Jugendämter sehen Gefahr für Säugling – Behörde stellt Lösung in Aussicht
Polizisten nehmen Mutter im Krankenhaus das Baby weg

Bielefeld (WB). Drei Polizisten und zwei Jugendamtsmitarbeiterinnen haben im Bielefelder Franziskus-Hospital einer 16 Jahre alten Mutter ihr vier Tage altes Mädchen weggenommen.

Mittwoch, 30.07.2014, 18:56 Uhr aktualisiert: 31.07.2014, 19:38 Uhr
Jugendämter sehen Gefahr für Säugling – Behörde stellt Lösung in Aussicht : Polizisten nehmen Mutter im Krankenhaus das Baby weg
Die 16-jährige Mutter mit ihrer Tochter Sophie, die am Freitag zur Welt kam: Am Dienstag wurden die beiden gewaltsam im Franziskus-Hospital Bielefeld getrennt.

Im Detail wollten die Behörden keine Auskunft zu den Gründen geben. Es wurde aber bekannt, dass die Jugendämter Gütersloh und Bielefeld die Sicherheit des Säuglings in Gefahr sahen.

Die kleine Sophie war am Freitag zur Welt gekommen – 52 Zentimeter groß, 3930 Gramm schwer. »Ich saß Dienstagmorgen mit der Kleinen auf dem Bett. Ich habe sie auf die Stirn geküsst und gesagt: ›Mama passt auf Dich auf‹. Da haben sie mich zu zweit festgehalten und mir mein Mädchen entrissen«, erzählte die 16-Jährige gestern unter Tränen. »Ich habe mich nicht gewehrt, weil ich Angst hatte, die Kleine könnte etwas abbekommen.« Als sie dann ihre Mutter angerufen habe, habe ihr ein Polizist auch noch das Telefon weggenommen. »Ich habe mich so hilflos gefühlt«, sagt die Jugendliche.

»Ich habe mich so hilflos gefühlt.«

Die Mutter

Natürlich hat der Polizeieinsatz eine Vorgeschichte. Die 16-Jährige aus dem Kreis Gütersloh ist in Heimen aufgewachsen, weil ihre Eltern nach Gerichtsauffassung erziehungsunfähig sind. Das Mädchen bekam einen Bielefelder Rechtsanwalt zum Vormund. Als es schwanger wurde, kam es vor einigen Wochen in ein Mutter-Kind-Haus der AWO nach Rheda-Wiedenbrück. Dort sollte die 16-Jährige nach der Niederkunft mit ihrem Baby leben.

Das Baby wird jetzt in der Bereitschaftspflege betreut

Der Vormund: »Aus Gründen, auf die ich nicht eingehen kann, meinte das AWO-Heim dann aber, nicht für die Sicherheit des Babys garantieren zu können.« Deshalb habe sich das Jugendamt des Kreises Gütersloh zur Inobhutnahme entschieden. Als die 16-Jährige nicht, wie vom Jugendamt geplant, zur Entbindung nach Gütersloh ging, sondern nach Bielefeld, war damit auch das dortige Jugendamt zuständig. Beide Behörden waren der Ansicht, die Mutter könne sich nicht alleine um das Baby kümmern, weshalb sie der Jugendlichen gestern mit Hilfe der Polizei das Mädchen wegnahmen. Sophie wird jetzt in einer Bereitschaftspflegestelle betreut.

Der Vater (20) des Mädchens sagte, seine Freundin sei doch ganz liebevoll mit der Kleinen umgegangen. »Warum hat sich das niemand vom Jugendamt angesehen?« Die junge Mutter sagte, sie habe ihr Töchterchen seit der Geburt gestillt, und es sei schlimm für sie, zu wissen, dass jetzt irgendein Fremder dem Mädchen die Flasche gebe.

Wann die Eltern ihr Kind wiedersehen, ist ungewiss

Wann die Eltern ihre kleine Tochter wiedersehen können, ist ungewiss. Der Vormund sagte, das Jugendamt habe der jungen Mutter einen Platz in einem Mutter-Kind-Haus im nördlichen Ruhrgebiet in Aussicht gestellt. »Da werden Mutter und Baby rund um die Uhr betreut.« Das Haus sei im Moment belegt, aber möglicherweise gebe es Mitte August einen freien Platz. Beate Balsliemke, stellvertretende Sprecherin des Kreises Gütersloh: »Ziel ist es, dass Mutter und Kind unter fachkundiger Betreuung zusammenleben.« Man werde den Eltern schon bald ermöglichen, ihr Kind wiederzusehen.

