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Mo., 21.09.2015

Das Bündnis gegen Rechts setzt ein deutliches Zeichen – Biegida kann kaum Anhänger mobilisieren Maxi-Aufmarsch gegen Mini-Demo

Nur 19 Biegida-Anhänger sind gekommen. Ganz anders sieht's bei den Gegendemonstranten aus: 3500 Aktivisten sind dabei gewesen.

Nur 19 Biegida-Anhänger sind gekommen. Ganz anders sieht's bei den Gegendemonstranten aus: 3500 Aktivisten sind dabei gewesen. Foto: Thomas F. Starke

Von Michael Schläger und Jens Heinze

Bielefeld (WB). 3500 Demonstranten des »Bündnisses gegen Rechts« haben Montag-Abend für ein buntes und weltoffenes Bielefeld demon­striert. Dagegen kamen nur 19 Menschen zur ersten Demo der Biegida-Islamkritiker.

Dank eines massiven Polizeiaufgebotes – im Einsatz waren Polizei-Hundertschaften aus Bielefeld, Bochum, Dortmund, Mönchengladbach, Münster, Köln, ein Polizeihubschrauber sowie die Landesreiterstaffel Bochum – kam es nur zu kleineren Zwischenfällen.

Auf einer Entfernung von weniger als 75 Metern standen sich kurz nach 19 Uhr beide Gruppen gegenüber: die Demonstranten des Bündnisses gegen Rechts, unter ihnen auch Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) an der Einmündung der Ziegelstraße in die Heeper Straße. Die Biegida-Rechtspopulisten (»Bielefelder gegen die Islamisierung des Abendlandes«) bezogen kurz dahinter auf der Heeper Straße in Höhe einer Tankstelle Aufstellung.

Versuch Polizeiabsperrung zu durchbrechen

Eigentlich hätten sich die Bündnis-Demonstranten auf der Rasenfläche am Zugang zum Festplatz an der Radrennbahn versammeln sollen. Doch nach ihrem Demonstrationszug vom Ostbahnhof zum Kundgebungsplatz drängten einige gleich zur Polizeiabsperrung und versuchten diese zu durchbrechen, was von den Einsatzkräften verhindert wurde.

Zwei weitere Durchbruchversuche gab es am 1,9 Kilometer langen Marschweg der Biegida an der Heeper Straße. Mit Samba-Trommeln, Triller-Pfeifen und »Nazis raus!«-Rufen störten Bündnis-Demonstranten die Auftakt-Kundgebung der Biegida-Leute. Vier Biegida-Anhänger schwenkten derweil Deutschland-Fahnen in Richtung ihrer Gegner.

»Wir brauchen eine Willkommenskultur«

»Ich fände es gut, wenn auch auf unserer Seite Deutschland-Fahnen geschwenkt würden«, sagte bei der Kundgebung des Bündnisses die Schauspielerin Carmen Priego vom Theater Bielefeld. »Wir wollen doch die Deutungshoheit, was Deutschland ausmacht, nicht den Rechten überlassen.«

Zu den Rednerinnen der Bündnis-Kundgebung gehörte auch die 80-jährige Helga Sielemann, Vorsitzende des Siedlungsbeirates der Wohnungsgenossenschaft Freie Scholle, deren Siedlung »Auf dem langen Kampe« am Demonstrationsort liegt. »Wir brauchen eine Willkommenskultur und keine Ablehnung«, sagte sie angesichts der vielen Flüchtlinge, die jetzt auch nach Bielefeld kommen.

Spenden für Flüchtlinge

»Ich verstehe nicht, dass Faschisten in Deutschland auf die Straße gehen dürfen«, rief die Künstlerin Raphaela Kula unter dem Beifall der Kundgebungsteilnehmer. Auch Kathrin Dallwitz vom Arbeitskreis Asyl ergriff das Wort, bat um Spenden für die Flüchtlinge.

Wiebke Esdar, eine der Organisatorinnen des Bündnisses gegen Rechts, kündigte an, immer wieder dann auf die Straße zu gehen, wenn auch Biegida sich wieder formieren würde: »Wir wollen den Rechten in dieser Stadt keine Chance geben.«
Polizeisprecher Achim Ridder sagte, am Rand der Demonstrationen habe es lediglich »mehrere kleinere Vorkommnisse« gegeben.So seien von Bündnis-Demonstranten zwei Eier auf Biegida-Leute geworfen worden, die als versuchte Körperverletzung gewertet würden. Niemand musste festgenommen werden oder wurde verletzt.

