Stelle im ZiF frei wurde – die Mutter war schon im Ruhestand, bewarb sich Trixi Valentin mit Erfolg. »Und das war viel besser als ich mir je erträumt hatte«, sagt sie heute. Fremd war ihr das ZiF, idyllisch am Waldrand oberhalb der Universität gelegen, ohnehin nicht: Als Schülerin hatte sie schon in der Küche gejobbt oder war Babysitter für die Gastwissenschaftler, die für ein Jahr mit ihrer Familie in eine der ZiF-Wohnungen gezogen waren.

Als das Gebiss zerbrach

Seit 28 Jahren nun organisiert sie mit ihrer Kollegin Tagungen, die beiden korrespondieren vorab mit den Gastwissenschaftlern und sorgen für den reibungslosen Ablauf, Raumbelegungen inklusive. Aber das Tagungsbüro ist auch die Anlaufstelle für alles und jedes, schließlich fällt der »Glaskasten« sofort beim Betreten des ZiF ins Auge.

So sorgten Trixi Valentin und ihre Kollegin für prompte Hilfe, als einem Gastwissenschaftler vor einem Vortrag sein Gebiss zerbrach, als einem anderen auf einer Zugfahrt der Koffer abhanden gekommen war oder ein Dritter sich im Hotel an einer Glasscheibe das Nasenbein gebrochen hatte, er aber unbedingt seinen Vortrag halten wollte. Beeindruckt hat sie auch ein polnischer Forscher, der nach heftigem Schneefall mit Pelzmütze und dicken Schuhen in der ZiF-Verwaltung auftauchte und beim Schneeschippen helfen wollte: Denn das sei Zuhause so üblich.

Ohnehin: Gerade die Koryphäen seien oft die bescheidensten, sagt Trixi Valentin. Norbert Elias hat sie ebenso kennengelernt wie die Nobelpreisträger Reinhard Selten, Elinor Ostrom oder Serge Haroche, und nicht wenige, die sie als junge Wissenschaftler erlebt hat, kamen später als Professoren erneut ins ZiF. »Darunter waren und sind auch sehr bekannte Forscher aus wirklich den allermeisten Disziplinen.«

Von vielen kennen sie und ihre Kollegin die Vorlieben, und natürlich könnten sie Anekdoten erzählen – sind aber diskret. Immerhin erzählen sie schmunzelnd von den Geistesgrößen, die gestikulierend Selbstgespräche führen, über philosophische Probleme ebenso wie über mathematische Formeln. Aber auch das sind eher nette Eigenheiten.

50 Jahre, 50 Köpfe

50 Jahre Universität Bielefeld – das wird in diesem Jahr gefeiert. 80.000 Absolventen zählt die Hochschule, Tausende wissenschaftlicher und nichtwissenschaftlicher Mitarbeiter waren und sind an der Universität beschäftigt. Wir porträtieren in einer Serie 50 »Köpfe«.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6361127?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F6311868%2F