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Fr., 27.03.2015

Finanzamt soll Antrag gestellt haben Middelhoff droht die Insolvenz

Foto: dpa

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Dem früheren Top-Manager Thomas Middelhoff droht offenbar unmittelbar ein Insolvenzverfahren. Das Finanzamt Bielefeld-Außenstadt soll gegen den 61-Jährigen beim hiesigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag wegen ausstehender Steuerschulden gestellt haben.

Middelhoff sieht sich mit Forderungen diverser Gläubiger konfrontiert. In Summe ist von mehr als 90 Millionen Euro die Rede. Dem stehen Klagen in dreistelliger Höhe gegenüber. In den vergangenen Monaten hatte Middelhoff bereits einen Offenbarungseid leisten, sich Taschenpfändungen unterziehen müssen – und zuletzt bei einer Haftbeschwerde eingeräumt, gegenwärtig nicht über privates Vermögen zu verfügen. Der Ex-Chef des inzwischen insolventen früheren Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor sitzt seit dem 14. November 2014 in Untersuchungshaft – wegen Fluchtgefahr. Das Landgericht Essen hatte Middelhoff wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Richterspruch ist wegen der Revision beim Bundesgerichtshof nicht rechtskräftig.

Die »FAZ« berichtete gestern, dass ein Insolvenzantrag gestellt sei. Das Bielefelder Finanzamt wollte sich auf Anfrage mit Hinweis auf das Steuergeheimnis nicht äußern. Eine Sprecherin des Amtsgerichts Bielefeld ließ offen, ob ein so genannter Fremdantrag vorliegt. Grundsätzlich ist jeder Gläubiger berechtigt, einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen eines Schuldners zu stellen, wenn er von dessen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ausgeht. Als Voraussetzung gilt, dass der Gläubiger seine Forderung glaubhaft nachweisen kann. Dazu dienen etwa Urteile, Vollstreckungsbescheide oder Dokumente wie Rechnungen.

Die Finanzämter versuchen in der Regel, zunächst mit ihrer eigenen Vollstreckungsstelle Steuerschulden einzutreiben. Dazu werden etwa Pfändungsverfügungen erlassen, um auf Bankkonten zugreifen oder sich Vermögenswerte des Schuldners sichern zu können. Bleibt dies erfolglos, ist die Behörde berechtigt, in letzter Konsequenz und nach Abwägung der Angemessenheit Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gegen den Schuldner zu stellen. Dies kommt vereinzelt vor.»

Bei einem Fremdantrag erhält der Betroffene zunächst Gelegenheit zur Stellungnahme«, sagt die stellvertretende Amtsgerichtssprecherin Sonja Poppenborg. Dann entscheide das Gericht über den Insolvenzantrag. Zudem kann der Schulder einstweiligen Schutz beim Finanzgericht beantragen. 

Die Vermögenslage des einstigen Multimillionärs Middelhoff gilt seit geraumer Zeit als angespannt. Im Juli betonte er, nicht pleite zu sein. Er habe aber das Problem, dass er nicht an seine Liquidität herankomme, die von der Bank Sal. Oppenheim blockiert werde. Die Bank wiederum fordert per Klage aus Krediten 78 Millionen Euro von Middelhoff. 

Kommende Woche verhandelt das Landgericht Bielefeld eine Klage des Ex-Managers gegen den Unternehmensberater und Ex-Geschäftspartner Roland Berger. Auf dessen Betreiben hin hatte Middelhoff im Juli einen Offenbarungseid leisten müssen und eine Schuldurkunde über 6,97 Millionen Euro unterzeichnet, gegen die er nun vorgeht. Im August pfändete eine Gerichtsvollzieherin im Auftrag eines Berliner Wohnungsbauunternehmens, dem Middelhoff eine Million Euro schulden soll, seine Piaget-Uhr. Deren Versteigerung brachte rund 10 350 Euro ein.

Einem noch nicht rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Essen zufolge soll der Ex-Manager zudem 3,4 Millionen Euro an den Arcandor-Insolvenzverwalter zahlen. Der Immobilenmogul und frühere Geschäftspartner Josef Esch wiederum fordert 2,5 Millionen Euro von Middelhoff. Dessen mit Hypotheken belastete Villa in Frankreich steht schon zum Verkauf – für rund 30 Millionen Euro. Dorthin hatte die Familie vor zwei Jahren ihren Erstwohnsitz verlegt, der zuvor Bielefeld war.

Kommentare

Herzlichen Glückwunsch

Die Insolvenz wäre dann der wohl größte Erfolg, denn nach der Insolvenz sind auch die Steuerschulden weg.......sei denn die wären aus einer "unerlaubten Handlung" (Straftat), da aber Herr Middelhoff wohl sein Steuer erklärt hat..........Herzlichen Glückwunsch wieder mal netto verdient

1 Kommentare

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