Borgartz kündigt weitere Demos an

Melanie Dittmer, Hauptrednerin und führender Kopf der Biegida-Demo, erstattete Anzeige wegen Beleidigung, nachdem eine Anwohnerin der Heeper Straße aus einem Fenster heraus den Rechtspopulisten den gestreckten Mittelfinger gezeigt hatte. Außerdem drohte Dittmer Stadt und Polizei mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht, als etwa 120 Linksautonome kurz vor der Ecke Heeper-/Brückenstraße lauthals Parolen gegen die Rechtspopulisten skandierten und deren Redebeiträge übertönten.

Thomas Borgartz, Anmelder der als »Spaziergang« deklarierten Biegida-Demo, kündigte weitere derartige Veranstaltungen hier und in Nachbarstädten an. Er verwahrte sich dagegen, dass Biegida in die rechtsextreme Ecke gerückt werde: »Mit Nazis möchten wir nichts zu tun haben.«

Kommentare

3500 mit Rückgrat, 19 & ein parr Kommentatoren mit verlängertem Rückgrat!

@Ralf: man ist vor allem nicht nicht-rechtsradikal, weil man Deutschlandfahnen schwenkt. (Wer bringt dich bei dir eigentlich auf die Idee, das wir hier so denken?)

Langweilig und vorhersehbar, wie unten die gescheiterten *gida-Veranstalter noch im Nachgang vie Online-Kommentar Zwietracht sähen möchten, nachdem ihnen schon vor Anmeldung der Veranstaltung hätte klar sein müssen, dass sie niemand hören oder sehen möchte.
Lächerlich zu glauben, dass jemand darauf hereinfällt.

Was ein Aufriss. Als Anwohner war das gestern ein Schauspiel auf das gern hätte verzichtet werden können. Der Lärm, welcher von den Demonstranten ausging und von den dauernd über den Dächern kreisenden Hubschraubern hallt noch heute in meinen Ohren nach und es ist eine Unverschämtheit so etwas in einer Wohngegend bis um 21 Uhr zu veranstalten, wo es Familien mit Kindern gibt, welche eigentlich schlafen sollten. Wenn man meint solche Aufläufe veranstalten zu müssen, wobei der Biegida-Auflauf ja sehr winzig war (was ich gut heiße), dann sollte man das auf den Vor-und Nachmittag verlegen am Wochenende und nicht auf Sonntagabend. Sich mit Besuch daheim in den eigenen Wänden anschreien zu müssen, nicht zu wissen wie man wieder nach Hause fahren kann und die nicht zur Ruhe kommenden eigenen Kinder.... Von welcher Seite ist das gewollt? Bei wem kann ich da Rechnung hinschicken für die Kopfschmerztabletten? ... Aber die Anwohner sind ja vollkommen egal. Ich bin einfach nur sauer und das auf beide Seiten!

Die Demo war insgesamt sehr friedlich und mit guten und überwiegend konstruktiven Redebeiträgen. Ausnahmen gibt es bei der Personenanzahl wohl immer und sind kaum zu vermeiden, aber es bleibt zu betonen: Ausnahmen. Die Kommentare zum Artikel finde ich erschreckend. Menschen, die ihr Recht zu Demonstrieren und zumindest insofern ein politisches Zeichen setzen wollen, gehören grundsätzlich "zu den Dummen"? Insbesondere in Zeiten einer solchen Polarisierung ist es kaum möglich unpolitisch zu sein, denn ein Schweigen bedeutet auch das Tolerieren einer erstärkenden rechtspopulistischen Bewegung. Alle, die auf der Demo ein Zeichen dagegen gesetzt haben, als dumm, pöbelnd und aggressiv zu bezeichnen ist traurig und offensichtlich unzulässig reduktionistisch und sagt somit wohl eher etwas über die Verfasser_innen der Kommentare aus.

Wenn man die Deutsche Fahne schwenkt, dann ist man Rechtsradikal. Das ist Bielefeld!

"Nazis", "Faschisten", Islamisierung des "Abendlandes" ..... Ich glaube den Linken wie den Rechten mangelt es doch sehr an der richtigen Wortwahl.Diese Begriffe sind Beleidigungen und keine sachlich richtigen Bezeichnungen.Vor allem auffällig ist die Antiquiertheit von Parolen und Bezeichnungen.Mit diesen unqualifizierten Pöbeleien stehen beide Seiten weiterhin auf den Seiten der Dummen.....

Was für eine Farce ! Mehrere hundert Polizisten, Reiter, Hubschrauber. Und wofür ? Um das Demonstrationsrecht eines kleinen Haufens zu schützen ?! Warum haben sich die Linken nie im Griff und warum marschieren so viele angeblich friedliche und bunte Bürger hinter der ANTIFA her ? Wer mit der ANTIFA läuft, ist nicht besser als das, was man vermeintlich bekämpfen will !

9 Kommentare

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