Do., 11.07.2019

Vorsichtsmaßnahmen herausgegeben – Feuerwehr lässt Gebäude in Veltheim kontrolliert abbrennen – Kritik an Schaulustigen – mit Videos Feuer im ehemaligen Steinkohle-Kraftwerk brennt kontrolliert ab

Das ehemalige Kraftwerk Veltheim am Tag nach dem Brand. 

Das ehemalige Kraftwerk Veltheim am Tag nach dem Brand.  Foto: Christian Müller

Porta Westfalica (dpa/WB/acl). Das Feuer auf dem Gelände des ehemaligen Steinkohle-Kraftwerks in Veltheim bei Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) wird die Feuerwehr noch längere Zeit beschäftigen.

Die Einsatzkräfte mussten sich nach Ausbruch des Brandes am Mittwochabend und dem Einsturz eines Gebäudes von dem Brandherd zurückziehen, um eine Gefährdung der Feuerwehrleute auszuschließen. Das Feuer sollte kontrolliert abbrennen.

Am Donnerstagmittag waren zwar keine Flammen mehr zu sehen, aber es gab nach Auskunft von Feuerwehrsprecher Michael Horst noch eine große Rauchsäule. Um sicher zu stellen, dass es im Innern nicht noch Glutnester und Flammen gibt, müssten die Trümmer auseinanderzogen werden, so die Einschätzung des Sprechers. Das sei aber wegen der Hitzeentwicklung wohl erst in den nächsten Tagen möglich.

Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nach ersten Erkenntnissen nicht. Allerdings gab der Kreis Minden-Lübbecke für Menschen, die im Bereich des Kraftwerkes leben, Vorsichtsmaßnahmen heraus. Wegen der Rauchentwicklung sollte frisch geerntetes Obst und Gemüse vor dem Verzehr gewaschen werden, teilte der Kreis mit. Zudem seien beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz weitere Untersuchungen veranlasst worden. Bei dem Großbrand führten die Einsatzkräfte auch Schadstoffmessungen in der Luft durch.

Wie der Sprecher erklärte, brach der Brand aus ungeklärter Ursache im Bereich der ehemaligen Rauchgasentschwefelungsanlage des Werks aus, mit deren Abbruch eine Abrissfirma den Angaben zufolge erst am selben Tag begonnen hatte.

Der Turm dieser Anlage habe bei Eintreffen der Feuerwehr vollständig in Brand gestanden – als die Feuerwehr diesen Brandort besichtigte, sei sie vom Zusammensturz eines daneben liegenden Gebäudes überrascht worden. »Die Abbruchfirma teilte mit, dass tragende Gebäudeteile bereits entfernt worden seien«, sagte der Sprecher.

Hohe Flammen und schwarze Rauchwolken waren aus weiter Entfernung über dem Gebäude zu erkennen.

Schadstoffmessungen durchgeführt

Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nach ersten Erkenntnissen nicht. Bei dem Großbrand nahe der Grenze Nordrhein-Westfalens zu Niedersachsen führten die Einsatzkräfte auch Schadstoffmessungen in der Luft durch. Ergebnisse lagen zunächst nicht vor.

Die Einsatzkräfte führten demnach auch Schadstoffmessungen in der Luft durch. »Der Messzug der Kreises Lippe auf der gegenüberliegenden Weserseite, der CBRN-Erkunder der Portaner Wehr im Bereich Veltheim und Eisbergen, dabei wurden keine erhöhten Messwerte festgestellt«, so die Feuerwehr. Dies bestätigte auch der Kreis Lippe.

Die Rauchwolke sei über die über Ortsteile der Gemeinde Kalletal (von Veltheim in Richtung Bavenhausen) gezogen ist und habe sich dort aufgelöst.

(In diesem Video ist auch der Moment des Einsturzes zu sehen:)

»Der Ruß sank allerdings auch bis auf den Boden nieder. Die Feuerwehr hat Proben genommen und zur Laborauswertung gegeben. Das Ergebnis liegt aktuell noch nicht vor«, hieß es am Donnerstag vom Kreis. Der Kreis Lippe gibt vorsorglich folgende Empfehlungen für die Bürgerinnen und Bürger: Frisch geerntetes Obst und Gemüse aus dem Anbau im betroffenen Bereich sollte nur sorgfältig gewaschen und geschält gegessen werden. Fenster und Türen müssen jedoch nicht geschlossen bleiben.

Brandwache eingerichtet

Die Portaner Wehr richtete am Mittwochabend eine Brandwache vor Ort ein. Das Technische Hilfswerk war mit mehreren Ortsgruppen und Fachberatern vor Ort und übernahm die Ausleuchtung der Einsatzstelle. Auf den Einsatz von schwerem Räumgeräten wurde aufgrund der unklaren Statik in der Nacht verzichtet.

Das Deutsche Rote Kreuz übernahm die Versorgung der Einsatzkräfte. Durch die Elektrizitätswerke wurde eine Hochspannungsleitung im Bereich des Kraftwerks außer Betrieb genommen.

Schaulustige behindern Fahrzeuge

Während des Einsatzes seien viele Schaulustige auf den Zufahrtswegen rund um das Kraftwerk unterwegs gewesen, teilte die Feuerwehr mit. Dabei sei es teilweise zu Behinderungen von Einsatzfahrzeugen auf der Anfahrt gekommen.

Im Kraftwerk Veltheim wurden vor allem Steinkohle und Erdgas, sowie Petrolkoks und Heizöl verfeuert. In Betrieb genommen wurde das Kraftwerk im Jahr 1970. Anschließend wurde dort für 45 Jahre Strom produziert. Am 27. März 2015 wurde das Kraftwerk stillgelegt. Zeitweise war es Notunterkunft für Flüchtlinge.

Umsonst und draußen?

Auf dem Kraftwerkgelände fand in den vergangenen Jahren auch immer das beliebte Umsonst & Draußen-Festival statt. Das diesjährige Event ist vom 2. bis 4. August geplant. Dann sollen 50 Bands in Veltheim auftreten, mehr als 20.000 Fans werden erwartet.

Wie es mit dem Festival weitergeht, ist derzeit noch unklar, die Organisatoren schrieben am Mittwoch bei Facebook : »Wir hoffen, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind und dass das keine Auswirkungen auf unser Festival hat. Wir bleiben dran!«

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