800 Mitwirkende aus 80 Vereinen gestalten am Obersee drei Stunden »gemeinsames Leben«
Schwärmen für Bielefeld

Bielefeld (WB). Chorsänger, Fußballspieler, Tänzer, Jogger, Tierfreunde, eine Stillgruppe, Fallschirmspringer – sie alle sind am Sonntag Teil eines riesigen sozialen Kunstwerkes. So beschreibt der Komponist und Musiker Willem Schulz seine Idee von den »Bielefelder Schwärmen«.

Montag, 22.09.2014, 11:26 Uhr aktualisiert: 22.09.2014, 11:34 Uhr
800 Mitwirkende aus 80 Vereinen gestalten am Obersee drei Stunden »gemeinsames Leben« : Schwärmen für Bielefeld
»Ausgeschwärmt« sind die jungen Tänzerinnen des TSVE. Ihre Bühne ist an diesem Nachmittag das Südufer des Obersees. Insgesamt beteiligen sich 800 Mitwirkende an dem »sozialen Kunstwerk«, das Willem Schulz als künstlerischer Leiter an diesem Nachmittag schaffen will. Foto: Hans-Werner Büscher

Zum 800. Stadtgeburtstag positionieren sich 800 Menschen rund um um die drei Kilometer lange Promenade des Obersees, bilden 80 Schwärme, wie es Schulz als künstlerischer Leiter formuliert. Jeder für sich probt, spielt, isst, lacht, pausiert. »Drei Stunden gemeinsames Leben«, sagt Schulz.

Um 15 Uhr bläst er kräftig ins Muschelhorn. Es ist das Zeichen für alle Beteiligten, dass es jetzt los geht. Mancher Sonntagsspaziergänger wundert sich darüber, dass am Seeufer auf einmal Schach gespielt wird. Oder die Big Band der Martin-Niemöller-Gesamtschule unter dem Eisenbahnviadukt aufspielt.

Und wer sich auf den Rundweg macht, meint zu spüren, was Schulz und seine Mitstreiter von der Cooperativa Neue Musik wohl bei ihrer Aktion gedacht haben mögen. Die Menschen am Seeufer, sie »schwärmen« für ganz unterschiedliche Dinge. Die einen kegeln, die anderen malen, sie sind Clowns, Schauspieler, lassen Drachen steigen oder bereiten in der Hartz-IV-Küche ein schmackhaftes Mahl.

In der Wissenschaft gibt es auch den Begriff des intelligenten Schwarms. Aus einer guten Idee eines einzelnen entwickelt sich das Gemeinschaftsgefühl eines Kollektivs. So ähnlich »funktioniert« dieser Sonntagnachmittag am Obersee.

Regen verzieht sich rechtzeitig

Noch am Morgen sieht es so aus, als ob die 18 Monate Vorbereitungszeit für die Katz' gewesen sein könnten. Es regnet Bindfäden. »Zum Glück hat es sich dann doch rechtzeitig aufgeklart«, meint Beate Freier -Bongaertz vom Organisationsteam. Neben ihr verteilen Maja Beckers und Noelle Raum im Info-Zelt unterhalb des Seekruges Schilder mit Nummern an die 17 mobilen und 63 positionierten »Schwärme«, die ihre Standpunkte rund um den See haben. Ein kleiner Faltplan hilft den Besuchern, sich zu orientieren zwischen den Tanzaufführungen des TSVE oder dem »Kommando Ukulele«, das auf seinem Rundgang immer mal wieder ein Ständchen auf seinen Mini-Zupfinstrumenten gibt.

Pünktlich um 16.30 Uhr schweben sieben Fallschirmspringer des Fallschirm-Sportspringerclubs Bielefeld vom Himmel – wie ein Schwarm bunter Vögel. Und dann um kurz vor 18 Uhr ertönt wieder das Muschelhorn, sollen alle Akteure ans Seeufer treten und einen gleichbleibenden Ton anstimmen. Der Schlusspunkt eines Projekts, das in 180 Minuten so viele unterschiedliche Bilder, Klänge und Geräusche hervorbringt.

»Ungewöhnlich«, findet ein wenig distanziert Spaziergänger Wolfgang Menzel die Darbietung. Seine Frau Marita ist dagegen begeistert, »was hier auf die Beine gestellt worden ist«. Sie bilden zusammen mit den vielen anderen Schaulustigen so etwas wie den 18. mobilen Schwarm – auch wenn der nicht im Faltblatt steht.

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