Was zu der Befürchtung der AWO geführt hat, die 16-Jährige sei eine Gefahr für ihr Baby, der nur durch die sofortige Kindeswegnahme im Krankenhaus begegnet werden könne – dazu äußerte sich gestern niemand.

Kommentare

Jana  schrieb: 05.11.2014 16:59
nur Bestien sind zu so einer grausamen tat fähig
Wenn auch die Großmutter in ihrer Mutterrolle versagte, heißt es nicht, dass die Tochter in ihren Fußabdrücken tritt- letzteres Kommentar ist unbegreiflich. Man gibt nur einmal ein Kind weg, und man leidet ein ganzes leben darunter. Schließlich handelt es sich nicht um einen toten Gegenstand, sondern um das eigene Fleisch und Blut. Die Behörden haben viele Möglichkeiten einer jungen Mutter Unterstützung und das in jeder Hinsicht zu bieten. Hier wurde aus Voreingenommenheit, Racheakt, weil die Mutter nicht nach den Behördenpfeifen tanzte gehandelt und das die Polizei sich so verhält, ist ja nicht befremdlich, das kennt man ja schon reichlich zu genüge, aus den einzelnen Medienberichten. Mich hat der Fall erschüttert und jeder der mit *Geschichte* vertraut ist, weiß woran diese Bilder und Berichte erinnern! Wer Mutter ist, weiß das ein solcher Eingriff schmerzhafter ist, wie die stärksten Wehen. Ein Schmerz der unbeschreiblich qualvoll ist. Die Verantwortlichen die dieser jungen Mutter und ihrem Baby, brutal die Herzen herausrissen, bleiben ganz sicher nicht unbestraft! Wenn auch nicht in diesem Unrechtland aber irgendwo werden sie ihren Richter finden! Jeder Mensch, mit Anstand und Bildung weiß, dass diese grausame Handlung nur von ungebildeten Bestien, die an nichts glauben, ausgeübt werden konnte.
Leonora  schrieb: 20.08.2014 01:19
ehemals Alleinerziehende zweier Kinder
Offensichtlich glauben manche, die besseren Mütter zu sein und darum ihr Kind großziehen zu dürfen. Es ist wirklich Hybris, einer junge Frau, die sich ja nicht als Mutter beweisen kann bzw. darf, regelrecht die Fähigkeit abzusprechen. Ich kenne einen ähnlich abgelaufenen Fall und kann nur sagen, dass das Trauma nach diesem Gewaltakt des Kindesentzugs die gesamte Familie trifft wie eine Sippenhaft. Die Großmutter darf nach vier Jahren das Enkelkind einmal im Jahr sehen, die Mutter alle zwei Monate. Letztere macht seit vier Jahren alle Auflagen mit, darf als Mutter sich vor dem Kind nicht Mutter nennen, weil das das Privileg der ganz offensichtlich kinderlosen Pflegemutter ist. Sie haben anderen entfernt wohnenden _Verwandten nichts erzählt, keinen Kontakt mehr, weil sie sich schämen für etwas, das so gar nicht stimmt. Menschen werden für den Rest ihres Lebens regelrecht zerstört, weil eine Hilfsindustrie sich um diese Kinder bemüht. Jeder sollte mal darüber nachdenken, dass der Status der deutschen Jugendämter seit 1939 als Teil der Staatsgewalt und Kontrolle der Kindererziehung) unverändert blieb..
Gisel  schrieb: 02.08.2014 05:01
Wir kommen dem "Wilden Westen" immer näher.... -Unmenschlich-
Wo und inwieweit setzt sich denn der "Vormund" ein, hier sind meiner Meinung nach Unterlassungsangelegenheiten seitens des Vormundes geschehen!.... Wir sind doch nicht hier im wilden Westen....
Was kann ein Kind dafür, das die Eltern,( also Großeltern) nicht in der Lage sind;- laut Gerichtsurteil-festgelegt wurde- ein Kind zu erziehen, welches schon in der 3.Generation geboren wurde. Hier sind doch schon längst wieder andere Gene zu verzeichnen!....Wo bleibt da die Seele eines Menschen! Zitat: "Recht haben und Recht bekommen war schon immer ein zweischneidiges Geschäft. Unsere Gesetze sind total veraltert. Diese sollten von der Regierung überarbeitet werden. Hier sollte der Phädtitions-Ausschuß mal gehört werden. ......Punkt......
Stefanie  schrieb: 02.08.2014 02:14
Man solte da drüber mal nach Denken
Unmöglich finde ich wie andere da drüber Denken,den es ist egal wie Alt einer ist um eine Mutter zu werden,
es Geht hier um Das Kind und ein Kind Gehört zur Leiblichen Mutter und Vater, Weil Flege Eltern oder Heime Können nicht die Richtigen Eltern ersetzen, denn wenn das Mädchen Älter wirt Leidet es da drunter. Da ich es Tausendprozentig weiß was für unterstützungen und hilfen Flege Eltern und Heime bekommen, wenn die Gesetze und Jugendemter diese Unterstuzungen und hilfen denn Leiblichen Eltern zu Kommen Ließen, würde das Kind auch behütet und sicher aufwaksen. Aber nein es ist ja einfacher das Mädchen der Mutter zu endreissen, dann haben Sie nicht so viel Arbeit da mit um sich da mit Auseinander zu setzen.
Da hätte ich gleich mal eine Frage an Anja, Maja und Alleinstehende Mutter Schaut ihr kein Fernsehen oder Zeitung ? Wie vielen Kindern Passirt was bei Flegefamilien, und wo ist da das J.......... und die Hilfen für die Kinder?

