Polizei ermittelt nach dem Westfalen-Derby gegen Gewalttäter der Münsteraner Fanszene
Zahlreiche Strafverfahren

Bielefeld (WB). Die Hooligan-Randale beim Westfalen-Derby Arminia Bielefeld gegen Preußen Münster zieht eine größere Reihe von Strafverfahren nach sich. Das sagte Polizeisprecher Achim Ridder.

Dienstag, 21.04.2015, 14:15 Uhr aktualisiert: 21.04.2015, 14:40 Uhr
Polizei ermittelt nach dem Westfalen-Derby gegen Gewalttäter der Münsteraner Fanszene : Zahlreiche Strafverfahren
Eng eskortiert von Polizisten marschieren am Samstagmittag um die 400 Münsteraner Ultra-Fans und Hooligans durch den Bielefelder Westen vom Hauptbahnhof zur Schüco-Arena. Foto: Thomas F. Starke

Gegen Randalierer aus der Münsteraner Fan-Szene werde wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz (Verstoß gegen das Vermummungsverbot) ermittelt. Die mutmaßlichen Täter sollten anhand von Videoaufnahmen identifiziert werden, sagte Ridder.

Polen-Böller gegen Polizisten

Der Polizeisprecher korrigierte die Zahl der Böllerwürfe auf Polizisten bei der Begleitung von etwa 420 Münsteraner Ultra-Fans und Hooligans vom Hauptbahnhof zur Schüco-Arena nach oben. Nicht wie zunächst gemeldet zwei, sondern sieben sogenannte Polen-Böller mit massiver Explosionskraft seien am Samstagmittag in Richtung der eingesetzten Beamten geworfen worden. Wie berichtet, erlitten fünf Polizisten Knalltraumata und mussten sich in Krankenhäuser behandeln lassen. Strafrechtlich wertet das die Polizei als gefährliche Körperverletzung.

Wegen des Zündens von Explosionskörpern wird auch gegen einen vorübergehend festgenommenen DSC-Fan ermittelt. Der Mann soll im Bereich Jöllenbecker Straße unter einer Brücke einen lautstarken Böller geworfen haben. Ebenfalls strafrechtlich verfolgt werden sollen die Becherwürfe aus dem Münsteraner Gästeblock in Richtung Osttribüne auf DSC-Fans. Polizeisprecher Ridder bezifferte die Zahl der Würfe auf einen »zweistelligen Bereich.«

Der Versuch von teilweise vermummten Ultra-Fans und Hooligans aus dem Münsteraner Lager, nach Abpfiff im Stadion die Osttribüne zu stürmen, werde Strafanzeigen wegen Landfriedensbruch und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz nach sich ziehen. Videoaufnahmen von diesem Vorfall würden derzeit ausgewertet. Gleichzeitig korrigierte Ridder die Zahl der Randalierer von 350 auf 100 nach unten.

Durchbruch zur Osttribüne wird untersucht

Ob der von DSC-Ordnern und Polizisten in letzter Minute gestoppte Durchbruch zur Osttribüne zur Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen im Stadion führen wird, ließ Arminia-Sprecher Tim Santen gestern noch offen: »Wir befinden uns noch in der Aufarbeitungsphase und wollen uns erst ein möglichst umfassendes Bild von dem machen, was am Samstag passiert ist.« Die Hooligans hatten beim Sturmversuch auf die Osttribüne unter anderem ein Meter lange Eisennägel zum Befestigen von Absperrgittern als Waffen gegen Ordner und Polizisten eingesetzt. Das Bau- und Absperrmaterial werde nun an anderer Stelle gelagert, kündigte Santen an.

Dass ein Preußen-Fan bei Abpfiff eine DSC-Fahne von der mit Arminen-Fans besetzten Osttribüne gestohlen und der eigenen Truppe übergeben hatte, sorgt für dringenden Gesprächsbedarf zwischen den Fußballvereinen mit verfeindeter Anhängerschaft. Santen bestätigte am Montag dieser Zeitung vorliegende Informationen, es handele sich beim Fahnendieb um einen offiziellen Fan-Fotografen der Münsteraner. Der Preußen-Fan soll sich mit offizieller Erlaubnis der gastgebenden Arminia im Bereich der DSC-Fans aufgehalten haben, um seiner Arbeit nachzugehen.

Als DSC-Ordner Arminenanhänger aufforderten, das Fahnenschwenken nach dem 2:1-Sieg über Preußen Münster einzustellen, um die angespannte Situation im Grenzbereich Osttribüne/Gästeblock nicht weiter anzuheizen, soll der Fan-Fotograf die abgelegte Fahne »aus dem gesicherten Innenbereich« der DSC-Fans entwendet haben. Dem Täter droht jetzt ein bundesweites Stadionverbot.

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