Nach Partie im Jahr 2014: Amtsgericht spricht Hertha-Anhänger frei – Zweifel an Aussagen des früheren Sicherheitsdienst-Einsatzleiters
Pokalspiel schlägt immer noch hohe Wellen

Bielefeld(WB). Sportlich ist Arminias Pokal-Aus gegen Hertha BSC Berlin  abgehakt, strafrechtliche Ermittlungen (Pistolenschuss auf den Mannschaftsbus)  laufen weiter. Aber auch die Begleitumstände beim Pokalsieg gegen Hertha im Jahr   2014 schlagen immer noch hohe Wellen.  Jetzt hat das Bielefelder Amtsgericht einen Berliner Fan von der Anklage freigesprochen, gegen das Versammlungsgesetz verstoßen zu haben.

Dienstag, 18.08.2015, 09:27 Uhr aktualisiert: 18.08.2015, 09:32 Uhr
Nach Partie im Jahr 2014: Amtsgericht spricht Hertha-Anhänger  frei – Zweifel an Aussagen des früheren Sicherheitsdienst-Einsatzleiters : Pokalspie...
Große Randale und viel Pyrotechnik, aber kaum Durchblick: Durch diese Rauchschwaden hindurch meinte der Zeuge eindeutig einen Hertha-Fan beim Abfeuern eines Feuerwerkskörpers erkannt zu haben. Das Gericht hielt die Aussage für »zweifelhaft« Foto: Thomas F. Starke

 Eine unrühmliche Rolle spielte in dem Prozess der  leitende Mitarbeiter L. des damaligen Ordner-Dienstes Elko des DSC Arminia am 28. Oktober 2014  in der Schüco-Arena – derselbe Mann, der nun  Ordnungsdienstleiter beim VfL Osnabrück ist. Schon vor der Begegnung fielen die Herthaner unangenehm auf: Sie versuchten den Stadion-Zugang zu stürmen. Während des Einlaufens des Teams wurden im Gästeblock  Feuerwerkskörper gezündet. In der zweiten Hälfte war der Block der Berliner durch  Abfeuern von Pyrotechnik völlig vernebelt.

Auch die Überwachungskameras der Polizei hatten kaum Durchblick. Trotzdem war es wohl gelungen, fünf Hertha-Anhänger als die Verursacher der Randale auszumachen. Die Schlüsselrolle dabei spielte eben der Einsatzleiter des damaligen Sicherheitsdienstes Elko Eventservice GmbH, der  für die Kontrolle im Gästeblock zuständig war.  Projektleiter L.  (35) stand  im Innenbereich, wechselte dann in den Block T1 hinüber. Und von dort meinte der Einsatzleiter eindeutig den 23-jährigen Berliner Julian H. als einen der Hertha-»Pyromanen« erkannt zu haben. Als Zeuge sagte der 35-Jährige nun vor dem Bielefelder Amtsgericht: »Die Fackel von H. brannte am längsten.«
Er sei danach in die Polizeizen­trale auf die Gegengerade gewechselt und habe seine Beobachtungen mitgeteilt. Der Einsatzleiter erstattete später selbst auch eine Strafanzeige gegen den Berliner.

Klage gegen Land NRW und Bielefelder Polizeipräsidentin

Nach Spielschluss versuchten Polizeibeamte die vermeintlichen Berliner Feuerwerker  festzunehmen und zu identifizieren. Dabei solidarisierten sich 250 andere Herthaner mit den angeblichen Straftätern. Es kam zu Auseinandersetzungen und zur Einkesselung der Gäste-Fans. Fast zwei Stunden, so ein Berliner Rechtsanwalt, seien die Herthaner »in Dunkelheit und Kälte« festgehalten worden. »Das ist unverhältnismäßig«, sagte der Jurist nun im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.   Er legte für einen Herthaner deshalb Klage gegen das Land NRW und die Bielefelder Polizeipräsidentin beim Verwaltungsgericht Minden ein.

Der 23-jährige Julian H. indes war angeklagt worden, gegen das Versammlungsgesetz verstoßen zu haben. Im Prozess vor dem Amtsgericht wiederholte der 35-jährige Chef-Ordner nun seine Aussage, verstrickte sich allerdings in »gravierende Widersprüche«.  Es seien »Zweifel angebracht, ob der Zeuge richtig liegt«, meinte auch der Vorsitzende  Richter in seiner Urteilsbegründung. Seine Konsequenz: Freispruch für den Berliner. Die Sicht des Zeugen sei einfach nur »mangelhaft« gewesen. Seine Aussage als Zeuge sei für eine Verurteilung des Angeklagten nicht geeignet.

Als aber der Verteidiger bei dem Ex-Projektleiter nachfragte, ob er mit seinem Handeln damals für Arminia habe »Ergebnisse liefern«  wollen, blieb der 35-Jährige die Antwort schuldig. Die Firma Elko Eventservice war vom DSC im Februar 2015 geschasst worden – wegen gravierender Bedenken des Ordnungsamtes der Stadt Bielefeld hinsichtlich der  Eignung des  Personals, das sei »nicht qualifiziert genug« gewesen sei, teilte der DSC  später mit.  Für den VfL Osnabrück war der 35-Jährige ebenfalls in seiner Funktion bei Elko tätig, bis der VfL im Sommer diesen Vertrag mit dem Eventservice aufkündigte. Die Osnabrücker setzen nun auf den eigenen Sicherheitsdienst. Und einer der leitenden Mitarbeiter ist eben  der 35-jährige L.

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