Die Queller Gemeinschaft ist kurz davor, ihre Vatertagsgaudi nach 34 Jahren einzustellen
Erdbeerschlacht bedroht Hünenburgfest

Bielefeld (WB). 34 Jahre nach seiner Premiere steht das Hünenburgfest möglicherweise vor dem Aus. Immer neue Auflagen, immer höhere Kosten und immer mehr Ärger mit Trunkenbolden bereiten der Queller Gemeinschaft immer größere Sorgen. Schon an diesem Mittwoch bei der nächsten Vorstandssitzung könnte das Ende der beliebten Vatertagsgaudi beschlossen werden.

Dienstag, 19.08.2014, 15:00 Uhr aktualisiert: 20.08.2014, 13:08 Uhr
Die Queller Gemeinschaft ist kurz davor, ihre Vatertagsgaudi nach 34 Jahren einzustellen : Erdbeerschlacht bedroht Hünenburgfest
So ist das Hünenburgfest gedacht – als Miteinander von Jung und Alt, bei dem Freunde und Nachbarn aus Quelle, aber auch Menschen anderer Stadtteile miteinander ins Gespräch kommen. Wie die Zukunft aussieht, entscheidet die Queller Gemeinschaft in diesen Tagen. Foto: Markus Poch

Zu der ursprünglich als Familien- und Nachbarschaftsfest angedachten Veranstaltung mit Gottesdienst, Kinderbelustigung, Partybeschallung und Verpflegungsständen kommen jedes Jahr hunderte Besucher aus der ganzen Stadt. Sie nutzen das kommunikative Angebot der Queller Gemeinschaft, um bei einer Wanderung am Himmelfahrtstag frische Luft zu schnappen, Freunde zu treffen und es sich auf dem Kamm des Teutoburger Waldes eine Weile gut gehen zu lassen.

 Der Heimat- und Geschichtsverein führt üblicherweise durch eine Ausstellung im kleinen Fernsehturm. Manchmal stellen sich Vereine an Ständen vor. Ältere oder fußlahme Besucher können das Fest mit einem Zubringerbus erreichen und wieder verlassen. Die Polizei ist mit ein bis zwei Beamten vertreten. Von der Queller Gemeinschaft sind so einige Helfer ehrenamtlich in Bewegung, um das alles vorzubereiten und zu betreuen.

 Deren Engagement wird aber immer wieder von Jugendlichen und jungen Erwachsenen missbraucht, die ihren Weg zur Hünenburg mit alkoholbeladenen Bollerwagen antreten, die sich am prominenten Ort in Gesellschaft ausschließlich betrinken und danach pöbeln wollen.

czesna

Günter Czesna

»Das Fest hat sich leider konträr zu der Idee entwickelt, ein Familienfest zu sein«, sagt Günter Czesna, Vorsitzender der Queller Gemeinschaft. »Und wir wollen uns dem Gefahrenpotenzial der Bollerwagenfahrer nicht länger aussetzen. Wer soll denn die Verantwortung übernehmen, wenn wirklich mal etwas passiert?«

Sachbeschädigung ist manches Mal vorgekommen: Leidtragende war in diesem Jahr Familie Meyer zu Bentrup, der die Ländereien am Berg und am Fuße des Berges gehören. »Auf dem Rückweg vom Fest haben betrunkene Jugendliche den Zaun zu unserem Campingplatz runtergedrückt und dann unsere Camper beleidigt«, berichtet Zeltplatzchef Rolf Meyer zu Bentrup. »Kurz darauf bin ich von Anwohnern der Fortunastraße alarmiert worden, dass auf unserem Feld eine Erdbeerschlacht läuft. Tatsächlich johlten und gröhlten da ungefähr zehn Leute, die von Kopf bis Fuß versaut waren, als hätten sie sich in unseren Erdbeeren nur so gewälzt.« Bei einem abendlichen Kontrollgang durch die nahe Weihnachtsbaumschonung sei ihm ein weiterer Schaden aufgefallen: »15 bis 20 junge Bäume sind dort ganz frisch aus der Erden gerissen und durch die Gegend geschleudert worden.«

Rolf Meyer zu Bentrup bleibt dennoch gelassen: »Mein finanzieller Schaden ist nicht das große Problem«, sagt er. »Aber es kann aus Prinzip nicht sein, dass wir durch so eine Veranstaltung in Mitleidenschaft gezogen werden.

Meyer

Rolf Meyer zu Bentrup

Trotzdem fände ich es schade, wenn das Hünenburgfest wegen ein paar durchgeknallter Typen sterben würde. Das Fest ist wichtig – auch um den Einheimischen zu zeigen, wie schön unser Wald ist.« Vielleicht solle es die Queller Gemeinschaft künftig mit Einlasskontrollen für die Bollerwagenfahrer versuchen oder mit Streckenposten. »Vielleicht ist 2014 aber auch einfach nur blöd gelaufen, und 2015 wird wieder viel ruhiger.« Man dürfe die Entscheidung jetzt nicht überstürzen.

Im Vorstand der Queller Gemeinschaft gibt es nun Überlegungen, das Konzept des Hünenburgfestes zu überarbeiten und auch den bislang starren Himmelfahrtstermin zu überdenken. An anderen Tagen würden die Bollerwagenfahrer sicherlich ausbleiben. Aber würden die anderen Leute trotzdem kommen? »Jeder hat sein Sommerfest oder seinen Weihnachtsmarkt, aber nur wir haben das Hünenburgfest«, betont Günter Czesna. »Das Fest ist super, der Platz einmalig. Deshalb würde es uns leid tun, die Veranstaltung abzusetzen. Aber es sind auch immer mehr Gespräche mit den Behörden erforderlich. Und die Ausgaben steigen. Bald kann ich unseren Mitgliedern die hohen Kosten nicht mehr zumuten.«

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