Anja  schrieb: 31.07.2014 12:50
Können Beamte nur noch mit Gewalt?????
So langsam wird man doch total wütend auf unsere Beamten.
Können sie alles nur noch mit Gewalt????
Man hätte auch gefühlvoller mit den Beiden umgehen können.
Klar ist es in heutiger Zeit sehr schwer ein Kind groß zu ziehen,
wenn einem die finaziellen Mittel und in dem Alter die Unterstützung nicht hat.
Es bedeutet aber noch lange nicht, das die Tochter genauso wie ihre Mutter wird.
und es ist noch lange kein Grund gleich nach der Entbindung im Krankenhaus so einen Aufstand zu machen.

Fürchterlich.
Maja  schrieb: 31.07.2014 11:52
Richtig so
Ich wünsche von herzen das dass Baby dort bleibt wo es ist meine meinung nach
Soll sie erstmal selbe ihr Leben auf die reihe bekommen
Bevor sie ein kind groß ziehen kann.
Denn es wäre besser für das Kind in einer pflege aufzuwachsen
Es ist bestimmt richtig so gewesen das die es ihr weggenommen haben
Alleinstehende Mutter  schrieb: 30.07.2014 19:38
So unmenschlich es sich anhört:
Eine alleinstehende 16-jährige und ein 20-jähriger Vater schaffen es in heutigen Zeit nicht mehr, ein Kind durchzubringen. So eine Mutterschaft, noch dazu mit einer Mutter, die es selbst sehr schwer hatte, ist nur tragbar, wenn für Mutter und Kind erhebliche Unterstützung besteht und die Mutter leicht kooperieren kann. Ich halte es für besser, von der 1. Minute konsequent aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen die Mutter ihr Kind aufziehen kann. Noch glücklicher fände ich es, wenn das Baby von der Mutter zur Adoption freigegeben würde. Für beide. Auch die Mutter sollte vielleicht besser ein paar unbeschwerte Jahre mit abgeschlossenem Beruf erleben dürfen, bevor sie Verantwortung für ein Kind übernimmt. Ganz anders würde ich den Fall beurteilen, wenn es sich um eine 16-Jährige aus intaktem Elternhaus handelte und sich eine Oma für beide überzeugend engagieren würde.
7 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2646161?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Rolle rückwärts beim Kreis Höxter: Corona-Einschränkungen gelten doch schon ab Montag
Von Montag an gelten verschärfte Regeln im Kreis Höxter. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker