Pollhansmarkt 2012: Mann (45) erfasste mit seinem Auto eine 19-Jährige
Wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Bielefeld/Schloß Holte-Stukenbrock (WB/hz). Mehr als zwei Jahre nach dem Unfalltod einer 19-Jährigen aus Schloß Holte-Stukenbrock hat die juristische Aufarbeitung des Geschehens begonnen. Ein Bielefelder (45) muss sich seit gestern wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr vor dem Amtsgericht Bielefeld verantworten.

Dienstag, 28.10.2014, 04:04 Uhr aktualisiert: 28.10.2014, 10:33 Uhr
Der Unfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich im Oktober 2012 in Schloß Holte-Stukenbrock....
Der Unfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich im Oktober 2012 in Schloß Holte-Stukenbrock.

 Ein Sachverständiger weist dem Angeklagten die volle Verantwortung für den Tod der Frau zu. Das Urteil wird im November erwartet. Das tragische Geschehen, bei dem die junge Frau am 22. Oktober 2012 ums Leben kam, ereignete sich im Dunkeln gegen 4.48 Uhr auf der Tenge-Rietberg-Straße in Schloß Holte-Stukenbrock.

Komplett dunkel gekleidet

 Zum Aufeinandertreffen von Unfallfahrer und Unfallopfer kam es, als die 19-Jährige an jenem frühen Montagmorgen auf dem Rückweg vom Pollhansmarkt und der 45-Jährige in seinem Auto auf dem Weg zur Arbeit war. In Höhe des Ostpreußenweges kurz vor dem Ortsausgang soll die komplett dunkel gekleidete 19-Jährige plötzlich auf die Fahrbahn gelaufen sein. Die junge Frau wurde vom BMW des Bielefelders aufgeladen, schlug vor die Windschutzscheibe des Autos und wurde dann auf den Grünstreifen geschleudert. Wenige Stunden später starb das lebensgefährlich verletzte Unfallopfer in einem Bielefelder Krankenhaus.

 »Auf einmal stand die Frau auf der Fahrbahn. Ich konnte nichts mehr machen«, sagte der Autofahrer. Der Bielefelder soll nach eigenen Angaben das schwarz gekleidete Opfer, das im Dunkeln hinter einem Baum von rechts kommend auf die Fahrbahn getreten sei, ungebremst erfasst haben.

 Den Vorwurf eines Unfallsachverständigen, innerhalb geschlossener Ortschaft seinen BMW auf fast 90 Kilometer in der Stunde beschleunigt zu haben, wies der angeklagte zweifache Familienvater zurück. »Dass ich keine 50 gefahren bin, das ist mir klar. Aber es waren keine 90.« Er habe das Tempo-70-Schild nach dem Ortsausgang bereits vor Augen gehabt und auf maximal 75 Kilometer in der Stunde beschleunigt, sagte er vor Gericht.

Widersprüchliche Sachverständigengutachten

 Ob die Angaben des Angeklagten stimmen, darüber gibt es zwei widersprüchliche Sachverständigengutachten. Im ersten ist davon die Rede, dass der BMW-Fahrer innerhalb geschlossener Ortschaft mit maximal 80 Kilometer in der Stunde unterwegs war. Die Bremsen mit ABS-Anlage hätten korrekt funktioniert, so das Ergebnis.

 Dem widersprach der Sachverständige Helmut-Dieter Reuter aus Minden. Laut Verletzungsmuster am Unfallopfer und den Schäden am Auto sei die 19-Jährige aus Autofahrersicht von links auf die Straße getreten, teilte Reuter Amtsrichterin Kerstin Heitker mit.

 Auch soll der Bielefelder die junge Frau nicht ungebremst erfasst haben. Ursprünglich sei der BMW-Fahrer 89 Kilometer in der Stunde schnell gewesen sein. Die Kollisionsgeschwindigkeit habe nur 78 Kilometer in der Stunde betragen. Bremsspuren an der Unfallstelle deuteten darauf hin, dass alle vier Räder am Auto blockiert hätten und die ABS-Anlage damit defekt gewesen sei. Für den Experten steht jedenfalls fest, wer die Alleinschuld am Tod der jungen Frau trägt: »Der Pkw-Fahrer hätte bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde vor der Fußgängerin anhalten können.«

 Amtsrichterin Heitker setzte gestern die Verhandlung bis zum 14. November aus. Polizisten, die damals Unfallspuren gesichert hatten, sollen als Zeugen gehört werden. Zudem soll der Sachverständige Reuter in den nächsten Wochen mehr als zwei Jahre nach dem Unfall ein Schuhgutachten erstellen, um die Gehrichtung der 19-Jährigen zu klären.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2836974?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Touristen müssen bis 2. November raus aus Schleswig-Holstein
Hinweis auf die Maskenpflicht in Timmendorfer in Schleswig-Holstein Strand.
Nachrichten-Ticker